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Waren Probleme bekannt? Boeing-Absturz hat globale Folgen

Medien berichten von Beschwerden über das Modell - 13.03.2019 11:40 Uhr

Nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate wenden sich viele Airlines und Luftfahrtbehörden aus Furcht vor einem technischen Problem vom neuen Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 ab. © Darryl Dyck, dpa


Nach dem Absturz zweier baugleicher, neuer Flugzeugtypen binnen weniger Monate gerät der US-Flugzeugbauer Boeing weltweit unter Druck. Obwohl die zuständige US-Luftfahrtbehörde FAA die betreffenden Boeing 737 Max 8 weiter für zuverlässig hält, reagieren Passagiere verunsichert. Erste Flugverbote einiger Airlines lösen eine globale Dynamik aus, der sich immer mehr Betreiber und Regierungen anschließen. Mittlerweile sind viele Maschinen am Boden. Was ist bekannt?

UNFALL: Augenzeugen wollen gesehen haben, dass sich die Boeing vor dem Aufprall nahe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba am Sonntag um die eigene Achse gedreht hat, andere berichten von Flammen. Laut der Airline meldeten die Piloten dem Tower Probleme mit der Flugsteuerung. Die Bilder vom Unfallort deuten darauf hin, dass sich die Maschine nicht in der Luft zerlegt, sondern fast senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit in den Boden gebohrt hat. Die Trümmer liegen eng beieinander - ein Hinweis, dass der Rumpf beim Aufprall noch weitgehend intakt war. Die Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines war auf dem Weg nach Nairobi kurz nach dem Start abgestürzt. Konkrete Hinweise auf die Ursache erhoffen sich die Ermittler durch die Auswertung von Cockpit-Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber.

Bereits in der Vergangenheit gab es wohl Beschwerden über das Modell von Piloten. Die US-Zeitung Dallas Morning News berichtete über eine US-Behördenwebsite, auf der Fehler gemeldet werden können. Piloten gaben dort Probleme mit dem Autopiloten während der Startphase bekannt. 

DIE KONSEQUENZEN: Zunächst setzten Singapur und Australien alle Flugaktivitäten der Boeing-737-Max-8-Flugzeuge vorsichtshalber aus, diverse Airlines rund um den Globus erteilten Startverbote. Später sperrten dann auch mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland und Großbritannien, ihren Luftraum für Maschinen dieses Typs. Am Dienstagabend riegelte dann auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA den europäischen Luftraum für Boeing 737 Max 8 und Max 9 ab.

Unternehmen wie der Tui-Reisekonzern handelten erst zögerlich, weil sie sich zunächst auf Empfehlungen der US-Luftfahrtbehörde FAA stützten. Diese hatte zunächst keine Notwendigkeit für Flugverbote gesehen, zumal Boeing selbst Software-Modifizierungen in Aussicht gestellt hat. Auch der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, warnte zunächst vor unbedachten "Schnellschüssen" - bevor Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kurzerhand die Luftraumsperrung verfügte. Laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) gilt die Maßnahme zunächst bis 12. Juni.

PASSAGIER-REAKTIONEN: Die widersprüchlichen Airline- und Behörden-Entscheidungen steigerten die Verunsicherung bei vielen Passagieren noch. Verängstigte Fluggäste fragten nach und wollten Flüge mit dem betroffenen Boeing-Flugzeugtyp unbedingt vermeiden. Angesichts der nun verhängten Flugverbote ist noch unklar, ob es zu Annullierungen von Flügen kommt. Sie sind in Europa jedoch eher unwahrscheinlich: Bei der Flotte des Tui-Konzerns sind lediglich 15 Maschinen von insgesamt rund 150 Flugzeugen betroffen: sie wurden in Großbritannien und den Benelux-Ländern eingesetzt. Auch bei der Airline Norwegian, die ebenfalls den Einsatz des Boeing-Modells stoppte, sind nur relativ wenige Jets betroffen.

BOEING: Der US-Luft- und Raumfahrtriese kämpft ausgerechnet bei seinem hoffnungsfroh gestarteten jüngsten Kassenschlager gegen eine Vertrauenskrise. Die Aktie verlor schon kräftig. Die auf weniger Spritverbrauch getrimmte Boeing 737 Max 8 ist eine Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 und wird in der neuen Form mit größeren und sparsameren Triebwerken ausgeliefert. Konkurrenzmodell ist der Airbus A320neo. Noch unklar ist, ob und wie diese Vertrauenskrise dem europäischen Konkurrenten Airbus nutzt.

BEHÖRDEN: Die Bewertung der Zuverlässigkeit des jüngsten Boeing-Flugzeugtyps drohte auch die Beziehungen der Luftfahrtbehörden in den USA und Europa zu belasten. Denn nachdem die Europäer bisher Entscheidungen der FAA regelmäßig mittrugen, scherte nun als erstes die britische Luftfahrtbehörde aus und folgte mit ihrem Flugverbot für den Jet der FAA-Einschätzung nicht. Andere Behörden folgten. Schließlich wandte sich auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA gegen die Amerikaner und sperrte den europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max. 

dpa

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