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Schneller Netzausbau: Die Telekom jagt jetzt Funklöcher

Bürgermeister sagt: "Den Gemeinden soll Schwarzer Peter zugeschoben werden" - 20.08.2019 20:30 Uhr

Viele Gemeinden sind genervt über Funklöcher, gerade in ländlichen Gebieten. © dpa


Nicht jammern über Funklöcher, sondern eine Bewerbung losschicken: Nach diesem Motto startet die Deutsche Telekom ab sofort eine Aktion unter dem Schlachtruf "Wir jagen Funklöcher". Konkret sollen 50 Funklöcher gestopft werden an Orten, wo der Mobilfunkstandard LTE nicht funktioniert. "Wir wollen einen Gemeinderatsbeschluss, ein aktives Ja der Kommune. Dann könnten wir mit dem Netzausbau viel schneller loslegen", sagt Telekom-Sprecher Markus Jodl. Ihm würde es genügen, wenn die Gemeinde etwa das Feuerwehrdach als Standort für einen Masten absegnet. Für dieses Engagement samt Prozessbeschleunigung werde die Telekom die Kosten übernehmen und dabei weniger daran denken, dass sich die Funkanlage rechnen muss.

Klingt gut, vor allem die Kostenübernahme, meint Stefan Frühbeißer, Bürgermeister von Pottenstein mit Direktmandat von der unabhängigen Liste CWU-UWV. Wenn er seinen Kreis durchfährt, quert er sechs Ortsteile ohne Netzanbindung von insgesamt 35. Skeptisch stimmt ihn bei dem Telekom-Vorstoß die geringe Zahl: "50 Funklöcher in ganz Deutschland zu stopfen – das ist nicht viel." Entschieden werde wahrscheinlich nach dem Windhundverfahren, wer schnell ist, gewinnt.

Doch was genau ist gewonnen, wenn der Stadtrat etwa von Pottenstein einem neuen Mobilfunkmasten den Segen gibt? Frühbeißer schwant: "Den Gemeinden soll der Schwarze Peter zugeschoben werden." Nicht jedes Feuerwehrdach sei baulich geeignet, ganz zu schweigen von dem Klagerisiko, wenn eine Bürgerinitiative sich gegen Funkmasten stemmt. All das seien Kosten, deren Höhe gar nicht absehbar sei.

"Wir sind steinreich"

Anstatt zu warten, dass etwas passiert, hat die Stadt die Glasfaseranbindung in eigene Hände genommen. Das Abgehängtsein vom schnellen Internet und Mobilfunk "können wir uns als Tourismusregion nicht erlauben", sagt der Bürgermeister. Wobei die Urlauber ja gerade wegen der pittoresken Felsenlandschaft kommen. "Wir sind steinreich", lautet die Kehrseite, denn der felsige Untergrund bringt Erschwernisse für das Verbuddeln von Kabeln mit sich.

Egal, Pottenstein hat sich für das Betreibermodell entschieden, obwohl eigentlich der Bund und nicht die Gemeinde zuständig ist für den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur, wie Frühbeißer betont. In ein bis zwei Jahren soll Glasfaser in jedes Haus führen. Zuschüsse dafür gibt es aus der Breitbandoffensive des Bundes und des Freistaats. Doch die Förderung ist gedeckelt.


Hier sind Frankens Funklöcher


Die Glasfaserleitungen lösen freilich keineswegs das Mobilfunkproblem, bilden jedoch immerhin die Voraussetzung für zusätzliche Masten. Mit der Telekom, so Frühbeißer, sei die Stadt ständig im Gespräch.

Europas größter Telekomkonzern baut im Jahr rund 2000 Antennen-Standorte neu auf. Demgegenüber erscheint das Stopfen von 50 Funklöcher doch wenig. "Aber es ist ein Anfang", findet Telekom-Sprecher Jodl. Wenn die Aktion erfolgreich verlaufe, winke eine Fortsetzung. Immerhin verfügten über 90 Prozent der Fläche über ein gutes Netz. "Aber einige Gemeinden fallen hinten runter."

Die Idee des Funklöcherjagens sei den Technik-Chefs selbst gekommen, sagt Jodl. "Aus dem Frust heraus, dass die Anbindung so schleppend vorankommt." 

Angela Giese

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