15°

Dienstag, 22.10.2019

|

zum Thema

Dampf statt Rauch: Immer mehr Konsumenten greifen zur E-Zigarette

Klassisches Tabakgeschäft floriert trotzdem weiterhin - 20.09.2019 12:03 Uhr

Unbedenklich sind auch E-Zigaretten nicht, doch die Schadstoffbelastung ist deutlich geringer als bei herkömmlichen Kippen. © Thalia Engel/dpa


Die Boom-Produkte sind in der Ecke, rechts neben der Kasse. Es sind E-Zigaretten, also Elektrogeräte mit Flüssigkeiten (Liquids). Die Geschmacksrichtungen heißen "Devils Darling" (Liebling des Teufels) oder "White Glacier" (Weißer Gletscher). Im Düsseldorfer Tabakgeschäft Linzbach steht Christina Lüdtke-Willebrand, Mitinhaberin der 1902 gegründeten Firma, und schaut auf die Ware in der Ecke.

"Die Nachfrage ist da, also bieten wir das an", sagt die 50-Jährige. Sie wirkt wenig begeistert. Ein "Naturprodukt" wie Tabakwaren seien E-Zigaretten nicht, gibt sie zu bedenken. Sie selbst rauche die nicht. "Mir sind die zu süß", sagt sie und zieht an einer klassischen Kippe.

Elektronikprodukte bleiben noch eine Nische

Am (heutigen) Freitag beginnt in Dortmund die Messe Intertabac, die als weltgrößter Branchentreff gilt. Dabei spielen Elektrogeräte zum Verdampfen oder Erhitzen eine immer größere Rolle – Einzelhändler wie Lüdtke-Willebrand fahren in die Ruhrmetropole, um sich nicht nur mit Pfeifen, Zigarren und Zigarillos einzudecken, sondern auch, um neue Elektronikprodukte kennenzulernen und gegebenenfalls zu bestellen.

Bilderstrecke zum Thema

Schluss mit den Glimmstengeln! Bayerns Weg zum Rauchverbot

Verrauchte Kneipen und stickige Restaurants sind in Bayern Geschichte. Seid fast sieben Jahren ist der Griff zum Glimmstengel in den meisten Gebäuden tabu. Der Weg zum Rauchverbot war allerdings ein langwieriges Hin und Her. Wir haben die wichtigsten Meilensteine in einer Bildergalerie gesammelt!


Ihr Geschäft ist ein Beispiel für den Umbruch in der Branche: Nicht nur Markteinsteiger mit neuen Shops, sondern auch alteingesessene Tabak-Einzelhändler setzen auf die neuen Produkte. Linzbach nahm die Verdampfer schon vor etwa zehn Jahren ins Sortiment auf. Seither kletterte der Umsatz in diesem Ladensegment steil nach oben. Trotzdem bleiben die neuen Produkte noch eine Nische – der Anteil an den Gesamterlösen liege im einstelligen Prozentbereich, sagt Linzbach-Mitinhaber Werner Schmitz. Das Hauptgeschäft bleiben klassische Glimmstängel, Zigarren, Zigarillos und andere Produkte.

Das Geschäft wächst stetig

E-Verdampfer erweiterten das Sortiment sinnvoll, meint Schmitz. Kunden, die früher zum Kippenkaufen kamen und dem Tabak inzwischen entsagt haben, kommen durch das Zusatzangebot weiterhin ins Geschäft. Geradezu Euphorie herrscht in der Spartenbranche. Michal Dobrajc, Chef des Verbandes des eZigarettenhandels, sagt selbstbewusst: "Der Vormarsch der E-Zigarette geht weiter." Der Umsatz mit diesen Produkten liege dieses Jahr in Deutschland bei schätzungsweise 600 bis 650 Millionen Euro und damit bis zu 25 Prozent höher als ein Jahr zuvor, sagt er und bezieht sich dabei auf eine Umfrage unter Firmen und Hochrechnungen. In den Vorjahren war das Plus ähnlich hoch.

Bilderstrecke zum Thema

Zigaretten, Tüten, Tücher: Diesen Produkten will die EU an den Kragen

87 Prozent der Europäer sind besorgt, welchen Einfluss Plastik auf die Umwelt hat. Die Lösung? Weniger Plastikverpackungen, einfacheres Recycling, bessere Bildung in Sachen Müllverwertung. Doch damit nicht genug, die Europäische Union will manche Produkte ganz verbieten.


Gesicherte Daten gibt es nicht, das Bündnis für tabakfreien Genuss kommt auf andere Werte, aber in ähnlicher Höhe – die Organisation spricht von einem 25-Prozent-Plus auf 570 Millionen Euro Umsatz im E-Zigaretten-Handel 2019, 2020 klettert er voraussichtlich um 20 Prozent auf 680 Millionen Euro. "Immer mehr Raucher in Deutschland nehmen die E-Zigarette als bessere Alternative zur Tabakzigarette wahr und steigen um", heißt es von dem Bündnis.

Gesunde Alternative?

Tatsächlich bewerben die Hersteller ihre Produkte damit, dass die Gesundheitsgefahren relativ gering seien. Verbandschef Dobrajc spricht von einer um 95 Prozent geringeren Schadstoffbelastung im Vergleich zu Kippen. Tatsächlich ist es unstrittig, dass E-Zigaretten weniger gefährlich sind – Betonung auf "weniger". Denn schlecht für die Gesundheit bleiben sie, worauf beispielsweise die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hinweist. Behördenchefin Heidrun Thaiss bewertet den E-Konsum als "problematisch, besonders vor dem Hintergrund, dass die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen der inhalierten Substanzen weiterhin unklar sind".

In den USA entdeckten Wissenschaftler jüngst in E-Zigaretten und Kautabak den möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff Pulegon "in besorgniserregend hoher Konzentration". In Deutschland fehlt Pulegon nach Angaben von Branchenvertreteter Dobrajc auf einer Liste von Inhaltsstoffen, die in E-Zigaretten ausdrücklich verboten sind, zwar namentlich. Auf der Verbotsliste stehen aber verarbeitete Bestandteile, Extrakte und Öle, die aus der Pflanze Poleyminze stammen. Indien hat den Verkauf von E-Zigaretten als Gesundheitsrisiko verboten.

Dobrajc räumt ein: "Wir reden immer noch von etwas, was wir in die Lunge inhalieren, was von Natur aus da nicht reingehört – das ist keine frische Bergluft." Aber im Vergleich zu Tabakwaren sei es eben sehr viel besser. Die Raucherquote werde künftig noch stärker sinken als bisher und die E-Zigarette werde sich auf dem Markt als weniger schädliche Alternative etablieren, sagt er. Zum einen würden die Anti- Tabak-Gesetze immer weiter verschärft, zum anderen hätten die Menschen ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein.

Rückgang bei klassischen Rauchern moderat

Geht die Nachfrage also weg vom Glimmstängel und hin zum Elektrogerät? Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) gibt sich gelassen. Die Zahl der Raucher sinke zwar, doch der Rückgang sei moderat, sagt er. Der Zigarettenabsatz gehe im langjährigen Mittel nur um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr zurück. Zugleich weist er darauf hin, dass das E-Geschäft noch klein sei: Mit Tabakwaren wurde 2018 in Deutschland ein Umsatz von 26,4 Milliarden Euro gemacht, etwa 40 Mal mehr als mit E-Produkten.

Wie gut kennen Sie sich beim Thema "Rauchen" aus?

© Christoph Schmidt (dpa)

Es ist eines der größten Laster in Deutschland: Das Rauchen. Obwohl die Statistiken mittlerweile rückläufig sind, greifen immer noch tausende Menschen zum Glimmstängel. Neben Zigaretten erobern zunehmend auch Shishas, Pfeifen und E-Zigaretten den Markt. Wie gut kennen Sie sich beim Thema "Rauchen" aus? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.

© dpa

© dpa

Frage 1/14:

Wie viele Zigaretten rauchte Altkanzler Helmut Schmidt pro Tag?

Mit 15 Jahren soll Helmut Schmidt mit dem Rauchen begonnen haben, berichtet die Märkische Allgemeine. Er soll täglich zwei bis drei Schachteln "Reyno White" geraucht haben. Sein Konsum wird auf 40 Zigaretten pro Tag geschätzt.

© Kerstin Joswig

© Kerstin Joswig

Frage 2/14:

Wie wird die Wasserpfeife bzw. Shisha noch genannt?

Die Wasserpfeife hat viele Namen: Sie ist bei einigen auch als Shisha, Narghileh, Arghileh, Hookah, oder Hubble Bubble bekannt.

© Viola Bernlocher

© Viola Bernlocher

Frage 3/14:

Wann fanden die ersten Deutschen Meisterschaften im Pfeifelangzeitrauchen statt?

© dpa/Tobias Hase

© dpa/Tobias Hase

Frage 4/14:

Seit wann darf in bayerischen Bierzelten nicht mehr geraucht werden?

In Bayern gilt seit 1. Januar 2008 das schärfste Rauchverbot Deutschlands. Das Qualmen ist in Gasthäusern, Kneipen, Bierzelten und öffentlichen Gebäuden komplett verboten. Der Landtag beschloss das Gesetz eindeutig mit 140 zu 18 Stimmen.

© Julian Stratenschulte/Archiv (dpa)

© Julian Stratenschulte/Archiv (dpa)

Frage 5/14:

Mit welchem Alter fangen Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit dem Rauchen an?

Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt in Deutschland bei 14,8 Jahren. Unter Haupt- und Realschülerinnen und -schülern ist das Rauchen deutlich weiter verbreitet als bei Jugendlichen, die das Gymnasium besuchen.

Frage 6/14:

Wie heißen die beiden Club-Funktionäre, die sich auf diesem Bild zusammen eine Zigarette gönnen?

© Angelika Warmuth (dpa)

© Angelika Warmuth (dpa)

Frage 7/14:

Ekelbilder auf Zigarettenpackungen wirken besonders bei...

Seit 2016 tragen auch Zigarettenpackungen in Deutschland Bilder von Krebsgeschwüren, Raucherlungen oder Fußamputation. Laut einer Studie der DAK-Gesundheit, bei der knapp 7.000 Schüler der Klassen fünf bis zehn befragt wurden, schrecken die Ekelbilder vor allem Jugendliche ab, die noch nie geraucht haben. Bei rauchenden Schülern lösen sie weniger starke negative Emotionen aus.

© via www.imago-images.de, imago images / SKATA

© via www.imago-images.de, imago images / SKATA

Frage 8/14:

Wie viele Menschen in Deutschland rauchen?

In Deutschland rauchen laut Epidemiologischen Suchtsurvey 2015 etwa 29 Prozent der Erwachsenen, das entspricht ungefähr 20 Millionen Menschen.

© Frank Leonhardt/Symbol (dpa)

© Frank Leonhardt/Symbol (dpa)

Frage 9/14:

Welche Stoffe dürfen in E-Zigaretten laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz nicht enthalten sein?

© Christoph Schmidt (dpa)

© Christoph Schmidt (dpa)

Frage 10/14:

Wie viel Geld nahm der deutsche Staat im Jahr 2018 durch die Tabaksteuer ein?

© Hans-Joachim Winckler

© Hans-Joachim Winckler

Frage 11/14:

Wie viel Prozent der Jugendlichen in Deutschland rauchen klassische Zigaretten?

Der Anteil der jugendlichen Raucher ist seit Jahren rückläufig. Aktuell liegt er nur noch bei zehn Prozent. Die Statistik erfasst allerdings nur klassische Tabakprodukte wie Zigaretten. Der Trend bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren geht dafür immer mehr zu orientalischen Wasserpfeifen, sogenannte Shishas sowie elektronischen Inhalationsprodukten wie E-Zigaretten und E-Shishas.

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Frage 12/14:

In welchen Ländern ist das Rauchen am Steuer verboten?

In Deutschland gibt es aus rechtlicher Sicht kein Verbot für das Qualmen am Steuer. In Ländern wie England, Schottland, Wales, Griechenland, Italien, Frankreich oder Österreich ist das Rauchen im Auto verboten, wenn Kinder unter 18 Jahren an Bord sind. Die Bußgelder belaufen sich meist auf 100 Euro. In Australien und Südafrika ist das Rauchen im PKW dagegen komplett verboten.

© Stefan Hofer

© Stefan Hofer

Frage 13/14:

Wie viele Menschen sterben täglich in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums?

© dpa

© dpa

Frage 14/14:

Welche Bevölkerungsgruppe raucht am meisten?

© Christoph Schmidt (dpa)

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

In dem Verband sind auch Branchengrößen wie British American Tobacco (BAT) Mitglieder, die neben ihren herkömmlichen Zigaretten längst auch E-Verdampfer auf den Markt gebracht haben. "Der Trend ist keine wirtschaftliche Bedrohung, sondern eine Chance", sagt Mücke.

Michael von Foerster hält von solchen Aussagen wenig. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Rauchtabakindustrie vertritt Firmen, die ausschließlich auf Tabakwaren setzen, etwa das bayerische Unternehmen Poeschl. Nach seiner Darstellung wird der Trend zur E-Zigarette an Grenzen stoßen: "Wer Genuss haben will, der wird immer auf traditionelle Tabakerzeugnisse setzen." Im Düsseldorfer Laden Linzbach sind solche Wachstumsgrenzen noch nicht zu spüren. Besonders in den nächsten Monaten dürfte der E-Umsatz anziehen, sagt Inhaberin Lüdtke-Willebrand. Grund: ein saisonaler Effekt. "Wenn das Wetter kalt und verregnet ist, will man nur ungern zum Rauchen vor die Tür", sagt sie. Zu Hause zu rauchen, sei in vielen Partnerschaften und Familien aber ein Tabu. Also greife manch einer zur weniger geruchsintensiven Elektroalternative – um doch drinnen bleiben zu können.

dpa

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Wirtschaft