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Winkelhaiderin empört: "Lass mich nicht zum Online-Banking zwingen"

Postbank-Filiale in Altdorf schließt - keine andere Möglichkeit in der Nähe - 23.06.2019 21:22 Uhr

Kann mit dem Computer umgehen, will aber aus Prinzip nicht auf Online-Banking umsteigen: Brigitte Budinsky aus Winkelhaid.


Die Post-Filiale in der Stephanstraße in Altdorf schließt zum 28. Juni 2019. Die grundlegenden Services wie Pakete aufgeben, Briefmarken kaufen und dergleichen übernehmen Filialen in Einzelhandelsgeschäften, aber die Bank-Geschäfte bleiben auf der Strecke, ebenso wie die Postbank-Schließfächer, die ebenfalls in Altdorf abgeschafft werden.

Der Hinweis, dass man ja über Online-Banking seine Zahlungen, Überweisungen und Einblicke in die Konten tätigen könne, lässt Budinsky nicht gelten. Zu unsicher sei ihr diese Methode im Hinblick auf Datenschutz, außerdem will sie sich diese Art des Geldtransfers nicht vorschreiben lassen: „Ich lass mich doch nicht zu Internet-Banking zwingen“, gibt sich die resolute Winkelhaiderin kämpferisch. Zwar sei sie in der Lage, mit dem Computer umzugehen, aber die Gesellschaft werde schließlich älter, und viele alte Menschen, die es gewohnt sind, vor Ort ihre Rente abzuholen oder eine Rechnung am Schalter zu überweisen, haben nicht mal einen Computer.

Zehn Euro für eine Überweisung

Mehrere Jahrzehnte ist Budinsky, die seit 39 Jahren in Winkelhaid lebt, Kundin der Postbank. Dort hat sie das volle Programm in Anspruch genommen, diverse Konten unterhalten, sämtliche Geldgeschäfte erledigt, und nun wird es wohl nicht mal einen Geldautomaten mehr geben. Das sei noch nicht ausgemacht, teilt Iris Laduch von der Öffentlichkeitsarbeit der Postbank mit. Man sei in Kontakt mit dem Eigentümer des Gebäudes in der Stephanstraße. „Wir haben Interesse daran, dort einen Geldautomaten und ein Serviceterminal aufzustellen.“ Die Verhandlungen liefen aber noch.

Diese Perspektive hat man Brigitte Budinsky nicht eröffnet, als sie sich in Bonn erkundigte, wo es denn einen Automaten für zumindest die einfachsten Geldgeschäfte in ihrer Nähe gibt. Man nannte ihr als Alternative den Rewe-Markt in Burgthann, was aber eine nicht ganz korrekte Auskunft war, denn dort können zwar Ein- und Auszahlungen vorgenommen werden, alle anderen Bankgeschäfte wie Überweisungen und ähnliches werden zunächst an die Deutsche Postbank AG Zentrale in Hamburg zur Weiterbearbeitung geschickt, am Schalter geht da nichts.

Von der Kundenberatung wurden der 70-Jährigen zudem die Filialen in Nürnberg-Langwasser oder Neumarkt nahegelegt. Dies sei eine Zumutung, findet sie allerdings, denn ältere Menschen, die nicht mobil sind, sind auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen und müssen zum Beispiel über zehn Euro für die Fahrt nach Langwasser und zurück hinlegen, nur um beispielsweise eine Überweisung zu tätigen.

Angestellte bereits gekündigt

Brigitte Budinsky ist nicht die einzige, die sich über das aus ihrer Sicht rücksichtslose Vorgehen der Postbank-Verantwortlichen ärgert. In letzter Zeit sei sie jedes Mal auf der Post mit älteren Menschen ins Gespräch gekommen, die die schlechten Neuigkeiten ebenso fassungslos wie sie zur Kenntnis nahmen. Nicht wenige wollten der Postbank den Rücken kehren, weil ihnen der Service einfach zu schlecht ist.

Nicht begeistert von dem Vorgehen seien auch die Angestellten der Post, die alle schon ihre Kündigungen in der Tasche hätten.

Und die Altdorfer Steuerberaterin Raphaela Hallermeier fragt sich angesichts der Abschaffung der Postfächer: „Was soll nun mit den Geschäftsleuten und deren Postbetreuung in Altdorf passieren? Wir sind allein gelassen....“ und fordert Bürgermeister Erich Odörfer auf, sich darum zu kümmern, dass die Schließfächer wieder an einem betreuten Standort eröffnen.

Wie Budinsky, die als treibende Kraft hinter der Umstrukturierung des Postbankfilialnetzes die unter Druck geratene Deutsche Bank sieht, hält auch Brigitte Dehn aus Altdorf die Verquickung der beiden Finanzinstitute für die Ursache dafür, „dass die Postbank keinerlei Interesse mehr am Standort Altdorf zeigt“. Sie ist sich sicher, dass „jetzt auch die Postbank in die Verantwortung gezwungen“ wird, ohne Rücksicht auf die Kunden. Sie fragt sich, wie die Bankenwelt dieses Verhalten denn den über 70-Jährigen erklärt, die ihr Leben lang ihren Geldinstituten die Treue hielten und nun erfahren müssen, dass es den Verantwortlichen völlig egal ist, wie eine 80-Jährige aus Altdorf ohne Auto ihre Rente in Neumarkt abholen soll.

Ebenso sieht das der Winkelhaider Klaus Blendinger, Gemeinderat der UWA: „Viele Rentnerinnen und Rentner, die ihr Geld bei der Postbank angelegt haben, müssen also zum nächsten Postbankgeldautomaten entweder nach Neumarkt oder Nürnberg ...“

Er würde sich wünschen, „dass sich alle Bürgermeister der betroffenen Gemeinden zusammensetzen und darüber diskutieren, ob es nicht sinnvoll wäre, zumindest in einer Gemeinde einen Postbankgeldautomaten aufzustellen“.

Nur eine Beruhigungspille?

Ob dies tatsächlich noch Realität in Altdorf wird oder nur eine Beruhigungspille der Postbanksprecherin ist, kann nicht beurteilt werden. Sie erklärt das Ausdünnen des Filialnetzes wie schon seit Jahren viele Bankinstitute mit der „Veränderung im Kundenverhalten“, das dazu geführt habe, dass Bankdienstleistungen in Altdorf „nicht mehr wirtschaftlich nachhaltig angeboten werden können“.

Brigitte Budinsky sieht ebenfalls die Kommunalpolitik in der Pflicht: „Da müssten unsere Bürgermeister da sein, gerade für die älteren Leute.“ Wie andere hat auch sie, die jede Woche persönlichen Kontakt am Schalter der Altdorfer Postbank hatte, um Auszüge zu holen, Rechnungen zu begleichen, Geld abzuheben, schon bei anderen Geldinstituten über deren Konditionen informiert.

Iris Laduch bietet als Alternativen neben Telefon- und Online-Banking und -Beratung die Dienste verschiedener Supermärkte an, bei denen man mit der Postbank Card bis zu 200 Euro abheben könne, sofern man für 20 Euro Einkäufe tätigt. Das sei nun wirklich keine ernstzunehmende Alternative, findet Brigitte Budinsky, „ich geb’ doch nicht dem Lidl meine ganzen Daten“. 

Gisa Spandler

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