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Traum vom Aufstieg? Fürth-Coach Leitl tritt auf die Bremse

Der Übungsleiter hat das Kleeblatt wieder in die Spur gebracht - 13.02.2020 05:48 Uhr

Stefan Leitl, Kleeblatt-Trainer, hat Fürth in die Spitzengruppe der zweiten Liga geführt. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NN


Wenn Stefan Leitl dieser Tage über sich spricht, dann muss er sich ab und zu zwicken. Das liegt allerdings nicht daran, dass der Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth ein großer Freund körperlicher Schmerzen ist – auch wenn das bei einem, der in der 2. Bundesliga arbeitet, angesichts der Spielweise mancher Mannschaften nicht völlig überraschend wäre. Viel mehr überrascht es ihn, "wie schnell alles vorbeigegangen ist", dass er nun tatsächlich schon ein Jahr lang für das Kleeblatt verantwortlich ist.

Folge 4: Stefan Leitl

Als er am Dienstagnachmittag in Trainingsklamotten ganz oben in der Haupttribüne des Fürther Ronhofs sitzt, da hängt ihm die Niederlage bei seinem Jubiläumsspiel am Sonntag gegen Hannover 96 (1:3) noch immer nach. "Ich bin ein schlechter Verlierer", sagt Leitl. Für seine Mitmenschen war er deshalb zu Wochenbeginn auch kein allzu netter Gesprächspartner, wie er im "Fürther Flachpass", dem Kleeblatt-Podcast dieser Zeitung, erzählt.


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Kleeblatt: Am Ende wurde es Platz 13

Doch so schwer es Stefan Leitl auch fällt, eine Niederlage zu akzeptieren, seine positive Bilanz des vergangenen Jahres trübt der kleine Rückschlag nicht. "Es war viel zu tun, aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht", sagt der 44-Jährige. Als er im Februar 2019 eine verunsicherte Mannschaft übernahm, da gab es nur ein Ziel: nicht abzusteigen. Am Ende wurde es Platz 13 mit sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone.

Mit dieser hat die Spielvereinigung in der laufenden Saison wenig zu tun, sie spielt gefällig und versucht, anders als viele Konkurrenten, aktiv zu sein, das Spiel zu bestimmen – und ist damit erfolgreich. Als Lohn dafür verlängerte der Verein den Vertrag mit Leitl und seinem Assistenten Andre Mijatovic bereits im November um ein weiteres Jahr, "wir stehen wieder für den für Fürth typischen fußballerischen, mutigen Spielansatz, den wir uns durch ihre Verpflichtung erhofft haben", sagte Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi damals.

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Das Kleeblatt wollte seine kleine Siegesserie gegen Hannover fortführen. Doch dann lief es gegen Hannover erstmal so gar nicht. Gegentor während eigener Pressingphase bekommen, Elfmeter verschossen, Überzahl nicht ausnutzen können. Nur durch ein Eigentor kam die Spielvereinigung überhaupt nochmal ran, musste sich dann am Ende aber mit 1:3 geschlagen geben. Die Noten sind dennoch nicht wirklich schlecht. Bis auf eine Ausnahme vielleicht.


Auch Stefan Leitl spricht von einer "guten Entwicklung", die er sich genau so erwünscht hatte, als er vor einem Jahr beim Kleeblatt unterschrieb. "Wir spielen hohes Pressing, das wir aber auch mit Ballbesitzfußball kombinieren wollen", sagt Leitl – wohl wissend, dass Rückschläge bei einer so mutigen Spielweise trotz aller individueller Qualität dazugehören. Fußball ist für ihn ein "Fehlersport, wir spielen mit den Füßen, da ist die Fehlerquote einfach höher".

"Wir werden positiv wahrgenommen, auch außerhalb von Fürth"

Dennoch versucht er, seinen Spielern klare Vorgaben zu machen, wie sich diese auf dem Platz verhalten sollen – ohne dabei die Taktik zu überhöhen. 4-3-3? 4-1-4-1? Für Stefan Leitl sind das "Leitlinien", an die sich seine Mannschaft halten soll. "Ich bin aber keiner, der ein Spiel komplett in Taktik zerlegt, es ist immer noch ein Spiel, weshalb wir es einfach halten", sagt Leitl. Fußball sei schließlich auch ein "situativer Sport, es gibt äußere Einflüsse" – den Gegner, den Rasen, die Schiedsrichter, das Wetter, die Tagesform.

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Gegen Hannover 96 hatte das Kleeblatt einfach kein Glück. Nach schwieriger Anfangsphase kamen die Fürther gut ins Spiel und waren über die meiste Zeit die bessere Mannschaft. Doch Hannover machte die Tore, die Spielvereinigung verschoss dann auch noch einen Elfmeter. Und auch die folgende Überzahl konnte das Team von Stefan Leitl trotz immenser Anstrengungen nicht mehr für sich nutzen. In der allerletzten Minute erhöhte 96 auch noch auf 1:3.


Mit dieser Herangehensweise hat er das Kleeblatt in seiner zweiten Spielzeit auf Platz fünf der 2. Liga geführt, mit einem Sieg am Samstag (13 Uhr) gegen Tabellenführer Arminia Bielefeld wäre Fürth sogar wieder mittendrin im Aufstiegskampf. Doch nicht nur, weil Innenverteidiger Mergim Mavraj wegen einer "Muskelverletzung im Adduktorenbereich" für mehrere Wochen fehlen wird, bremst Leitl die leise Euphorie. Er ist froh, dass das Kleeblatt permanent in der oberen Tabellenhälfte mitspielt, "wir tun gut daran, bodenständig zu bleiben", sagt der Trainer. "Wir werden positiv wahrgenommen, auch außerhalb von Fürth. Diesen Weg wollen wir weitergehen."

Wohin sie dieser Weg noch führen wird, weiß niemand. Jedenfalls nicht nach oben, in die Bundesliga, glaubt derweil Stefan Leitl. "Ich muss die Fürther enttäuschen", sagt er. "Es wird in diesem Jahr nichts werden mit dem Aufstieg."

Michael Fischer und Martin Schano

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