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Donnerstag, 18.07.2019

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Toronto Raptors: Ganz Kanada nach NBA-Sieg im Freudentaumel

Seit 1993 warteten die Kanadier sehnsüchtig auf den Titel - 16.06.2019 15:43 Uhr

Kanada kann Basketball: Daran besteht spätestens jetzt kein Zweifel mehr. © Ezra Shaw, AFP


Die weißen Meister-Shirts der Toronto Raptors waren von Hochprozentigem durchtränkt, nur mit ihren Skibrillen konnten sich die Superstars um Kawhi Leonard vor den Sektduschen schützen. Nach dem historischen ersten Titelgewinn eines Teams aus Kanada in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA feierte der neue Champion am Donnerstag (Ortszeit) eine wilde Kabinenparty, während in der Heimat tausende Menschen auf den Straßen Torontos jubelten und Feuerwerk abbrannten. Die erste Meisterschaft in der 24-jährigen Teamgeschichte sorgte beim Final-Außenseiter für kollektive Ekstase.

Die Warriors entthront

"Wir wollten der Welt beweisen, dass es einen Grund hat, dass es ein NBA-Team außerhalb der USA gibt", sagte Raptors-Boss Masai Ujiri nach dem 114:110-Erfolg bei Titelverteidiger Golden State Warriors, der die Endspielserie im sechsten Duell entschied. Toronto setzte sich vorzeitig mit 4:2 durch und entthronte überraschend die zuvor klar favorisierten Warriors. "Mir bedeutet das sehr viel", sagte Leonard, der sein Team in den Playoffs anführte und unstrittig als wertvollster Spieler (MVP) der Finalserie ausgezeichnet wurde.

Zwei schwere Verletzungen

Der 27-Jährige festigte seinen Status als einer der Topstars der stärksten Liga der Welt eindrucksvoll. "Das ist es, wofür ich Basketball spiele", sagte Leonard. In Spiel sechs erzielte er 22 Punkte, der starke Kyle Lowry brachte es auf 26 Zähler. Leonard, der bereits 2014 mit den San Antonio Spurs den NBA-Titel holte und auch da MVP wurde, kam auf insgesamt 732 Punkte in den diesjährigen Playoffs. Nur Ikone Michael Jordan (759) und LeBron James (748) konnten mehr Punkte in einer K.-o.-Phase in einer Saison verbuchen.

Doch der bescheidene Leonard dachte im Moment des größten Triumphs nicht an solche Superlative, sondern auch an den Gegner. "Ich hoffe, dass es Klay schnell besser geht", sagte der Flügelspieler und sprach Golden States Klay Thompson an. Der Dreierspezialist war mit 30 Punkten Topscorer der Kalifornier, riss sich aber im dritten Viertel bei einer unglücklichen Landung das Kreuzband im linken Knie und wird lange ausfallen. In Spiel fünf hatte sich zuvor in Kevin Durant ein weiterer Superstar der Warriors die Achillessehne gerissen. Das Verletzungspech war ein Grund dafür, dass die Warriors nach ihren Titeln in den vergangenen beiden Jahren dieses Mal nicht mithalten konnten. Superstar Stephen Curry (21 Punkte) hatte kurz vor Schluss beim Stand von 110:111 zwar die Möglichkeit, sein Team in Führung zu bringen. Der Dreier-Versuch des zweimaligen Liga-MVP verfehlte aber sein Ziel. Golden State nahm fälschlicherweise eine Auszeit, die sie nicht mehr hatten. Mit lediglich 0,9 Sekunden auf der Uhr war die Entscheidung gefallen und der Titel-Hattrick unmöglich.

Oh Kanada!

Stattdessen war die Freude im Norden grenzenlos. Die Kanadier warten seit 1993 sehnsüchtig auf einen NHL-Titel im Nationalsport Eishockey, doch nun schafften die Basketballer Außergewöhnliches. 1993 gewannen zudem die Toronto Blue Jays die World Series im Baseball, seitdem ging keine große Teamsport-Meisterschaft in Nordamerika mehr an den nördlichen US-Nachbarn. Im Jurassic Park vor der heimischen Halle schwangen die euphorisierten Fans nach dem Sieg ihre Nationalflaggen mit dem Ahornblatt und sangen die Nationalhymne "O Canada". 

dpa

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