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Neuer Coach! Roijakkers soll Leidenschaft in Bamberg wecken

Nach acht Jahren in Göttingen unterschreibt der Niederländer einen Dreijahresvertrag - 01.07.2020 17:25 Uhr

"Bamberg ist immer noch ein Top-Verein", sagt Johan Roijakkers. © Swen Pförtner, dpa


Dass der ehemalige Serienmeister nicht in aller bester Verfassung ist, konnte Johan Roijakkers in den vergangenen Wochen auch aus der Nähe beobachten. Die Mannschaften von Brose Bamberg und der BG Göttingen waren beide nach München gereist, um am Final-Turnier der Basketball-Bundesliga teilzunehmen, knapp zwei Wochen lang lief man sich ständig im gemeinsamen Quarantäne-Hotel über den Weg, nur auf dem Parkett begegnete man sich nicht.

Für beide Teams war im Viertelfinale Schluss. Während man das in Göttingen allerdings als Erfolg begreifen durfte, war es für Bamberg das Ende einer weiteren gebrauchten Saison. Seit dem letzten Meistertitel 2017 kommt der Standort nicht zur Ruhe, die Verwandlung von einer der spannendsten Mannschaften Europas hin zu einer nur noch durchschnittlichen in der Bundesliga, ging nicht geräuschlos über die Bühne.

Das Publikum mit der Realität versöhnen

Durch die weitere Budgetkürzungen und den schleichenden Rückzug des Hauptsponsors dürfte sich daran künftig auch wenig ändern – außer: Es gelingt einem Trainer das erfolgsverwöhnte Bamberger Publikum mit der neuen Realität zu versöhnen und trotz der Umstände erfolgreich zu sein. Mit Roijakkers glaubt man diesen Trainer gefunden zu haben. Acht Jahre lang hat der 39 Jahre alte Niederländer, der bereits in seiner Heimat, in der Slowakei und in den USA als Trainer gearbeitet hat, im beschaulichen Göttingen gewirkt, die dortige Basketball-Gemeinschaft von der zweiten in die erste Liga geführt und dort für Stabilität gesorgt. "Wir waren auf der Suche nach einem erfahrenen Trainer, der die BBL kennt und bestenfalls noch deutsch spricht", sagt Sportdirektor Leo de Rycke, warum man sich für Roijakkers entschieden hat. Dass man beim Wunschkandidaten Pedro Calles über die Sprachbarriere hinweggesehen hätte, ist ein offenes Geheimnis.

Dass er vielleicht nur die zweite Wahl ist, wird Roijakkers herzlich egal sein. "Bamberg ist immer noch ein Top-Verein", sagt er während des Zoom-Meetings, in dem der Klub ihn am Mittwochnachmittag vorgestellt hat. Die Arena, die Fans, die Farben, die Meisterbanner an der Decke – Roijakkers ist bereit für den nächsten Schritt. Dass er auf einem Posten für Stabilität sorgen soll, der zuletzt den Inhabern eben gerade keine Stabilität gebracht hat, ist Roijakkers bewusst, er erinnert aber auch an die Ära Fleming oder die Ära Trinchieri. Eine "neue Identität" möchte er entwickeln, Spieler und Fans sollen eine echte Verbindung zueinander aufbauen. "Niemals aufgeben!" – so müsse wieder mehr das Motto lauten, denn auch ihm ist nicht nur in München aufgefallen, dass zuletzt nicht alle Spieler mit dem Herzen voll bei der Sache waren.

"Nicht glücklich über diese Reaktion"

Nach den bereits feststehenden Abgängen von Louis Olinde, Retin Obasohan, Jordan Crawford, Elias Harris, Assem Marei und Tre‘ McLean könnte es auch Paris Lee treffen, der via Twitter nach dem Turnier den Eindruck vermittelte, dass ihm sehr egal ist, ob er in seinem zweiten Jahr noch aufläuft, solange sein Gehalt überwiesen wird. "Wir waren nicht glücklich über diese Reaktion", sagt De Rycke dazu, auch disziplinarische Maßnahmen zieht die Klubführung in Betracht. Ob Lee noch einmal das Bamberger Trikot überstreifen wird, hängt nun davon ab, ob Roijakkers mit ihm arbeiten will, nach der Vorgeschichte dürfte das aber eher unwahrscheinlich sein.

Bei seiner Vorstellung wird der neue Headcoach nicht müde zu betonen, wie wichtig es ihm ist, dass sich die Spieler für ihre Farben zerreißen. Christian Sengfelder nennt er da als positives Beispiel, er soll eine der Säulen des Neuaufbaus werden. Strukturierte Verteidigung und Freiheiten im Angriff, so beschreibt Rojakkers seinen Stil. Wer ihn auf diesem Weg unterstützt, ist dagegen noch nicht ganz geklärt. In Göttingen wurden am Dienstag auch der Co- sowie der Athletiktrainer und der sogenannte Advanced Statistic Scout verabschiedet. Kontinuität bedeutet in Bamberg für einige Mitarbeiter wohl weiterhin zunächst einmal: Veränderung.

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