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Meistertitel mit Signalwirkung für die Ice Tigers

Eishockey-Junioren wecken Appetit auf mehr - 10.04.2019 14:00 Uhr

Was die Thomas Sabo Ice Tigers bisher nicht schafften, ist der U15 des EHC 80 gelungen – sie wurde deutscher Eishockeymeister!


Sonntagabend, Kabine vier in der Arena. Viele Spinde sind leer geräumt, das typische Odeur ist geblieben. Auch weil sich immer noch Hobbyteams einmieten. So wie an diesem Abend. Kurz bevor es aufs Eis geht, blickt einer noch einmal auf das Display seines Smartphones. Er schüttelt den Kopf, sagt: "Die Ice Tigers führen. Unglaublich." Dann setzt er sich den Helm auf, verlässt die Kabine, immer noch kopfschüttelnd.

Unglaublich ist vieles an dieser Geschichte. Zum Beispiel, dass sich Ende März Unbeteiligte für Nürnberger Eishockey-Ergebnisse interessieren, obwohl die Ice Tigers längst gescheitert sind. Oder, dass ein Spiel einer Nürnberger Nachwuchsmannschaft per Livestream übertragen wird – aus dem ikonischen Eisstadion an der Brehmstraße bis in die Kabine, wo diese Jungs einen großen Teil ihrer Kindheit verbracht hatten. Und dass sich an diesem Sonntagabend eine Schüler-mannschaft in eine Liste eingetragen hat, die bisher beinahe ausschließlich anderen Vereinen vorenthalten war.

Landshut, Riessersee, Rosenheim, Füssen, seit der Jahrtausendwende die Adler Mannheim, so heißen die deutschen Nachwuchsmeister traditionell. Seit diesem Sonntag gehört auch der EHC 80 Nürnberg dazu. Mit einem 4:2 gegen Köln, einem 3:1 gegen Ingolstadt und einem 6:0 gegen Krefeld hatten sich die Young Tigers für das Finale gegen Berlin qualifiziert. Endstand gegen die Eisbären: 5:2. Nürnberg ist Deutscher Meister. Im Eishockey.

"Unglaublich Stolz"

Unglaublich? Tobias Güttner klingt am Tag danach gar nicht so. Das liegt noch nicht einmal daran, dass er nach dem Ausflug nach Düsseldorf im Morgengrauen zu Hause war. "Ich bin schon stolz, unglaublich stolz", sagt der Trainer der U 15. "Aber ich wusste auch, was die Jungs können. An diesem Wochenende haben sie das gezeigt." Unter der Saison konnten sie es nicht immer zeigen. Weil die besten Spieler in die U 17 nach oben geschoben wurden, reichte es am Ende der Meisterrunde der Bayernliga nur zu Platz vier, einen Punkt hinter Ingolstadt, dem Ersten. Die ersten drei Mannschaften qualifizierten sich für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Der EHC 80 war nicht dabei. Dann aber verzichtete Dresden – und Nürnberg war doch dabei. "Könnte sein, dass sich andere Vereine nicht darüber freuen", hatte André Dietzsch direkt nach der Entscheidung gemutmaßt. Der Sportliche Leiter des EHC 80 sollte recht behalten.

Zunächst trat die Mannschaft von Tobias Güttner, der als Torhüter auf 15 Einsätze in der Deutschen Eishockey Liga kam, beim DEL-Cup in Schwenningen an. Unter den Schülern der 14 Profi-Teams wurde Nürnberg Zweiter, nach 4:1 gegen Mannheim und einem verlorenen Penalty-schießen im Finale gegen Köln. Eine Woche später startete dieselbe Mannschaft dann mit einem Sieg gegen Köln in die Endrunde und blickte sich nicht mehr um, bis im Finale gegen Berlin die Schlusssirene ertönte.

Die Meisterschaft ist ein Erfolg des Teams. Güttner weiß aber, dass er Spieler dabei hatte, die mittlerweile im ganzen Land bekannt sind. "Roman (Kechter) sucht deutschlandweit seinesgleichen", bestätigt der ehemalige Torhüter. "Auch der Leo (Hafenrichter) hat eine beeindruckende Entwicklung hinter sich. Dazu haben sich Kevin Adam, Maxim Fischer und Kevin Konstanz mit Einladungen zum DEB belohnt." Kechter war im Finale an allen fünf Treffern beteiligt, vier hatte er Adam aufgelegt. Hafenrichter beendete das Turnier mit neun Punkten in vier Spielen – als Verteidiger.

Wie einst Treutle und Möchel?

Der Erfolg ist in der Geschichte des EHC 80 einmalig. Die Aussichten des Jahrgangs 2004 sind es auch. "Wenn sie gesund bleiben, so fokussiert, wie sie es jetzt sind und ihnen die Pubertät nicht zu sehr dazwischenfunkt, dann können sie es in die DEL schaffen", sagt Güttner. So wie er, so wie Marius Möchel, Marco Friedrich, Gerrit Fauser und Niklas Treutle, die jedoch alle einen Umweg gehen mussten, weil ihnen in Nürnberg die Perspektive gefehlt hatte. 2019 wiederholt sich die Geschichte. Leo Hafenrichter wechselt nach Köln, auch weil die U 17 den Aufstieg in die höchste Spielklasse verpasst hatte. Ob Kechter bleibt, ist noch nicht entschieden.

Güttner erzählt das nüchtern, er versteht die Spieler. Und er weiß, dass gute Spieler nachrücken und dass die positive Entwicklung des EHC 80 diesmal nicht ignoriert wird. "Die Ice Tigers haben die Jungs auf dem Schirm, jetzt müssen sie nur eine echte Chance bekommen", sagt er. Einer der Ersten, die ihm gratuliert hatten, war Wolfgang Gastner, der Geschäftsführer.

Sebastian Böhm

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