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Matchball abgewehrt! Tigers bezwingen Adler nach Overtime

Frühzeitiger Urlaub für das Team aus Nürnberg vertagt - 22.03.2019 22:54 Uhr

Nach dem Tor gab es kein Halten mehr: Die Thomas Sabo Ice Tigers setzen sich in Spiel vier nach Overtime gegen die Adler Mannheim durch. © Sportfoto Zink


Patrick Reimer, der Kapitän, hatte da gerade einen herrlichen Angriff über Daniel Weiß und Jason Bast abgeschlossen. Es war das 4:3 (0:0, 1:2, 2:1, 1:0) in der 66. Minute eines vierten Viertelfinalspiels gegen die Adler Mannheim, das alles geboten hatte, was Playoffs so faszinierend macht – vor allem aber eine Nürnberger Mannschaft, die zwei Rückstände aufholte – und einen Rückschlag wegsteckte und deshalb am Sonntag um 16.30 Uhr noch einmal spielen darf.

Die Ice Tigers wollten noch einmal nach Mannheim fahren, das merkte man der Mannschaft von Trainer und Sportdirektor Martin Jiranek vom ersten Bully weg an. Brandon Segal, Taylor Aronson und Oliver Mebus, alle drei zuletzt wegen diverser Verletzungen nicht mehr mit dabei, hatten sich schon vorher zurückgemeldet, weil sie unbedingt mithelfen wollten, das Saisonende noch einmal hinauszuzögern. Dafür standen die beiden slowakischen Verteidiger Martin Stajnoch und Milan Jurcina zusammen mit Mike Mieszkowski und Eugen Alanov hinter der Bande. Vor der Bande hatte Jiranek umgestellt, dem in den Playoffs seltsam fahrigen Philippe Dupuis wurden mit Dane Fox und Brandon Segal altbekannte Kollegen an die Seite gestellt. Brandon Buck und Will Acton bekamen noch einen Versuch gewährt, gemeinsam zu beweisen, dass ihre Verpflichtungen nicht als einzige Enttäuschung verbucht werden. Und Daniel Weiß stürmte wieder mit den Silberhelden Patrick Reimer und Leo Pföderl.

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An den Umstellungen lag es allerdings nicht, dass die Ice Tigers das erste Drittel offen gestalteten. Allein der Wille hielt und die Mannheimer Zurückhaltung hielt Nürnberg im Spiel. Die Konzentration galt der Verteidigung, für einen schnellen Aufbau und für Präzision im Angriffsdrittel war da nicht mehr viel übrig. Ideen hatten die Ice Tigers viele, auch so manche gute – der letzte Pass aber misslang meistens und wurde nicht angenommen. Und auch in zwei aufeinanderfolgenden Power-Play war die Mannschaft vor allem um Kontrolle bemüht und blieb dabei harmlos. Das Drittel endete deshalb 0:0 nach Toren und 4:13 nach Schüssen.

Seitenwechsel bringt neuen Wind

Erst nach dem Seitenwechsel öffnete sich das Spiel, weil die Adler ausschwärmten. Immer wieder brachen die Gäste durch und scheiterten am erneut starken Niklas Treutle. Erst nachdem Matthias Plachta gegen Marcus Weber ein Überzahlspiel herausgeholt hatte, traf, ja, genau, Plachta mit einem Nachschuss (28.). Die Ice Tigers hatten zuvor sehr ordentlich in Unterzahl verteidigt, Reimer und Dupuis hatten weitaus bessere Chancen auf die Führung. Aber ebenso wie Buck zuvor scheiterten sie an Ex-Nationaltorhüter Dennis Endras oder daran, den Puck am letzten Verteidiger vorbeizuschießen.

Nürnberg brauchte einen besseren Einfall, Jason Bast hatte ihn, seinen feinen Querpass verwertete Segal (32.). Mit den Ice Tigers meldeten sich die Fans zurück. Allerdings nur 172 Spielsekunden, dann traf Mark Katic (35.) im Power-Play mit einem Schuss, der weder hart noch schnell war, aber ziemlich genau. Wie schon so oft in dieser Viertelfinalserie waren die Adler gedankenschneller und effizienter. Noch ein Beispiel? Nachdem Brandon Bucks Forecheck den Puck befreit und Endras verwirrt hatte, war das Mannheimer Tor frei – Acton aber traf den Puck nicht (36.).

Über 7000 Fans feiern

Mit letzter Konsequenz schienen diese Adler dann aber doch nicht am schnellen Halbfinaleinzug interessiert zu sein und gewährten den Ice Tigers noch ein bisschen Power-Play-Training. Und das reichte. Nach zwei letztlich harmlosen Versuchen, Endras zu überwinden, arbeitete Daniel Weiß im dritten Überzahlspiel im Schlussdrittel den Puck ins Tor – und zwar gerade so. Zentimeter hinter der Linie blieb die Scheibe liegen (54.). Weiß war es auch, der Reimer wenig später wieder in Richtung Mannheimer Tor schickte. Und der Kapitän lieferte, nutzte Brendan Mikkelson als Sichtschutz und überwand den Torhüter, mit dem er vor einem Jahr in Pyeongchang ein Eishockeywunder gefeiert hatte (57.). In der Arena feierten 7111 Zuschauer, sofern sie zu den Ice Tigers hielten. Bast holte noch einen Penalty heraus, den er sehr genau ans Kreuzeck nagelte (58.).

Der Lattentreffer wurde belächelt, die Ice Tigers führten ja, aber blieben sich eben auch in diesem Moment treu. 28 Sekunden vor dem vermeintlichen Ende, kam Dupuis an der Bande zu spät, fuhr Shawn Lalonde einen Check so lange zu Ende bis der Puck freilag, verließ Aronson seine Position und ließ sich Treutle von Andrew Desjardins am kurzen Pfosten überwinden – eine kurze Szene, wenige Sekunden nur, die diese Saison perfekt zusammenfassten. Dreidrei, Verlängerung. Natürlich.

In der Verlängerung wirkte Nürnberg dann erstaunlicherweise mutiger, suchte konsequenter den Abschluss und zeigte am Ende noch einen herrlichen Angriff: Weiß passte tief auf Bast, Bast quer auf Reimer. Und der Kapitän ließ den Puck ins Tor schweben. Am Sonntag um 16.30 Uhr geht es in Mannheim weiter. 

Sebastian Böhm

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