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Gegen Polizeigewalt: Friedlicher Fan-Marsch durch Fürth

Anhänger von Jahn Regensburg demonstrierten gegen Polizeiwillkür - 20.08.2019 20:08 Uhr

Während des Spiels der SpVgg Greuther Fürth gegen Jahn Regensburg hielten beide Fanlager immer wieder Transparente hoch. Auf diesem protestieren die Gästefans gegen eine Stigmatisierung ihrer Szene. © Foto: Wolfgang Zink


Das Fußballspiel zwischen der SpVgg Greuther Fürth und Jahn Regensburg war für die Fans aus der Oberpfalz und die Fürther Polizei kein gewöhnliches. Das fiel schon den rund 10 000 Zuschauern im Ronhof auf, denn vor dem Gästeblock hing ein großes Transparent mit der Aufschrift: "Gegen Polizeiwillkür".

Und während der 90 Minuten stimmten die vorderen Reihen der Jahn-Anhänger Parolen wie "Bullenschweine" und "ACAB – All Cops Are Bastards" an, denen sich die Fürther Nordtribüne anschloss.

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Die erste Halbzeit zeigten weder die Fürther Hausherren, noch die Gastmannschaft aus Regensburg wirklich guten Fußball. Erst in der zweiten Halbzeit erarbeitete sich das Kleeblatt immer mehr Chancen, blieb geduldig und ruhig. Mit Erfolg: Der Treffer von Green reichte zum Sieg. Ein weiteres Tor von Hrgota wurde wegen Abseits im Nachhinein nicht gewertet.


Was war passiert? Das Ereignis liegt fast ein Jahr zurück. Am 6. Oktober 2018 lautete die Bilanz des damaligen Heimspiels der SpVgg gegen Regensburg: 15 Verletzte und mehrere Festnahmen. Die Verfahren gegen Fans aus der Regensburger Ultra-Szene laufen bis heute. Rund 100 von ihnen wollten an dem Tag vom Fürther Hauptbahnhof zum Ronhof marschieren. Als die Polizei ihnen das verbot, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, zunächst in der Stadt, während des Spiels hinter dem Gästeblock. Ob die Polizei verhältnismäßig reagiert hat, damit beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft.

Fürths Polizeichef Michael Dibowski begründet die Entscheidung, die Fans an jenem Tag in Bussen zum Stadion zu fahren, statt sie laufen zu lassen, so: "Es war Fürther Kirchweih und wir konnten nicht zulassen, dass die Regensburger Fans durch das enge Kirchweihgelände laufen. Die Fans aber wollten das erzwingen." Detaillierter dürfe er sich nicht äußern aufgrund des laufenden Verfahrens.

"Die Kollegen sind Menschen"

Am vergangenen Sonntag aber – darüber freut sich Dibowski sehr – ist es rund um den Spieltag friedlich geblieben. Diesmal durften die Jahn-Fans vom Bahnhof zum Stadion laufen. Die meisten trugen einen extra für dieses Spiel gefertigten Schal mit der Aufschrift "Jahnfamilie gegen Polizeiwillkür". Die Mittelbayerische Zeitung berichtet, dass mit dem Verkauf der Schals der Rechtsbeistand derjenigen Anhänger finanziert werden soll, die wegen der damaligen Anzeigen ein Verfahren erwartet.

Das Bemerkenswerte: Dem Fan-Marsch voran lief der Präsident des SSV Jahn Regensburg, Hans Rothammer, er hatte es den Fans im Vorfeld versprochen. Fürths Polizeichef ist erleichtert über den friedlichen Verlauf des Spieltags, wenngleich ihm die Beleidigungen im Stadion an die Nieren gehen: "Ich finde das sehr bedauerlich, weil die Kollegen Menschen sind, die am Sonntag arbeiten, um für ein friedliches Fußballspiel zu sorgen." 

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