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Aufbruchstimmung! Der FCN sucht sein Potenzial

Club-Coach Klauß glaubt an seine Mannschaft - 07.08.2020 05:48 Uhr

Startschuss in eine neue Ära: Club-Coach Robert Klauß will bei seinen Profis wieder die Lust auf Fußball wecken.


Generell mögen es Fußballtrainer ja, wenn sie mit ihrer Mannschaft ganz in Ruhe ihrem Tagwerk nachgehen können. "Es gibt aber auch Momente, in denen es schön ist, wenn einem Leute bei der Arbeit zuschauen", sagt Robert Klauß. Am Donnerstag etwa wäre so ein Moment gewesen. Trainingsauftakt beim 1. FC Nürnberg, das verströmte bislang immer auch ein bisschen Volksfestflair. In Zeiten von Corona sind Massenaufläufe aber tabu, weshalb auch die erste Einheit am Valznerweiher unter Ausschluss der Öffentlichkeit, lediglich beobachtet von zwei Handvoll Journalisten und Fotografen, stattfinden musste.

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Der FCN ist wieder da! Der Klauß-Club startet in die Saison

Am Donnerstag ging es wieder los für den 1. FC Nürnberg. Der FCN begann seine Saisonvorbereitung mit einem öffentlichen Training am Valznerweiher. Doch Zuschauer waren wegen der aktuellen Corona-Lage nicht zugelassen. Stattdessen zeigte der Club den Auftakt auf seinen Social-Media-Kanälen im Livestream.



Variabel, schnell und fantasievoll: Der FCN trainiert wieder


Nicht nur Klauß fand das sehr schade. So ein bisschen Aufbruchstimmung, getragen von der durch das späte Glück einer dramatischen Relegation freigesetzten Energie, hätte der 35-Jährige beim Neustart schon gerne gespürt. Dank moderner Technik hatten die Fans zumindest virtuell Zutritt. Wer den ersten Aufgalopp via Livestream verfolgte, sah vier Torleute und 23 Feldspieler, zu denen auch wieder die verliehenen Törles Knöll (SV Wehen Wiesbaden), Kevin Goden (Eintracht Braunschweig) und Simon Rhein (Würzburger Kickers) gehörten. Mit Tom Krauß (RB Leipzig) stieß bislang lediglich ein Neuzugang zum Kader, aus der U21 wurden Lukas Schleimer und Noel Knothe befördert.

Virgil Misidjan: Gefühlter Neuzugang beim FCN

Ka Depp: Der neue Trainer ist da

Als gefühlter Neuzugang gelten darf Virgil Misidjan. Der Niederländer ist nach über einjähriger Auszeit und endlos scheinenden Reha-Schichten zurück in Nürnberg, für das normale Mannschaftstraining aber reicht es noch nicht. "Er ist natürlich heiß und will unbedingt auf den Platz zurück, aber nach so einer schweren Verletzung müssen wir ihn bremsen und behutsam heranführen", betonte Klauß, der von der pfeilschnellen Offensivraft viel zu halten scheint: "Wenn er gesund ist, werden wir an ihm noch viel Spaß haben."

Rechtzeitig zum Start in die knapp fünfwöchige Vorbereitung hat der Club auch seinen Trainerstab komplettiert. Der prominenteste Name im Team ist Tobias Schweinsteiger (38). Der ältere Bruder von Weltmeister Bastian Schweinsteiger wird künftig zusammen mit dem aus Aue gekommenen Frank Steinmetz Klauß als Co-Trainer zur Seite stehen und war "von Anfang an mein Wunschkandidat", wie Klauß verriet. Kennengelernt haben sich beide vor fünf Jahren bei einem Testspiel, Klauß betreute damals Leipzigs U17, Schweinsteiger war beim FC Bayern München Assistent von Juniorencoach Tim Walter. Der Kontakt ist seitdem nie abgerissen, und da auch Sportvorstand Dieter Hecking über seinen letztjährigen Assistenten beim Hamburger SV nur Gutes berichten konnte, war der Weg frei für eine Zusammenarbeit. "Ich glaube, dass er sehr wertvoll für uns werden kann", sagte Klauß über Schweinsteiger, der gestern mangels Corona-Test noch nicht einsteigen konnte.

FCN-Trainerteam komplett - der Kader aber noch nicht

Gleiches galt für den neuen Torwarttrainer Dennis Neudahm, der 33-Jährige kommt von der Reserve von 1899 Hoffenheim. Der Dritte im Bunde wiederum ist ein alter Bekannter: Athletiktrainer Tobias Dippert (38) kehrt nach einem Jahr beim FC Bayern nach Nürnberg zurück. "Wir haben Typen gefunden, die zwar noch jung sind, aber gleichzeitig schon viel Erfahrung haben, sowohl im Profibereich als auch in gut geführten NLZs", schwärmte Klauß. Hecking ergänzte: "Damit ist unser junges, dynamisches Trainerteam komplett."

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Mit Klauß soll es bergauf gehen: Das ist der neue FCN-Coach

Nach der gerade so noch erfolgreich abgeschlossenen Relegation und der katastrophalen Saison 2019/20 hat der Club einiges an Arbeit vor sich, wenn es wieder bergauf gehen soll. Nach der Verpflichtung von Dieter Hecking als Sportvorstand hat der FCN eine Woche vor dem Vorbereitungsstart auch den Trainerposten wieder besetzt. Der zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung erst 35-jährige Robert Klauß übernimmt den Club mit sofortiger Wirkung, will "jede Stunde des Tages" nutzen und "alles, wirklich alles, für den Club" geben. Das ist der neue Coach des 1. FC Nürnberg!


Noch längst nicht komplett ist der Kader. Über mögliche Neuzugänge – die Bild-Zeitung berichtet etwa von einem Interesse an Torwart Christian Früchtl und Mittelfeldtalent Sarpreet Singh vom FC Bayern II – schweigt sich Klauß aber noch aus: "Wir haben uns viele Gedanken gemacht und eine gute Liste, die wir abarbeiten." Dazu gehört auch der Blick in den eigenen Stall, mit NLZ-Leiter Michael Wiesinger ist der neue Chefcoach im engen Austausch. Weil Klauß mit einem "überschaubaren Kader" arbeiten möchte, sollen einige unzufriedene Profis den Verein noch verlassen.


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FCN-Coach Klauß ist gespannt und kompromissbereit

Sehr gespannt ist Klauß, welches Potenzial im aktuellen Personal noch schlummert. "Wenn ich die Mannschaft so schlecht gesehen hätte wie andere, wäre ich jetzt nicht hier", betonte Klauß: "Ich glaube, viele Spieler sind in der Lage, Dinge zu leisten, von denen sie selbst noch nichts wissen. Jetzt liegt es an uns, dieses Potenzial herauszukitzeln."

Auch hinsichtlich des künftigen Spielstils gibt sich der langjährige Leipziger kompromissbereit: "Ich will da keine Schablone drauflegen, und wer nicht ins Raster passt, ist raus." Stattdessen möchte er auch die vorhandenen Stärken berücksichtigen und die Mannschaft für seinen Weg motivieren und begeistern: "Es geht darum, dem Spielern etwas anzubieten, worauf sie Lust haben."

Gleiches gilt für das oft als schwierig verrufene Umfeld in Nürnberg. "Wir wollen die Fans mit unserer Art, Fußball zu spielen, zu leben und zu arbeiten mitnehmen", kündigte Klauß an: "Wenn sie merken, dass wir an unsere Grenzen gehen, dann glaube ich auch, dass sie uns Fehler verzeihen werden." Ob sie die vergangene Saison schon verziehen haben, war gestern leider nicht nachprüfbar.

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