Freitag, 22.11.2019

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Wer summt denn da noch herum?

04.10.2019 18:12 Uhr

Bunte Blätter segeln von den Bäumen, Äpfel liegen auf dem Rasen, Vögel fliegen in den Süden – und trotzdem summt es im Garten von Larissa und Marlene. Mindestens zehn Bienen fliegen dicht über dem Boden hin und her. Nanu?! So viele Bienen jetzt im Herbst? Und was suchen die denn auf der Erde, da sind doch gar keine Blumen mehr?

 

"Das sind die Mamas", sagt Marlene und deutet auf ein kleines Loch im Gras. "Die buddeln lauter Eingänge für ihre Larven", erklärt die Achtjährige. Die Mamas von Honigbienen? Nein, nein, Honigbienen sind das nicht. Das sind Efeu-Seidenbienen, erklärt mir Marlenes große Schwester Larissa. Also eine Wildbienenart, die dann in Erscheinung tritt, wenn das Bienenjahr langsam zu Ende geht.

 

Denn der Efeu, dem sie ihren Namen verdankt, der blüht im Spätsommer und Herbst. Auf seine Pollen und seinen Nektar hat sich diese Bienenart spezialisiert. Und der Zaun der Nachbarn gegenüber von Larissas und Marlenes Haus ist von der Kletterpflanze umrankt.

 

Als eines Tages vor ein paar Jahren eine summende Bienenwolke über ihrem Vorgarten-Beet schwebte, da ist Mama Evelyn Back zum ersten Mal auf die Insekten aufmerksam geworden. "Das waren die Männchen", sagt sie. Die sind ein wenig kleiner als ihre Frauen.

 

Mit jedem Jahr sind es ein paar Bienen mehr geworden. Denn der sandige Boden im Garten der Familie Back ist ideal für die Tiere. Die Wiese ist nicht so dicht bewachsen, weshalb die Bienen leicht Stellen finden, wo sie das Buddeln anfangen können. "Das sieht total lustig aus", sagt Marlene. "Sie machen die Löcher mit Schwimmbewegungen größer."

 

Hat sie keine Angst, gestochen zu werden? Die Achtjährige schüttelt den Kopf. Die Bienen wohnen schon so lange im Garten der Familie, aber noch nie wurde jemand gepiekst. Und das, obwohl die Kinder im Sommer barfuß über das Gras laufen. Wenn es aber mal passieren sollte: Im Vergleich zum Stich der Honigbiene ist der Stich der Efeu-Seidenbiene harmlos.

 

Die Insekten haben aber auch gar keine Zeit, um aggressiv zu werden. Schließlich müssen sie ihre Bruthöhlen bauen. Die Höhle kann bis zu einem halben Meter tief sein, und sie wird von den Bienen mit einer seidenartigen Substanz aus ihrem Hinterleib ausgekleidet. Deshalb der zweite Teil ihres Namens. Dass sich diese Wildbienenart auch bei uns immer heimischer fühlt, ist ein Beleg für die Erwärmung des Klimas: Denn die warmen Herbste sorgen für ihre Ausbreitung auch in unserer Region.

 

Wächst in der Nähe deines Zuhauses Efeu? Dann such doch mal nach Löchern in der Erde. Auf dem Foto hier links siehst du, wie die Efeu-Seidenbiene aussieht. Vielleicht wohnen bei dir ja auch Wildbienen.

InfoLarissas und Marlenes Mutter Evelyn Back hat ein Buch geschrieben: "Märchen aus Tiera-Nur. Bienenstreik". Es geht um die Bienenkönigin Apia, die mit ihrem Volk spurlos verschwunden ist.

Kathrin Walther

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