Sonntag, 17.11.2019

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Lehrermedientag: Christian Riess entlarvt Fakes

Der Bildspezialist von der Uni Erlangen ist mittlerweile sehr gefragt - 01.10.2019 17:00 Uhr

Blauer Himmel und hübsche Wölkchen: Die argentinische Reise-Bloggerin Tupi Saravia benutzte für ihre Fotos immer denselben Hintergrund. Die Fakes lösten viel Kritik bei ihren Fans aus. © Screenshot: instagram.com/tupisaravia/


Es war nur ein kleiner Eingriff, der große Empörung auslöste: Die argentinische Reise-Bloggerin Tupi Saravia hatte immer das gleiche Foto mit blauem Himmel und hübschen Wölkchen als Hintergrund für ihre Fotos aus aller Welt gewählt. Die Fans reagierten mit Kritik auf die manipulierten Bilder der Influencerin. Wenn Christian Riess sich ans Werk macht, um Bilder auf ihre Echtheit zu überprüfen, handelt es sich meist um eine schwierigere Aufgabe. Beim Lehrermedientag von Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung am 20. November in Nürnberg wird der Bildforensiker in seinem Vortrag darauf eingehen, inwieweit man Fotos vertrauen kann und wie er Fälschungen entlarvt.

Die Flut von Fotos in Social-Media-Kanälen reißt nicht ab. Viel davon ist banal. Manches ist nur ein Gag, aber manches auch strafbar. In solchen Fällen wird Christian Riess als Experte zu Rate gezogen. Der Gruppenleiter für Multimediasicherheit an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen wird eingeschaltet, wenn es um Kriminalfälle geht. Hier fließen seine Arbeitsergebnisse in Gerichtsgutachten ein oder unterstützen die Polizei bei ihrer Arbeit.

Großes Interesse

Mit dem Beginn des Social-Media-Zeitalters um das Jahr 2012 herum hat sich das Arbeitsgebiet rasant verändert. Zunehmend signalisieren nicht nur Journalisten, dass sie Unterstützung benötigen, um echte Zeitdokumente von Fake News zu unterscheiden. Auch andere Berufsgruppen interessieren sich zunehmend für solche Methoden. Hier muss Riess leider die Erwartungen etwas dämpfen. "Einen Lügendetektor für Bilder gibt es ebenso wenig wie eine einfache Software, die Manipulationen erkennt", stellt er klar. "Es ist immer eine Einzelfallprüfung", fügt der Bildforensiker hinzu.

Dennoch werde intensiv daran geforscht, Maschinen zum Massenscreening einzusetzen, um große Datenmengen zu überprüfen. Doch bis es so weit ist, setzen Riess und seine Kollegen aus der noch sehr jungen wissenschaftlichen Disziplin unter anderem auf die Gesetze der Physik. Mal liefert der Schattenwurf den entscheidenden Hinweis, mal die Reflexion des Lichts in den Augen, beschreibt er seine Arbeit, für die er Geduld, detektivischen Scharfsinn und profunde IT-Kenntnisse benötigt.

Christian Riess von der FAU ist Bildforensiker. © Foto: FAU


Eine Herausforderung besteht beim Bewerten der Fotos und Videos zudem darin, dass die großen Social-Media-Konzerne nicht die Originaldaten veröffentlichen, sondern die Bilder automatisch an die Anforderungen wie Bildgröße anpassen, mit Filtern bearbeiten und mit einer neuen Kennung versehen. Dadurch werden Teile der ursprünglichen digitalen Struktur entfernt, erläutert der 39-jährige Wissenschaftler.

Aber die Anwendung technischer Tools ist nicht die einzige Methode um herauszufinden, ob die Bilder zu Propagandazwecken oder aus anderen Gründen verfälscht wurden. "Wer über Hintergrundwissen verfügt, kann manches auch entsprechend einordnen und überprüfen", betont Riess. Somit ist die klassische Recherche immer noch ein wichtiger Baustein beim Entlarven von Fake News.

Christian Riess gibt in seinem Vortrag beim Lehrermedientag auch einen Ausblick, mit welchen Entwicklungen künftig zu rechnen ist. Schließlich werden Fälschungsmethoden immer perfekter. Sicherlich erhalten die Teilnehmer auch Tipps, wie man sich vor Enttäuschungen wie bei Tupi Saravia schützt. Auf jeden Fall sollte man sein kritisches Urteilsvermögen schärfen.

Anmeldung und weitere Infos für Lehrkräfte: www.lehrermedientag.de

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