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Ein schlaues Zuhause für tausende Bienen

Mittelschüler nehmen bei "Jugend forscht" teil - 26.02.2019 18:47 Uhr

Tim Dürnberger, Ronahi Gürgöz und Franziska Göppel von der Mittelschule Wassertrüdingen verkabeln die Bienenstöcke. © Foto: Kilian Trabert


Mit ihrer Erfindung haben Ronahi, Franziska und Tim von der Mittelschule Wassertrüdingen ihre Bienen rund um die Uhr im Blick – und sitzen dabei bequem auf dem Sofa oder im Klassenzimmer. Wie funktioniert das?

Noch ist alles still in der kleinen Holzhütte direkt neben der Schule. Doch schon bald wird sich das ändern. Dann nämlich bekommen die Mittelschüler in Wassertrüdingen Zuwachs: Bis zu einer halben Million Bienen werden im Frühling losschwirren, um frischen Nektar zu suchen.

Damit die Bienen in ihrem Häuschen nicht gestört werden und in Ruhe den süßen Honig herstellen können, haben sich die Schüler Ronahi Gürgöz, Franziska Göppel und Tim Dürnberger eine raffinierte Erfindung einfallen lassen: Sie haben das Zuhause der kleinen Insekten verkabelt – und können jetzt am Bildschirm sehen, wann der Honig bereit zur Ernte ist. Möglich machen das moderne Technik und das Internet: Die Schüler haben eine elektronische Waage gebaut, auf die sie die einzelnen Boxen, in denen jeweils ein Bienenvolk lebt, gestellt haben. Wird der Kasten schwerer, ist der Honig reif für die Ernte, erklärt Ronahi. "So müssen wir nicht extra die Box öffnen und stören die Bienen nicht."

Eigene Webseite

Außerdem haben die Schüler in dem Holzhäuschen eine Kamera und Sensoren angebracht, die etwa die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit messen. Um sich die Daten am Computer anzusehen, haben die Drei sogar eine eigene Webseite programmiert. So sehen sie von zu Hause oder in der Schule immer, ob es ihren Bienen gutgeht.

Und die fühlen sich anscheinend so wohl, dass sie die Mittelschule gar nicht mehr verlassen wollen. Seit acht Jahren gibt es die Schul-Imkerei, 2015 wurde dann das neue Bienenhaus gebaut, welches Ronahi, Franziska und Tim mit ihrem "Jugend forscht"-Projekt noch einmal ordentlich verbessert haben.

Und dabei hat ihnen – neben ihrem Lehrer Klaus Lober, der selbst Hobby-Imker ist – fast die ganze Stadt geholfen. Viele Unternehmen unterstützen die Idee mit Geld. Und wenn die Elektronik zickt, können die drei jederzeit bei der örtlichen Elektro-Firma vorbeischauen. Auch die Stadtverwaltung ist zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird, freut sich Lober.

Und fleißige Unterstützung haben die drei 15-Jährigen und ihre Arbeitsgruppe dringend notwendig. Denn Imker zu sein bedeutet jede Menge Arbeit. "Wir sind oft in unserer Freizeit hier, um nach den Bienen zu sehen. Auch in den Ferien muss immer jemand da sein", erklärt Tim. Mittlerweile sind die Mittelschüler sogar zu echten Kaufleuten geworden und verkaufen ihren Honig und selbst gemachte Kerzen aus Bienen-Wachs, um die Klassenkasse aufzubessern.

Warum der ganze Aufwand? Schließlich haben die Schüler mit Lernstress und Hausaufgaben schon einiges zu tun, oder nicht? "Es ist ein großes Problem, dass so viele Bienen durch den Klimawandel sterben, dagegen wollen wir etwas tun", sagt Ronahi entschlossen. Dafür könne man auch einmal ein wenig seiner Freizeit opfern.

Und für Franziska lohnt sich der Einsatz gleich doppelt: Die 15-Jährige, die sich gerade auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitet, hat dank des Projektes einen Ausbildungsplatz bekommen. Das Elektro-Unternehmen, das das Team unterstützt, war von ihrer Arbeit beeindruckt und hat sie gleich eingestellt. Obwohl mit Franziska und Ronahi bald gleich zwei seiner tollen Techniker die Schule verlassen, macht sich Lehrer Lober um den Nachwuchs wenig Sorgen: "Spätestens beim Honigschleudern und Probieren kommen alle angelaufen." 

KILIAN TRABERT

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