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Facebook: "Safety Check war unglaublich sinnvoll"

Nutzer konnten nach Berliner Anschlag Angehörige mit einem Klick informieren - 20.12.2016 13:21 Uhr

Facebook-Mitglieder, die sich in Berlin befinden, erhielten eine Benachrichtigung mit der Bitte, sich als „in Sicherheit“ zu markieren. © dpa


Torsten Schmidt ist mit Kollegen in der Hauptstadt essen, als ihn die Nachricht über Twitter erreicht: Ein Lastwagen ist auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in die Menschenmenge gerast. Als die Meldungen konkreter werden, klingelt das Handy des Berliners, Nachrichten und Anrufe gehen ein, von Berlinern, Verwandten aus Franken und Freunden aus den USA. Torsten Schmidt ist Berliner, hat an der Universität Erlangen studiert und arbeitet inzwischen wieder in der Hauptstadt.

"Auch ich habe bei Freunden nachgefragt, wie es ihnen geht, und habe natürlich meine Eltern informiert. Ich habe relativ schnell erfahren, dass einige Freunde selbst vor Ort waren und den Anschlag aus nächster Nähe miterleben mussten", erzählt Schmidt. "Ich bin froh, dass ihnen nichts passiert ist."

Kurz nachdem Medien über einen möglichen Anschlag berichteten, aktivierte Facebook  seinen „Safety Check“. Mitglieder des Netzwerks, die sich in Berlin befinden, erhielten dabei eine Benachrichtigung mit der Bitte, sich als „in Sicherheit“ zu markieren. Dadurch konnten sie mit einem Klick sämtliche Facebook-Freunde informieren.

Ursprünglich wurde die Anwendung für Naturkatastrophen entwickelt. Nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten nutzten nach Angaben von Facebook mehr als fünf Millionen Menschen den „Safety Check“, um ihre Freunde und Angehörigen  zu informieren. Aktiviert wurde die Option auch nach den Anschlägen von Brüssel im März 2016, bei denen 35 Menschen starben.

Die Berliner Polizei riet Bürgern, die Angehörige oder Freunde in Berlin haben, sogar explizit, auf  Facebook zu schauen.  „Facebook hat #SafetyCheck geschaltet – nutzen Sie ihn, um zu erfahren, ob Ihre Lieben sicher sind“, schrieben die Beamten auf Twitter.

Arbeitet in Berlin: Torsten Schmidt © privat


Auch Torsten Schmidt machte vom "Safety Check" Gebrauch. Seine Facebook-Freunde erhielten daraufhin die Meldung: „Torsten Schmidt hat angegeben, in Sicherheit zu sein“.

"Der Safety Check war gestern unglaublich sinnvoll, weil ich zum einen selbst meine Freunde informieren konnte, dass es mir gut geht, ich aber zum anderen auch darüber informiert wurde, wie es meinen Freunden geht", sagt Schmidt. "Er funktioniert sehr einfach und ist in solch hektischen Situationen dann doch ein sehr praktikables Kommunikationsmittel."

Torsten Schmidt fühlt sich heute nicht unsicherer als vor dem Anschlag. Berlin stehe für Freiheit und Lebensfreude - und das werde sich nicht ändern. "Heute ist sicherlich ein Tag der Trauer, aber bald steht der Berliner wieder trotzig auf und lässt sich seine Stadt nicht von solchen Unmenschen zerstören."

Manuel Kugler

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