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Zurück in die Antike: Römische Besatzungszeit wird lebendig

In der Region gibt es viele Veranstaltungen zur alten Geschichte — Museen und Erlebnis-Touren am Limes - 13.08.2014 16:36 Uhr

Diese sieben Darsteller aus Pfünz (Kreis Eichstätt) haben sich in original nachgebauten Rüstungen und Waffen als Legionäre verkleidet.Foto: dpa


Feiern an der Grenze des Imperiums: Römerfeste machen geschichtliche Ereignisse lebendig. Wer sich näher mit der antiken Vergangenheit der Region beschäftigen möchte, kann in Museen und auf Erkundungstouren am Limes in die Welt der Römer eintauchen.

Der Limes ist das größte Bodendenkmal Europas. In Mittelfranken zieht sich der im Volksmund „Teufelsmauer“ genannte Grenzwall über eine Strecke von gut 70 Kilometern von Mönchsroth bei Dinkelsbühl nach Gunzenhausen und über den Weißenburger Jura hin. Durch den Kreis Eichstätt geht es weiter bis Eining an der Donau. Dort beginnt der „Nasse Limes“, der bis Regensburg reicht.

Ab etwa 100 n. Chr. bis Mitte des dritten Jahrhunderts bildete das Bauwerk die durch Kastelle gesicherte Grenze zwischen dem Römischen Reich und Germanien. Im Hinterland sorgten die Römer für den Bau von landwirtschaftlichen Gutshöfen und von Siedlungen mit Handwerksbetrieben, Badeanlagen, Theatern und Tempeln. Die Reste der Bauten, die seit rund 1800 Jahren im Boden schlummern, sind 2005 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden.

Ein großer Festumzug

Lebendig wird die rund 150-jährige Besatzungszeit in der Region bei den historischen Festen, die im Sommer im Naturpark Altmühltal gefeiert werden. So marschieren am 17. August Legionäre in voller Militärmontur beim großen Festumzug des Limesfests in Kipfenberg auf.

Schon zuvor konnte man antikes Landleben an der Villa Rustica in Möckenlohe miterleben: Das rekonstruierte Landgut war beim römischen Erntedankfest Schauplatz eines Bauernmarkts, römischer Spiele und eines Alemannen-Überfalls. Unter dem Motto „Salve Abusina“ stehen vom 15. bis 17. August 2014 bei den Römertagen in Eining antike Musik und Kulinarik, Handwerksvorführungen, Gladiatorenkämpfe und Mitmachaktionen für Kinder auf dem Programm (www.abusina.com). Es ist das größte Römerfest Bayerns.

Gruppen und Vereine treten im Naturpark Altmühltal auch selbst in die Fußstapfen der antiken Besatzer und werden zu Römern auf Zeit: Gelegenheit zur Reise in die Vergangenheit bietet das „Historische Römerlager“. Die Teilnehmer wohnen im originalgetreuen Zeltlager, kochen nach antiken Rezepten und üben sich in den damaligen Handwerkstechniken. (Weitere Hinweise zu den Veranstaltungen beim Infozentrum in Eichstätt, Telefon 0 84 21/98 76-0, oder im Internet: www.naturpark-altmuehltal.de/roemer)

Römische Geschichte erleben kann man das ganze Jahr über im Limes-Land. Entlang der alten Grenzlinie finden sich rekonstruierte Wachtürme und Freilichtstätten wie der römische Gutshof am Nagelberg bei Treuchtlingen oder die Thermenanlage von Theilenhofen und der Burgus bei Burgsalach auf dem Weißenburger Jura. In Bayern ist Gunzenhausen die einzige Stadt, durch die der Grenzwall direkt führt, denn hier liegt der nördlichste Punkt des raetischen Limes. Spuren finden sich heute noch im Burgstallwald, am ehemaligen Schloßbuck und entlang der Limesstraße.

Geschichte und Natur entdecken — dieses Doppelerlebnis bieten Wanderrouten, beispielsweise der Limeswanderweg. Die Tour, von der auch nur einzelne oder mehrere Etappen begangen werden können, führt über rund 115 Kilometer von Gunzenhausen bis Bad Gögging südwestlich von Kelheim durch den Naturpark Altmühltal. Der Limes-Radweg folgt der ehemaligen römischen Grenzbefestigung über eine Gesamtlänge von 440 Kilometer von Miltenberg bis nach Regensburg.

Tiefe Einblicke in die Welt der Legionäre gewährt der Römerpark von Ruffenhofen im Landkreis Ansbach. Die Dauerausstellung im 2012 eröffneten Limeseum (www.limeseum.de) veranschaulicht auf moderne Weise den Abschnitt der römischen Verteidigungsanlage am Hesselberg.

Weißenburg ist die Römerstadt schlechthin. Hier ist im Römermuseum der größte römische Schatzfund Deutschlands zu bestaunen: 120 Exponate wie Bronzemasken, Statuetten und Votivbleche sind dort zu bestaunen. Wahrscheinlich handelt es sich um das Inventar eines Heiligtums, das man angesichts der Alemanneneinfälle um 250 nach Christus eilig vergraben hat.

Die Weißenburger Thermen zählen zu den am besten erhaltenen und beeindruckendsten Badeanlagen aus der Antike in Süddeutschland. Biriciana mit seinem Kastell war der bedeutendste römische Truppenstandort im dortigen Limesabschnitt. Mit der Rekonstruktion des Nordtores und den anschließenden Mauerbereichen wurde das frei zugängliche Areal in Weißenburg 1990 im Rahmen der Gestaltung eines archäologischen Parks enorm aufgewertet.

Auskünfte beim Limes-Infozentrum in Weißenburg, Telefon: 0 91 41/9 07-1 24, oder im Internet unter www.weissenburg.info

Weitere Informationen zu Ausflügen in die Region finden Sie in unseren Themenarchiven Ausflüge und Tipps für die Sommerferien. 

Horst M. Auer (Nürnberger Nachrichten)

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