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Wunschzettel-Aktion in Roth kann nun doch stattfinden

Traditionelle Kinderaktion stand lange Zeit auf der Kippe - 20.11.2018 20:43 Uhr

Bis 2016 hingen die Wunschzettel in Roth noch am Weihnachtsbaum, danach stellten die Verantwortlichen aus datenschutzrechtlichen Gründen eine verschlossene Truhe dafür auf. © Archivfoto: Salvatore Giurdanella


Bis 2016 stand ein Wunschbaum auf dem Rother Marktplatz, der zum Ende der Adventszeit über und über mit gelben Zetteln behängt war. Kinder konnten ihren Herzenswunsch nebst Name, Alter und Adresse aufschreiben und den Zettel dann an den von der Stadt aufgestellten Wunschbaum hängen. Die Wunschzettel gaben die Organisatoren des örtlichen Christkindlesmarktes dann an Sponsoren weiter, die diese Wünsche erfüllen können – etwa an einen Elektronikmarkt, wenn ein Computerspiel auf dem Wunschzettel stand.

Viele Rother Kinder wünschten sich auch, einmal im Feuerwehrauto mitzufahren, kostenlos das Freibad zu besuchen oder einen Tag mit dem Bürgermeister oder bei der Polizei zu verbringen. 3000 bis 4000 Wünsche kamen nach Angaben der Stadt alljährlich zusammen.

Vor zwei Jahren gab es die erste Einschränkung, weil die Stadtverwaltung datenschutzrechtliche Probleme fürchtete. Immerhin hingen die Zettel tagelang öffentlich einsehbar am Baum. Deshalb wurde in den vergangenen beiden Jahren eine verschlossene Truhe mit einem Einwurfschlitz für die Wunschzettel aufgestellt. Auch wegen der Witterung, wie Andreas Kowohl betont. "Durch Schnee und Regen hätte die Schrift unleserlich werden können, oder eine Windbö hätte die Zettel vom Baum reißen können", erklärt der städtische Veranstaltungskaufmann.

Vergangene Woche verkündete die Stadt dann, dass die Aktion in diesem Jahr nicht stattfinden könne. Das Ausfüllen der Wunschzettel würde zu einem bürokratischen Akt werden, so die Befürchtung der Verantwortlichen. Der Rother Datenschutzbeauftragte hatte die Organisatoren darauf aufmerksam gemacht, dass die Adressdaten der Kinder nicht ohne Einverständniserklärung der Eltern an Dritte weitergegeben werden dürfen. Diese Dritten seien aber die Wunscherfüller gewesen.

Tipps aus ganz Deutschland

"Wir wollen Kinder glücklich machen und sie nicht komplizierte Formulare ausfüllen lassen", begründete Kowohls Kollegin Melanie Hanker die damalige Hiobsbotschaft. Man arbeite nun daran, eine praktikable Lösung für die Zukunft zu finden. Für den diesjährigen Rother Christkindlesmarkt noch eine Lösung auf die Beine zu stellen, der am 22. November startet, dafür sei die Zeit aber zu knapp.

In den vergangenen Tagen erhielten die Rother jedoch zahlreiche Vorschläge aus dem gesamten Bundesgebiet, wie sich eine datenschutz-konforme Wunschzettel-Aktion unkompliziert realisieren lässt. Bei einer Benefizaktion des Diakonischen Werks im Nachbar-Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zum Beispiel werden die Empfänger anonymisiert, und die Spender bekommen nur das Geschlecht, das Alter und den Wunsch des jeweiligen Bedürftigen mitgeteilt.

Mittlerweile ist auch der Radiosender Antenne Bayern auf das Dilemma der Rother Organisatoren aufmerksam geworden und hat einige Experten eingeschaltet. Das Ergebnis ist nun ein Wunschzettel mit einem zusätzlichen Feld für die Einverständniserklärung der Eltern. Zwei Tage vor dem Start des örtlichen Christkindlesmarktes hat die Stadtverwaltung diese datenschutz-konforme Version zum Herunterladen und Ausdrucken auf ihre Homepage gestellt. Weihnachten kann kommen.

 

ANDRÉ AMMER

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