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Wer zahlt? Wirrwarr bremst W-Lan in Nürnbergs S-Bahn aus

Realisierung wäre möglich, scheitert aber weiter an der Finanzierungsfrage - 22.06.2020 05:30 Uhr

Die neuen Züge vom Typ 1440/Coradia Continental für die Nürnberger S-Bahn sind hochmodern und bieten viel Komfort. Auf freies W-Lan müssen die Reisenden allerdings verzichten.


Die Regionalzugstrecke zwischen Aachen, Köln, Essen und Hamm ist eine der meistgenutzten in ganz Nordrhein-Westfalen. Seit dem so genannten kleinen Fahrplanwechsel am 14. Juni rollen hier neue Fahrzeuge von Siemens-Züge. Das Eisenbahnunternehmen Abellio hat DB Regio als Betreiber abgelöst. Für die Fahrgäste bedeuten die neuen Fahrzeuge mehr Komfort, inklusive freiem W-Lan.


Freies Wlan: Nürnberg rüstet Straßenbahnen auf


Auch in Nürnberg fahren seit kurzem nagelneue Züge der Firma Alstom. Die 27 Fahrzeuge der Baureihe 1440 ersetzen nach und nach die jahrzehntealten, lokbespannten Wagen, beispielsweise auf der Strecke der S4 Nürnberg – Ansbach – Dombühl. Wer unterwegs sein Handy aufladen möchte, findet an den Sitzplätzen Steckdosen. Zum neuen Standard gehören auch Info-Bildschirme im Eingangsbereich.

Bund stellt Mittel zur Verfügung

W-Lan allerdings gibt es nicht, auch wenn es laut DB jederzeit eingerichtet werden könnte. Anders als im ICE oder IC, die eigenwirtschaftlich von der Bahn betrieben werden und in denen das kostenfreie Internet inzwischen Standard ist, trifft diese Entscheidung aber nicht der Staatskonzern alleine.

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Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wird seit 1996 von den Ländern beziehungsweise ihren Aufgabenträgern ausgeschrieben, bestellt und finanziert. Dafür stellt der Bund so genannte Regionalisierungsmittel zur Verfügung. Bayern etwa bekommt in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro für den SPNV, der von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) organisiert wird.

Ausrüstung wird Pflicht

Die BEG bestimmt damit grundsätzlich auch, auf welchen Strecken des rund 6000 Kilometer umfassenden Gleisnetzes in Bayern die Reisenden kostenfrei im Internet surfen können. Nach Angaben der BEG ist die W–Lan-Ausrüstung in den Zügen seit September 2019 bei der Neuausschreibung von Strecken, die meist für zehn oder zwölf Jahre an einen Betreiber vergeben werden, verpflichtend vorgegeben. Konkret betrifft das zehn Ausschreibungen, die ab Ende 2020 in Betrieb gehen.

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Darunter ist der Expressverkehr Nordbayern (2023), das Netz Franken-Südthüringen (2023), der Regionalverkehr Oberfranken (2023), die Münchner S-Bahn (2020), das E-Netz Regensburg/Donautal (2022) oder auch der Regionalverkehr Ostbayern (2025). "Die WLAN-Ausrüstung wird auch im Zuge aller weiteren zukünftigen und hierfür qualifizierten Ausschreibungen, die zum jetzigen Zeitpunkt in der Auflistung noch nicht enthalten sind, gefordert werden", so die BEG.

"Leider zurzeit zurückgestellt"

Bereits mit W-Lan ausgerüstet beziehungsweise in Vorbereitung sind laut BEG insgesamt 14 Netze, darunter etwa die Alex-Züge der Länderbahn, das E-Netz Allgäu von Go-Ahead Bayern oder auch das Liniennetz Südhessen-Untermain. Wenn die restliche Vertragslaufzeit allerdings unter fünf Jahren beträgt und absehbar ist, dass die Zugflotte dann nicht mehr zum Einsatz kommt, wird nicht nachgerüstet.

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Und auch für die neuen Züge der Nürnberger S-Bahn sieht es schlecht aus. Zwar erklärt DB Regio, dass die BEG beabsichtige, alle Fahrzeuge mit W-Lan ausrüsten zu lassen. Die Verhandlungen darüber seien wegen der Corona-Krise und der daraus entstandenen wirtschaftlichen Risiken im SPNV "leider zurzeit zurückgestellt." Deshalb könne keine Aussage darüber getroffen werden, wann "perspektivisch die Fahrzeuge der S-Bahn Nürnberg über W-Lan verfügen."

Streit ums Geld

Die BEG erklärt hingegen, dass sich hier ein Nachrüstungsprojekt bislang überhaupt nicht abzeichnen würde. Der Freistaat könne die Kosten – bei der Bayerischen Oberlandbahn wurden hierfür 25.000 bis 50.000 Euro pro Zug von der BEG angesetzt – nur dann tragen, wenn der Betreiber "die laufenden Kosten für die Datenübertragung übernimmt. Dies haben DB Regio Bayern, die Bayerische Regiobahn, Go-Ahead Bayern und die Zugspitzbahn bislang jedoch abgelehnt."

Zu der Frage, wer am Ende bezahlt, kommt bei der Diskussion um das W-Lan in Regionalzügen und S-Bahnen auch noch der Aspekt der Mobilfunknetzabdeckung hinzu. Gerade auf dem Land gibt es hier nach wie vor Probleme, auch wenn die BEG nach eigenen Angaben nicht sagen kann, entlang welcher Strecken sich so genannte "weiße Flecken" beim W-Lan-Empfang befinden. "Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass über weite Strecken nur durch die Bündelung der verschiedenen Mobilfunknetze eine akzeptable Übertragungsgeschwindigkeit erreicht werden kann", so die BEG.

Die vom Freistaat geforderte Multiprovider-Lösung bündele die Netzabdeckung von bis zu drei Betreibern und schaffe damit die jeweils bestmögliche Netzqualität für die Nutzer, so die BEG.

Eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hatte im Februar ergeben, dass im Jahr 2019 nur auf 23,3 Prozent der von DB Regio gefahrenen Personenkilometer in Deutschland ein kostenloser W-Lan-Zugang zur Verfügung stand.

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