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Was stört das Landratsamt an der Weißenburger Wirtshauskerwa?

Die Weißenburger Behörde hat strenge Bestimmungen erlassen - 03.08.2020 12:02 Uhr

Bleibt am Ende nur das Bier von der Kirchweih? Die Planungen für „Ersatz-Kirchweihen“ haben seitens des Landratsamts einen Dämpfer bekommen. Man legt die Gesetzeslage streng aus und will keine Ausnahmen zulassen. In Weißenburg war es das zumindest für den Titel der „Wirtshauskerwa“.

© Foto: Robert Renner


Die Konsequenz ist, dass man in Gunzenhausen am Konzept geschraubt hat, und man in Weißenburg mindestens den Namen für seine Veranstaltung verloren hat. Mit einer "Wirtshauskerwa" wird es nichts werden. Das stellte am Freitag das Weißenburger Landratsamt schriftlich klar. "Ich bedauere diese strenge Haltung, die über die Vorgaben der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hinausgeht", so Maximilian Hetzner, der Vorsitzende des Kirchweihausschusses in einer ersten Reaktion fest.

Man müsse sich nun erstmal sortieren und überlegen, ob die geplante Aktion dann überhaupt vernünftig durchführbar sei. "Ein Motto-Wochenende, bei dem man das Motto nicht nennen darf, macht ja keinen großen Sinn." Zumal es nicht bei dem "Namens-Verbot" bleibt. Auf einer DIN-A4-Seite hat das Landratsamt bereits am Donnerstag zusammengefasst, was in puncto Feierlichkeiten derzeit geht und was nicht.

Die wichtigsten Punkte: Zusätzliche Außenflächen für die Gastronomie und Verlängerungen der Öffnungszeiten für bestehende Außenflächen lehnt die Kreisbehörde ab. Das sorgte vor allem bei den zehn bis zwölf Wirten für Verdruss, die sich an der von Stadtmarketingverein und Kirchweihausschuss angestoßenen Aktion beteiligen wollten.

Lohnt sich das noch?

Die Stadt hatte, laut Simon Sulk, dem Geschäftsführer des Marketingvereins, eine Verlängerung der Öffnungszeiten in Aussicht gestellt. Daraus wird nach dem Eingreifen des Landratsamts nichts. Mancher Wirt denkt nun darüber nach, ob sich Sonderaktionen dann überhaupt lohnen.

Das Landratsamt stellte fest, dass man bei Verwendung des Begriffs "Kirchweih" befürchte, dass zu viele Menschen in die Stadt gelockt werden könnten. Zwar kann eine Behörde schlecht die Verwendung eines Wortes verbieten, im konkreten Fall erklärte man aber, dass man das als Indiz für eine verbotene Veranstaltung werten würde. Und das kann dann recht schnell recht teuer für die Veranstalter werden.

Hetzner hatte nach dem ersten Schreiben des Landratsamts nochmal Kontakt mit dem Ordnungsamt aufgenommen und die Weißenburger Situation erklärt. Im Gegensatz zu Gunzenhausen wolle man gerade nicht Schausteller einladen, sondern nur die Wirte in ihren bestehenden Flächen unterstützen und an die ausgefallene Kirchweih erinnern. Dennoch gab es am Freitag ein zwar freundliches, aber doch finales Nein für den Titel "Wirtshauskerwa".

"Es gibt heuer keine Kirchweih"

Das Landratsamt stellte in seinem Schreiben auch fest, dass man "bei einheitlicher Organisation von Ersatzplanungen der Gemeinden" vom Vorliegen einer verbotenen Veranstaltung ausgehe. Das dürfte man in Gunzenhausen mit einem Bauchziehen vernommen haben. Dort hatte Bürgermeister Karl-Heinz Fitz Anfang Juli die Planungen eines Kirchweih-Ersatzes kommuniziert. Die Gunzenhausener Initiative war der Anlass für das stramme Schreiben der Ordnungsbehörden auf Kreisebene.

Nachdem die Stadt lange keinen Kontakt zu Gesundheits- und Ordnungsamt aufgenommen hatte, traf man sich dieser Tage zum Gespräch. Das Resultat sind die einseitigen "Entscheidungskriterien" für die Durchführung von Veranstaltungen und deutliche Worte des Gunzenhausener Bürgermeisters. "Es gibt heuer keine Kirchweih", stellte er in der Folge klar. Lediglich der Festgottesdienst und das Festbier der Spalter Brauerei sei Corona nicht zum Opfer gefallen. Was sonst in der Stadt stattfinde, wurde zum "alternativen Angebot" umgetauft.

"Wir wollen nicht in die Gefahr geraten, Bilder zu provozieren, wie man sie zuletzt aus Mallorca oder aus Liverpool gesehen hat", stellte Dr. Johannes Rank, der Leiter des Gesundheitsamts fest. Stets sei es die Verbindung von Feiern, Alkohol und fortgeschrittener Uhrzeit gewesen, die dazu führten, dass Vorsichtsmaßnahmen nicht eingehalten wurden.

 

JAN STEPHAN

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