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Montag, 19.08.2019

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Treuchtlinger nach Sturz von Trampolin querschnittsgelähmt

16-Jähriger brach sich Halswirbelsäule - Spendensammlung und Benefiz-Konzert - 20.07.2019 05:57 Uhr

Vom Hals abwärts gelähmt: Nathanael Flisar (16) hat sich beim Trampolinspringen im Garten die Halswirbelsäule gebrochen und ist derzeit in der Unfallklinik in Murnau. © privat


Für Nathanael war es zuerst ein ganz normaler Tag. Der 16-jährige Junge, der seit seiner frühesten Kindheit sehr sportlich war, war im Garten und übte auf seinem Trampolin. So wie jeden Tag. Der Treuchtlinger hat seiner Mutter Antonia Flisar zufolge schon immer einen großen Bewegungsdrang: „Er probierte immer wieder gern Neues aus und hatte einen sportlichen Ehrgeiz.“ Mountainbiken, Turnen, Klettern, Parcours, Skifahren oder Snowboarden. Nathanael war ein guter und begeisterter Sportler. Seit dem Sonntag vor drei Wochen wird er vermutlich nie mehr Sport treiben können. Der Junge, der meist mehrere Stunden am Tag auf dem Trampolin übte, brach sich die Halswirbelsäule und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt.

Plötzlich war es still im Garten. Das federnde Geräusch des Trampolins verstummte schlagartig. Und dann rief Nathanael um Hilfe. Ein Freund der Familie Flisar, der gerade zu Besuch war, hörte die leisen Schreie, sah Nathanael reglos auf dem Trampolin liegen und holte Hilfe. Nathanaels Mutter und Vater verständigten den Notarzt. Die gelernte Physiotherapeutin wusste sofort, dass etwas nicht stimmt. Die Angst, dass sich ihr Sohn eines Tages bei seinem geliebten Sport auch verletzen könnte, war immer da. Genauso wie die Hoffnung, dass schon alles immer gut gehen wird. Nicht an jenem Sonntag, der das Leben der achtköpfigen Familie für immer veränderte, weil Nathanaels Sprung nicht ganz perfekt war und er unglücklich auf dem Kopf landete.

Die Rettungssanitäter erkennen schnell die Situation, versorgen und lagern den verunglückten Jungen und rufen einen Rettungshubschrauber, der Nathanael in die Unfallklinik nach Murnau fliegt. Die Unfallklinik Murnau ist eines der größten überregionalen Traumazentren in Süddeutschland und begleitet Patienten von der Erstversorgung am Unfallort bis zur erfolgreichen sozialen und beruflichen Wiedereingliederung. 

Als der zuständige Neurochirurg den Eltern, die dem Rettungshubschrauber mit dem Auto hinterhergefahren sind, erklärte, dass Nathanael querschnittsgelähmt ist, zerbrach ihr Herz. Die Befürchtungen und Ängste, die ihr auf der langen Autofahrt durch den Kopf schwirrten, hatten sich bestätigt. Das Schlimmste war eingetreten. Das eigene Kind wird sich nie mehr so wie früher bewegen können. Ein echter Albtraum, der leider auch nicht weggeht, wenn man die Augen schließt und wieder öffnet.

Ein Schock, der niemals vorbei ist

In der Unfallklinik, in der Nathanael noch jetzt ist, wurde der Junge zweimal operiert, während die Eltern im Besucherraum warteten. Nach der zweiten Operation dürfen die Eltern zu ihrem Sohn. „Es war ein Schock, der noch nicht vorbei ist und vielleicht auch nie weggehen wird“, sagt Antonia Flisar, die hofft, dass sich ihr Nathanael vielleicht so ins Leben zurückkämpfen kann wie Samuel Koch, der sich in der Fernsehshow „Wetten dass..?“ vor ein paar Jahren ebenfalls die Halswirbelsäule brach, als er mit Sprungfedern an den Füßen über vorbeifahrende Autos Saltos schlagen wollte. 

„Er ist unser großes Vorbild“, sagt die Mutter, die noch drei weitere, viel jüngere Kinder hat, denen sie trotz des schrecklichen Unfalls das Hüpfen auf dem Trampolin aber nicht verbieten will. „Was müsste man sonst noch alles verbieten?“, fragt die Therapeutin. „Fahrradfahren, Spazierengehen? Treppensteigen?“ Trotz des schweren Schicksalsschlages möchte sie mit ihrem Mann ihren Kindern ein angstfreies und bewegungsfreudiges Leben ermöglichen. „Wir wissen alle, dass man vor Unfällen nicht gefeit ist und dass niemand schuld ist an dem verunglückten Sprung.“ Es war vermutlich nur ein kleiner Fehler im Bewegungsablauf, der große Auswirkungen auf das Leben der gesamten Familie hat.

Ein langer Weg in den Alltag

„Der Weg in einen normalen Alltag wird für uns sehr lange sein“, weiß Antonia Flisar. Ihr Sohn wird noch lange Zeit in Murnau sein und sich mit der Hilfe von Fachärzten und Therapeuten so gut es geht ins Leben zurückkämpfen. Damit er eines Tages möglichst selbstständig sein kann, braucht er auch technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel einen Computer, den er mit dem Mund steuern kann. Hilfsmittel, die sehr teuer sind und die die Krankenkasse oftmals nicht bezahlt. Allein die mundgesteuerte Maus kostet rund 2000 Euro. 

Weil Nathaneals Schicksal viele Menschen in der Region berührt, gibt es schon jetzt erste Benefizaktionen. So wird am nächsten Donnerstag, 25. Juli, um 18 Uhr an Nathanaels Schule, der Senefelder-Schule in Treuchtlingen, ein Spendenkonzert mit „Holm“ statfinden. Das Motto der Veranstaltung, die Hanna Städler organisiert: „....weil Du ein Teil von uns bist.“

Spendenkonto eingerichtet

Auch die Kinderschicksale Mittelfranken haben ein extra Spendenkonto für Nathanael eingerichtet. Vorsitzende Cristine Wägemann hat die Nachricht von dem schrecklichen Sportunfall sehr berührt: „Unser Verein Kinderschicksale Mittelfranken möchte Nathanael helfen und bittet um Spenden, damit ihm das Leben in jeder Hinsicht lebenswerter und der Weg in die Zukunft etwas leichter gemacht wird.“

Spendenkonto: Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen, IBAN: DE72 7606 9468 0000 9252 50, BIC: GENODEF1GU1. Spendenzweck „Nathanael“ (unbedingt angeben). 

  

Markus Steiner

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