Dienstag, 12.11.2019

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Pipimachen ganz ohne Plastik in Altmühlfranken

Mit einer Petition setzt sich die Ellingerin Leah Gruber für müllfreie Stoffwindeln ein. - 14.08.2019 15:20 Uhr

Will sich mit einer Petition für müllfreie Stoffwindeln einsetzen: die Ellingerin Leah Gruber, selbst Mutter zweier Kinder, die komplett auf Wegwerfwindeln verzichtet und sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen will. © Foto: Deborah Weber


Ein Kind verbraucht pro Wickelzeit im Durchschnitt 5000 Windeln. "Bei 650 jährlichen Geburten in Weißenburg kommen wir auf 3 250 000 Windeln – alle aus Plastik", rechnet die Ellingerin vor. Die zweifache Mutter hat sich bei ihrer ersten Tochter für eine nachhaltigere Stoffwindel-Strategie entschieden.

Wer bei dieser Bezeichnung an altmodische weiße Baumwolltücher und komplizierte Falttechniken denkt, liegt falsch: Die Windelwelt erstreckt sich längst von einteiligen Windeln über sogenannte "Pockets" bis hin zu speziellen Saugeinlagen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und der Ekelfaktor dementsprechend gering.

Wörter wie "Stoffwindeln" oder gar "windelfrei" sorgen dennoch meist für kritisch hochgezogene Augenbrauen oder angeekelte Gesichtsausdrücke; immerhin greifen 95 Prozent aller Eltern noch zur herkömmlichen Wegwerfwindel. Auch Gruber stößt mit ihrer Wickelmethode oft auf Unverständnis oder bekommt schlicht den Öko-Stempel aufgedrückt. Interessanterweise aber nur aus den Reihen der jungen Generation: "Früher waren Stoffwindeln total normal, da gab‘s Pampers ja noch gar nicht", erklärt Gruber. "Das Stoffwindel-Prinzip geht zurück auf unsere Großeltern, quasi back to the roots!"

Etwas mehr Aufwand erfordert die nachhaltige Windelalternative durchaus: Wo sonst zusammengeknüllte Plastikwindeln im Badezimmermüll landen, müssen die verschiedenen Stofflagen jeweils gereinigt werden. Da läuft die Waschmaschine schon mal alle drei Tage – wiederum ein Kritikpunkt für ökologische Moralapostel.

Gruber benutzt trotzdem weiterhin unbeirrt ihr Bio-Waschmittel, lässt den Weichspüler weg und greift nur zur Einwegwindel, wenn es unterwegs mal gar nicht anders geht. Umweltschonende Alternative: Ein ausklappbares "Töpfchen to go" in Handtaschengröße, das zwar stets entgeisterte Blicke erntet, aber schon den ein oder anderen "Unfall" verhindert hat.

Stoffwindel-Fazit: Besser für die Umwelt, besser für den Kinderpopo, aber auch besser für den Geldbeutel? Langfristig gesehen allemal: Hochgerechnet auf die Wickelzeit eines Kindes schneidet die Stoffwindel deutlich besser ab. "Im Vergleich zu Wegwerfwindeln spart man sich 1000 Euro pro Kind – davon fahr ich doch lieber in den Urlaub", lacht Gruber.

Der Haken: Wer sich für Stoffwindeln entscheidet, muss sich auf eine ordentliche Stange Erstanschaffungskosten einstellen. Ungefähr 400 Euro verschlingt das nötige Repertoire an Stoffwindeln, Vlies-Einlagen und speziellen Aufbewahrungstaschen. Auf einen Schlag kann das nicht jeder strapazierte Geldbeutel hergeben. Genau an dieser Stelle sieht die 27-jährige Mutter politischen Handlungsbedarf. Bereits 42 deutsche Städte haben mittlerweile einen sogenannten Wickelzuschuss etabliert: Junge Mütter auf nachhaltiger Mission müssen nur Geburtsurkunde und Windelrechnung vorzeigen, um von der Stadt finanzielle Unterstützung zu bekommen.

Das Ziel strebt Gruber auch für Weißenburg-Gunzenhausen an und hat ein Online-Petition gestartet (www.openpetition.de/petition/online/windelzuschuss-einfuehren). Für Internet-Verweigerer liegt eine Unterschriftenliste im Gunzenhausener Kindergeschäft "nana natürlich" aus. Bereits über 200 Unterschriften finden sich darauf, und Gruber ist optimistisch, dass bald noch mehr Leute auf den Stoffwindelzug aufspringen: "Nachhaltigkeit fängt eben bei der eigenen Mülltonne an."

DEBORAH WEBER

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