Freitag, 24.05.2019

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Pappenheimer Stadtteil für 18 Monate abgeriegelt

Eine 14-Kilometer-Umfahrung für 300 Meter Luftlinie - 25.03.2019 08:00 Uhr

Ein Nadelöhr, das die lokale Politik seit Jahrzehnten beklagt: Die Bahnunterführung in Niederpappenheim wird für acht Millionen Euro verbreitert und dann zweispurig befahrbar sein. Das sorgt nun aber erst mal für eine erhebliche Sperrung. Eineinhalb Jahre ist Niederpappenheim von der Stadt im Autoverkehr abgeschnitten. © Jan Stephan


Eine 400 Jahre alte Kirche, ein paar Dutzend Einwohner und mehrere Hundert Arbeitsplätze hat der Pappenheimer Ortsteil Niederpappenheim. Als historisches Kirchdorf entstanden, ist er heute vor allem Industriestandort. Die Firmen Plastic Omnium, Modl oder Vedder sind dort etwa beheimatet. Vor einigen Jahren entstand in dem Gebäude der früheren Limo­nadenfabrik zudem eine Flüchtlingsunterkunft. Sie alle, Einwohner, Flüchtlinge und Unternehmen müssen ab Ende April erhebliche Umwege in Kauf nehmen, wenn sie mit dem Auto von Niederpappenheim nach Pappenheim kommen wollen. Der Grund: Es gilt gleich zwei wichtige Grenzmarken zu überwinden: die Altmühl und die Bahntrasse von Treuchtlingen nach Ingolstadt.

Einspuriges Nadelöhr

Seit Jahrzehnten gibt es eine schmale Unterführung, die den Autoverkehr einspurig im ampelgelenkten Wechsel unter der Bahnlinie hindurchschickt. Und seit Jahrzehnten versuchen Lokalpolitiker und Wirtschaftsvertreter einen Ausbau zu erreichen. Es könne nicht sein, dass Hunderte von Arbeitsplätzen durch ein kleines Nadelöhr primär erschlossen würden, so die Argumentation der Befürworter der Umbauarbeiten.

Abenteuerliche Umfahrung: Für die Luftlinie 300 Meter von Niederpappenheim nach Pappenheim braucht es ab Ende April offiziell eine Umfahrung von 14 Kilometern. Deshalb hat der Pappenheimer Stadtrat nun beschlossen, eine Schotterpiste als Umfahrung sanieren zu lassen. © Jan Stephan


Nun hat es endlich geklappt: Der Landkreis, der für die Kreisstraße zuständig ist, hatte ein Einsehen. Ein durchaus schmerzhaftes, denn die Baumaßnahme kostet 8,5 Millionen Euro. Sie hat bereits begonnen, aber Ende April folgt der unangenehme Teil. Dann nämlich muss das Nadelöhr gesperrt werden. Und alle Niederpappenheimer (und auch Übermatzhofener) müssen fortan laut offizieller Umleitung den Berg nach Langenaltheim hinauffahren, von dort in Richtung B 2 wieder abfahren, die Bundesstraße bei Dietfurt verlassen, auf die Staatsstra­ße 2230 abbiegen und nach Pappenheim fahren. Nach 14 Kilometern Strecke haben sie Luftlinie zwischen 300 und 400 Metern zurückgelegt.

Schotterpiste als Umfahrung

Keine sehr praktikable Lösung für den Alltag. Erst recht nicht, nachdem mindestens 18 Monate vergehen sollen, bis die – dann verbreiterte – Unterführung wieder für den allgemeinen Verkehr offen ist. Das weiß man natürlich auch im Pappenheimer Rathaus und hat sich schon ein paar Gedanken gemacht. „Die einzig sinnvolle und machbare Umleitung“, heißt es in einer Sitzungsvorlage der Verwaltung, wäre die Nutzung der Gemeindeverbindungsstraße von Übermatzhofen nach Zimmern, die den Umweg auf knapp fünf Kilometern verkürzen würde.

Allerdings ist derzeit etwas guter Wille nötig, um die buckelige und steile Schotterpiste Straße zu nennen, die immer wieder an „Vorsicht Sprengung“-Schildern vorbeiführt. An dem Belag will man nichts ändern, aber man hat nun beschlossen, zumindest 12 000 Euro in die Hand zu nehmen, um auf 1,7 Kilometern zwischen Übermatzhofen und Zimmern die gröbsten Löcher zu flicken. Außerdem sollen während der Zeit der Sperrung neu entstehende Löcher schnell repariert werden. Für Lkws werde die Strecke aber gesperrt bleiben und vornehmlich dem Pkw-Verkehr und nicht zuletzt auch den Rettungsdiensten als Ausweichroute zur Verfügung stehen.

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Immerhin sorgt die aufwendige Baumaßnahme aus Sicht der Bürger mittelfristig für eine weitere nicht unerhebliche Verbesserung. Der Bahnsteig auf Niederpappenheimer Seite wird ähnlich barrierefrei erreichbar sein. Bislang führten lediglich steile Treppen auf den hochliegenden Bahndamm, jetzt lässt sich schon die lang gezogene Rampe sehen, mit der Rollstuhlfahrer, aber auch Eltern mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren es in Zukunft deutlich leichter ha­ben sollen, den Bahnhof zu benutzen. 

Jan Stephan

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