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Sonntag, 20.09.2020

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Keine Wirtshauskirchweih und kein Bieranstich in Weißenburg

Der Kirchweihausschuss hat sich dagegen entschieden, ein Alternativ-Programm in der Stadt zu starten - 12.08.2020 16:17 Uhr

So hätte es aussehen können: Das Plakatmotiv für die Wirtshauskirchweih ist eine Zeichnung von Ferdinand Schmitt aus einer „Kneip-Zeitung“ von 1903.

© Stadt Weißenburg, Bearbeitung: Stadtmarketing Weißenburg


"Wir haben lange hin- und herüberlegt, aber uns am Montag nun final dagegen entschieden", sagt Ausschussvorsitzender Maximilian Hetzner. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betont er.

Ausschlaggebend sei letztlich die strenge Ansage des Landratsamtes gewesen, alle Veranstaltungen und gemeinsamen Aktionen, die unter dem Namen "Kirchweih" laufen, zu untersagen (wir berichteten). "Das ist hart, aber ich verstehe es auch", sagt Hetzner.

Wirtshauskirchweih ist vom Tisch

Die Idee der Wirtshauskirchweih war spätestens damit vom Tisch. Das findet Hetzner schade, denn es wäre eine Kirchweih gewesen, wie sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts Tradition in Weißenburg war. Das zeigt auch der Plakatentwurf, den ein 1903 gezeichnetes Motiv von einer traditionellen Wirtshauskirchweih ziert.


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Angedacht war heuer neben dem Bierausschank auch eine Blasmusik-Kapelle, die von Wirtshaus zu Wirtshaus gezogen wäre, um dort ein Standkonzert zu spielen. Oberbürgermeister Jürgen Schröppel und die Stadtverwaltung standen den Planungen positiv gegenüber und hatten bereits signalisiert, die Außengastronomie bis Mitternacht zu verlängern.

Der Kirchweihausschuss wollte nun auch kein Hintertürchen nutzen und mit den Begrifflichkeiten jonglieren, um das Landratsamt auszutricksen. "Wir möchten nicht gegen die Behörde agieren, sondern mit gutem Beispiel vorangehen", sagt Hetzner.

Kein gutes Gefühl bei Kirchweih-Aktionen

Auch die Minimal-Lösung mit einer Live-Videoübertragung des Bieranstichs wollte der Kirchweihausschuss nicht realisieren. OB Schröppel hätte sich bereit erklärt, das Fass mit Kirchweihbier vor laufender Kamera anzuzapfen, während die Weißenburger in Biergärten oder ihren eigenen Gärten sitzen und den Anstich über das Internet live mitverfolgen.

Allerdings hatte man im Ausschuss auch hierbei kein gutes Gefühl: "Wir wollen keine Versammlungen provozieren", erklärt der Ausschussvorsitzende und gibt unumwunden zu: "Wir sind die Bremser."

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210-Kilo-Koloss: Steinheben auf der Weißenburger Kirchweih

Das Steinheben auf der Weißenburger Kirchweih ist Kult, was sich einmal mehr vor rund 4000 Zuschauern im Widmannschen Festzelt zeigte: In einem packenden Finale verteidigte Marcel Rothauszky aus Sontheim an der Brenz den Titel gegen Alexander Klinger aus Roth. Sechs Mal in Folge hob der Kraftsportler dabei den 210-Kilogramm-Brocken aus dem Podium. Unter den zwölf Teilnehmern waren auch zwei Frauenteams.


Denn der Stadtmarketingverein, der die Idee der Wirtshauskirchweih mitangestoßen und vorbereitet hatte, hätte sich freilich über einen anderen Ausgang gefreut.

"Wir wollten gerne die Gastronomen unterstützen, aber auch die Musiker und lokalen Veranstaltungstechniker, die bei der Live-Übertragung des Bieranstichs mitgewirkt hätten", sagt Geschäftsführer Simon Sulk. "Und natürlich ging es uns auch um die Kirchweih als Kultur und Brauchtum der Stadt Weißenburg."

Gunzenhausen plant "Angebote" in der Stadt

In Gunzenhausen ist man nicht ganz so vorsichtig, doch fällt die zunächst selbstbewusst angekündigte Ersatzkirchweih nun ebenfalls anders aus als ursprünglich geplant. Der Begriff Kirchweih ist vom Tisch, stattdessen wird von Angeboten gesprochen.

Ab Mitte August werden kleinere Fahrgeschäfte, Imbisswagen und weitere Aussteller dezentral in der Stadt stehen und im Markgräflichen Hofgarten wird das Kirchweihbier der Stadtbrauerei Spalt ausgeschenkt.

So richtig nachvollziehen kann Hetzner nicht, weshalb solche Konzepte mit Fahrgeschäften – so wie derzeit auch in Nürnberg – stattfinden können. Dennoch glaubt er, die Bemühungen und Ideen des Kirchweihausschusses und des Stadtmarketings sind nicht umsonst gewesen: "Die Gastronomen dürfen ja in Eigenregie etwas machen und zum Beispiel Kirchweihschmankerln anbieten. Nur der gemeinsame Überbau fällt eben weg."

MIRIAM ZÖLLICH

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