Mittwoch, 23.10.2019

|

Bieswang: Proteste gegen Zimmerei-Ausbau

Anwohner befürchten eine "Lkw-Autobahn" in dem 650-Seelen-Ort - 14.06.2019 06:00 Uhr

Anwohner in Bieswang protestieren gegen den Ausbau der Zimmerei Gegg. Sie fürchten eine damit verbundene Verkehrszunahme durch eine Wohnsiedlung. © Foto: Jan Stephan


Rund 60 Bieswanger Bürger haben gegen die Ausbaupläne der Zimmerei Gegg in Bieswang demonstriert. Sie fürchten vor allem, dass die kleine Siedlungsstraße, die das Firmengelände erschließt, zu einer "Autobahn für Lkws" werden könnte. Die Firma Gegg hatte gegenüber dem Landratsamt vorgerechnet, dass bis zu 120 Fahrten pro Tag durch die Siedlung erfolgen könnten, gut 40 davon wären Lkws.

"Ich kann dann meine Kinder nicht mehr alleine rauslassen", beklagte sich eine Mutter. "Dabei sind wir vor ein paar Jahren hierhergezogen, weil wir es ruhig und sicher für unsere Kinder haben wollten." Zahlreiche Eltern aus der Umgebung teilen diese Befürchtung. Zumal es bereits jetzt Beschwerden über den Lkw-Verkehr zu dem Unternehmen gibt. "Da wird viel zu schnell gefahren und ich habe deswegen schon zweimal die Polizei geholt", stellte eine andere Mutter fest. Wenn jetzt noch deutlich mehr Lkws kämen, habe sie Angst um die Sicherheit ihrer Kinder.

In die Menge der Protestierenden reihten sich auch Senioren, Anwohner und ansässige Gewerbetreibende ein. Die Straße, über die der Verkehr abgewickelt werden soll, führt am Gemeindehaus der Kirche, an einem zukünftigen Altenheim, der Bushaltestelle für Schulkinder, einem Spielplatz und einem Reiterhof für Kinder vorbei.

Die Straße sei lediglich 5,20 Meter breit und verfüge in Teilbereichen über keinen Gehsteig. "Wenn sich zwei Lkws begegnen, gibt es keine Möglichkeit, dass die aneinander vorbeikommen. Dann muss einer rückwärtsfahren", erklärte Fritz Gronauer-Weddige.

Sabine Dier vom Reiterhof Rosenhof beklagte sich im Gespräch mit unserer Zeitung, dass ihre wirtschaftlichen Interessen nicht gesehen würden. "Es heißt immer, dass der Zimmerei eine Umsiedlung finanziell nicht zuzumuten sei, aber was ist denn mit uns? Wir sind am Ende, wenn das kommt." Der Rosenhof lebt von Urlaubern und Schülergruppen, die auf dem Hof übernachten und auf dem Gelände reiten und Abenteuer erleben. "Als ich hierherkam, habe ich mich bewusst für ein ruhiges Gebiet am Rande des Dorfes entschieden", so Dier.

Neben dem Rosenhof machten auch der Erlebnisbauernhof der Familie Weddige, der gerade mit einem Leader-Projekt seinen Betrieb ausbauen will, die Pension Zippel und die Agentur Finger und Partner auf das Bedürfnis nach Ruhe für ihre Betriebsarten aufmerksam. "Ich kann hier keine Seminare geben, wenn andauernd Lkws hier vorbeidonnern", stellte Georg Finger fest. In seiner Agentur mit fünf Festangestellten werden unter anderem Achtsamkeitsseminare veranstaltet und internationaler Seminar-Betrieb für Konzerne wie BMW organisiert.

Das Landratsamt entscheidet

"Ich habe den Eindruck, dass wir vom Stadtrat nicht gehört werden, weil das hier keine Produktion ist, sondern soziale Arbeit, aber wir haben auch Arbeitskräfte beschäftigt", ärgerte sich Sabine Dier. Mit der Aktion wollten die Anwohner nun noch mal auf die schwierige Erschließungssituation aufmerksam machen. Ihre Hoffnungen richten sich auf das Weißenburger Landratsamt, das als Genehmigungsbehörde zuständig ist und das Projekt prüft.

Neben der Erschließung gilt auch der Brandschutz als problematisch, da das Bieswanger Wassernetz nicht die erforderliche Wassermenge vorhalten kann. Zudem spricht der Flächennutzungsplan gegen eine gewerbliche Nutzung in diesem Umfang im Außenbereich des Dorfes, wo sonst allenfalls landwirtschaftliche Bauprojekte möglich sind.

Der Pappenheimer Stadtrat hatte vergangene Woche mit Mehrheit von CSU, Freie Wählern und Bürgerliste das gemeindliche Einvernehmen für den Ausbau erteilt. Die Firma Gegg will eine automatisierte Abbundanlage aufbauen. Deren Betrieb würde zu einer erheblichen Zunahme des Verkehrs führen. Die SPD im Stadtrat hatte dafür plädiert, dass die Abbundanlage in einer neuen Halle im Bieswanger Gewerbegebiet errichtet werden sollte. Das hatten die Vertreter der anderen Parteien als unzumutbare Härte gegenüber der Firma gesehen und das gemeindliche Einvernehmen erteilt.

Das Bieswanger Unternehmen wächst seit Jahren und ist im Pappenheimer Stadtrat mit seinen Anträgen ein Dauerthema. Ärger hatte die Zimmerei zuletzt wiederholt, weil Gebäude und Aufschüttungen ohne Genehmigungen errichtet wurden. Das Landratsamt hatte zwischenzeitlich Baustopps und eine Geldstrafe verhängt.

JAN STEPHAN

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bieswang