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Wie schnell dürfen Treuchtlingens Weiler surfen?

Der Stadtrat bringt ein Breitbandprogramm für Treuchtlingens kleinste Orte und Höfe auf den Weg - 07.05.2019 12:18 Uhr

In der Treuchtlinger Stadtmitte ist der Glasfaserausbau bereits sieben Jahre her (unser Bild). Auch die größeren Ortsteile haben schon zumindest mittelschnelles Internet. Jetzt sind die Gehöfte und Weiler an der Reihe. © TK-Archiv / Patrick Shaw


Das "dritte Förderprogramm zum Aufbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen im Freistaat" verspricht einen Zuschuss von 80 Prozent für den ländlichen Breitbandausbau. Treuchtlingen bekommt dafür maximal 880 000 Euro. Die geplanten Erschließungsgebiete gliedern sich in zwei "Lose". Das erste umfasst die Dörfer und Weiler Maierhof, Melchershof, Schlittenhart, Windischhausen südlich der Untermühle, Hagenhof, Siebeneichhöfe, Spielhof, Eichhof und Kohlmühle. Los zwei beinhaltet den Norden Bubenheims, die Heusteige nördlich der Staatsstraße sowie den Bonhof und die Obere Papiermühle.

Für Los eins ruft die Firma M-Net als günstigster Bieter rund 846 000 Euro auf. So groß ist die Wirtschaftlichkeitslücke, also der Betrag, den das Unternehmen draufzahlen müsste und den deshalb Kommune und Freistaat auffangen. Los zwei geht bei einer Lücke von 332 000 Euro an die Telekom. Von den fehlenden 1,18 Millionen Euro verbleiben nach Abzug der Förderung 297 000 Euro bei der Stadt Treuchtlingen.

Der städtische Breitbandbeauftragte Michael Satzinger ist nach eigenen Worten "ziemlich erschrocken über diese Preise". Umgerechnet auf die insgesamt nur 44 DSL-Anschlüsse seien das 27 000 Euro pro Anschluss, umgerechnet auf die 24 Haushalte sogar fast 50 000. Andererseits sollten die Glasfaseranschlüsse dann "für die nächsten 30 bis 50 Jahre genügen". Abgespeckte Lösungen würden der Formel nicht gerecht, nach der sich "der Bandbreitenbedarf alle zwei Jahre verdoppelt". Das bestätigte auch Michael Hilgers von der Breitbandberatung Bayern.

Keine nachhaltigen Alternativen?

Klaus Fackler (UFW) fragte, ob der Ausbau in Industriegebieten nicht wichtiger sei als "bei jedem letzten Hof", und verwies auf andere Übertragungstechniken wie Funk, Satellit und LTE. Alle drei sind laut Satzinger jedoch "technisch nicht mit Glasfaser zu vergleichen". Zudem gebe es dafür keine Förderung, so Hilgers. Und von einem leistungsfähigen 5G-Netz sei Bayern noch meilenweit entfernt. "Jetzt ist die Chance auf die Zukunftssicherung der Höfe", betonte Rathauschef Werner Baum.

Zweifel äußerte Fackler auch an der Langfristigkeit, gehörten die neuen Leitungen doch den Anbietern, die den Betrieb bei sinkenden Gewinnen wieder einstellen könnten. Das sei zwar richtig, bestätigte Satzinger, die Glasfaser-Infrastruktur sei aber deutlich günstiger zu betreiben als die alten Kupferanschlüsse.

Kristina Becker (CSU) regte an zu prüfen, ob die Leitungen nicht wie in Bubenheim teils oberirdisch und damit günstiger verlegt werden könnten. Dies nahm der Stadtrat in den Beschluss auf, der am Ende mit zwei Gegenstimmen aus den Reihen der UFW doch recht klar für den DSL-Ausbau der Höfe und Weiler ausfiel. 

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