Donnerstag, 24.10.2019

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Wettelsheim: Relikte aus der Vergangenheit

Steinerne Gebäude wurden von der Getränke- und der Steinindustrie genutzt - 18.06.2019 06:04 Uhr

Am Fuße des Viersteinbergs, zwischen Wettelsheimer Keller und „Monument“ befindet, sich ein ehemaliger Bierkeller und eine lange nicht mehr in Betrieb stehende Steinverladerampe des Wettelsheimer Steinbruchs. © Foto: Alexander Schulz


Es sind Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Unterhalb des Patrichbergs, am Weg zwischen der Wettelsheimer Waldterrasse (Brauerei Strauß) und dem Schäff-Bräu-Keller, mitten im Grünen und umhüllt von Laub, ragt ein mächtiges, steinernes Ungetüm aus dem Boden. Das Gebäude hat nur einen kleinen Eingang, mit einer Gittertür. Ein paar Meter weiter erstreckt sich eine steinige Wand, umhüllt von Bäumen, in den Himmel. Es sind verlassene Gebäude, mitten in der Natur.

Doch was hat es mit den beiden mysteriösen Gebäuden auf sich? Selbst als alteingesessener Treuchtlinger kann man nicht unbedingt sofort etwas mit diesen Gebilden anfangen. Fragt man bei der Stadt nach, bekommt man auch nicht postwendend eine sichere Antwort auf diese Frage.

Im Archiv habe man vielleicht noch mehr Informationen dazu, heißt es. Bei dem Relikt müsse es sich aber wohl um einen der alten Bierkeller handeln. Der ein oder andere ältere Treuchtlinger bringt Licht ins Dunkeln: Aus dem Laub ragt tatsächlich ein alter Eis- beziehungsweise Bierkeller, der seinerzeit zur Einlagerung während des Winters für den Sommer zur Kühlung verwendet wurde.

Rudi Steimle kann sich noch gut daran erinnern. Der Eiskeller, der im Besitz der Firma Schäff war, kam ihm als Kind sogar immer noch ein wenig größer vor, als er ihm nun auf den Fotos sieht. "Da täuschen die kindlichen Gedanken", sagt er. Damals seien sie in der Nähe am Weiher immer zum Schlittschuhlaufen gewesen. Und einmal hatte er es mit eigenen Augen gesehen, wie dort Eisblöcke herausgeschnitten wurden. "Das weiß ich noch", sagt Steimle.

Der Keller war also einerseits für den Eishaushalt da, und andererseits zur Kühlung für das Bier. Ob auch andere Dinge dort gelagert wurden, kann Steimle nicht sagen. Es gibt noch ein paar weitere solcher Keller in unmittelbarer Nähe, die aber ebenfalls schon lange nicht mehr in Betrieb sind.

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Und was hat es mit der Mauer auf sich? Die steinige Wand ist die lange nicht mehr in Betrieb stehende Steinverladerampe (Bruchsteinverarbeitung) des Wettelsheimer Steinbruchs, eines ehemaligen Marmorwerks. Eine alte Schotterverladung also. Oben am Patrichberg wurde gebrochen, 100 Meter weiter unten wurden Steine und Schotter in Schächten gesammelt und sortiert. "Deshalb hat es auch so viele Löcher", sagt Rudi Steimle. Die jeweiligen Körnungen des Schotters wurden dann für die unterschiedlichsten Dinge verwendet. Für Wege, für Straßen oder in der Landwirtschaft. "Der Bach unten war immer ganz weiß", sagt Steimle. Das lag auch am Staub vom Schleifen der größeren Steine.

Auch Oswald Bayer kann sich noch gut daran erinnern, wie am Steinbruch Marmor gebrochen wurde. "Da waren große Rohre angebracht und dann wurde mit dem Lastwagen oder landwirtschaftlichen Fahrzeugen Schotter abtransportiert", sagt Bayer. Er war 50 Jahre lang Förster, zudem als Revierleiter im Forstamt Treuchtlingen für dieses Waldgebiet zuständig. Den Steinbruch hatte er seinerzeit versucht, zu bepflanzen und damit grüner zu machen. Das Problem? Die Gämsen, die seinerzeit aus dem Eichstätter Gebiet nach Treuchtlingen gezogen waren und sich hier heimisch machten.

Auch in Möhren ist eine kleine Gruppe von Gämsen zu Hause. "Die Tiere lieben Steinbrüche", sagt Steimle. Erst durch die Reduktion des Bestands durch Abschuss konnten Pflanzen rund um die Steinbrüche wachsen. Sie umhüllen nun zumindest die steinerne Wand am Fuß des Viersteinbergs. Und die Erinnerungen an die Zeiten, als hier vor vielen Jahrzehnten Hochbetrieb herrschte, schwinden mehr und mehr.

[Der Artikel wurde am 19.06.2019 nachbearbeitet und die Informationen zum Steinabbau konkretisiert und ergänzt]

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