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Waldlust Wettelsheim wird 100 Jahre alt

Mitgliedspreis orientierte sich am Bierpreis - Würfeln um die Mitgliedschaft - 19.05.2019 06:03 Uhr

Im Jahre 1968 spielte der Verein Waldlust Wettelsheim das Stück „Ruf der Heimatglocken“. Theateraufführungen wurden im Verein bereits ab 1921 aufgeführt. Für die Aufführung der Stücke brauchte man natürlich auch Frauen als Darstellerinnen. Die Spielerinnen konnten damals allerdings noch keine Mitglieder werden. © Foto: Waldlust Wettelsheim


Vielleicht war es die Sehnsucht nach Frieden und die Sehnsucht nach einer heilen Welt, die eine Handvoll Wettelsheimer Bürger dazu veranlasst hatten, vor 100 Jahren den Verein "Waldlust" zu gründen. 1919, ein paar Monate nach Ende des Ersten Weltkrieges. Am 25. und 26. Mai findet nun die Jubiläumsfeier statt.

Ein paar Stunden miteinander verbringen, gemeinsam wandern, Ausflüge unternehmen oder – wie früher – Theaterspielen. Das alles bot der Verein den Wettelsheimer Bürgern, das war Sinn und Zweck der Gründung, die Natur und Kultur standen für den Verein schon immer im Vordergrund.

Das Fernweh des Vereins erwachte 1949, damals fand der erste Mehrtagesausflug an den Tegernsee, den Schliersee und den Wendelstein statt. Und auch das Dorffest entstand erst auf Initiative des Vereins, es wurde 1980 auf Anregung von "Waldlust" erstmals in Zusammenarbeit mit allen Wettelsheimer Vereinen ausgerichtet. Seit 1971 findet monatlich außerdem regelmäßig das "Gemütliche Beisammensein" statt.

"Wir sind aber damals wegen dem Theaterspielen zum Verein gekommen", sagt Helmut Hüttinger, der gemeinsam mit seiner Frau bereits seit über 50 Jahren im Vorstand der Waldlust ist und den Verein in all den Jahrzehnten nie verlassen hat, auch wenn sich über die Jahre "alles geändert hat", wie es Hüttinger formuliert.

Helmut Hüttinger war es auch, der, um den Sinn des Vereins weiterhin zu wahren, 1972 den Antrag stellte, sich dem internationalen Volkssportverband IVV anzuschließen. Zweck und Ziel des IVV ist es, Volkswandertage für jedermann abzuhalten. Diese Volkswanderungen von 1970 bis Anfang der 1990er Jahre haben den Verein weit übers Land bekannt gemacht. Darüber hinaus gab es Sonnwendfeuer, Weihnachtsfeiern, Weiberfasching, Laternenzüge und Diaabende, die Abwechslung ins Vereinsleben bringen sollten. "Da hat sich im Verein ganz schön was bewegt damals", sagt Hüttinger.

Doch geändert hat sich tatsächlich ziemlich viel über all die Jahre, was sich vermutlich am anschaulichsten anhand des zu zahlenden Mitgliedsbeitrags illustrieren lässt. Der bereitete im Verein wegen der rasanten Geldentwertung (Inflation 1923) seinerzeit Probleme.

Der Beitrag und die Aufnahmegebühr konnten nicht mehr fest beschlossen werden, als Richtlinie wurde also der Bierpreis für den Monatsbeitrag genommen. Und der entsprach dem Preis eines halben Liter Bieres. Gezahlt wurde in bar. Auch die Aufnahme in den Verein war gar nicht so einfach. "Es gab eine Zeit, da wurde gewürfelt wer eintreten konnte", sagt Hüttinger.

Theater wird im Verein, der während des Zweiten Weltkriegs nicht existierte und erst 1947 wiedergegründet wurde, nicht mehr gespielt. Wie bei allen Vereinen fehlte irgendwann der Nachwuchs, immerhin 140 Mitglieder zählt die Waldlust heute noch.

Und die wollen ihr 100-jähriges Bestehen nun gebührend feiern. Das Festprogramm sieht am Samstag, 25. Mai, unter anderem ein Totengedenken am Kriegerdenkmal und einen bunten Abend mit der Feuerwehrkapelle Wettelsheim vor. Am Sonntag, 26. Mai wird es zunächst einen Festgottesdienst im Festzelt am Waldlusthaus geben, ehe um 13.30 Uhr unter anderem ein bunter Festzug stattfindet (siehe Programm links).

Auch nach 100 Jahren soll ihr Verein, das ist der große Wunsch der Hüttingers, möglichst noch lange Jahre weiter bestehen, auch wenn die Organisation – wie viele Vereine – mit mangelndem Nachwuchs zu kämpfen hat. "Ich hoffe, dass es weitergeht und dass immer irgendjemand da ist, der das weitermacht", sagt Hüttinger. Die Sehnsucht, die einige Wettelsheimer Bürger vor 100 Jahren hatten, gilt für manch Wettelsheimer eben auch heute noch. 

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