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Treuchtlinger Wasserstreit: Neues Wissen, alte Haltung

Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt erläutern Gutachten und Verfahren für Altmühltaler - 23.05.2019 06:04 Uhr

Trinkwasser hat Vorrang: Im Wasserhaus am Nagelberg wird das Treuchtlinger Fernwasser weiterverteilt. Nachteile für die öffentliche Versorgung infolge der Nutzung des nahen Tiefenbrunnens durch Altmühltaler will das Wasserwirtschaftsamt ausschließen. © Patrick Shaw


Zwei Tage vor den Bürgerversammlungen und Stadtratssitzungen am Donnerstag, 23. Mai, in Treuchtlingen und Weißenburg erläuterten Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt (WWA) das Gutachten und die Leitplanken, die dieses für den geplanten Probetrieb des Mineralwasserkonzerns setzt.

Welche Erkenntnisse sprechen für eine Befürwortung des Probebetriebs?

Zur Wasserentnahme aus dem tiefen Sandsteinkeuper hat das WWA nach Worten seines Leiters Thomas Keller "schon immer ein kritisches Verhältnis, das sich auch im Gutachten spiegelt". Das Gebiet ist riesig: Mit 25 Milliarden Kubikmetern Volumen und 10 000 Quadratkilometern Fläche erstreckt es sich über ein Siebtel Bayerns. 35 Förderanlagen entnehmen ihm jährlich rund 8,1 Millionen Kubikmeter Wasser. Im Weißenburger Raum wird diese Ressource laut Keller besonders intensiv genutzt.

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Datengrundlage für das Gutachten sind Messungen und das regionale Grundwassermodell. Diesen zufolge sinken die Druckwasserstände in der Region seit den 1990er Jahren merklich. Allerdings ist das System wegen seiner enormen Größe extrem träge.

Noch vor etwa zehn Jahren waren die Fachleute deshalb der Ansicht, dass die sinkenden Pegel Anzeichen einer Übernutzung seien. Nach der Fortschreibung des Modells von 2016 geht das WWA nun aber davon aus, dass sich zeitnah ein Gleichgewicht einstellen wird – das auch die Mehrentnahme von jährlich 300 000 Kubikmetern durch Altmühltaler kaum tangieren werde. Einige Brunnen hätten noch bis zu 100 Meter Puffer. "Ökologische Beeinträchtigungen sind nicht zu erwarten", so das Amt.

Von den nahen Messstellen wäre Kellers Stellvertreter Roland Rösler zufolge Wettelsheim mit etwa sechs Metern Absenkung am stärksten betroffen. In Emetzheim und Polsingen seien es noch ein bis zwei Meter, darüber hinaus werde die Entnahme kaum zu spüren sein. Im Nagelbergbrunnen selbst ist der Druckstand zwar gegenüber dem Pumpversuch von 1996 rund 16 Meter gesunken, laut Rösler aber vor allem wegen des "Absenktrichters" der beiden bestehenden Mineralwasserbrunnen.

Ob der Druck dort singulär weiter sinke, sei irrelevant. "Wir können dennoch keine sichere Prognose geben, ob die Mehrentnahme über die nächsten 20 Jahre funktioniert", räumt Rösler ein. Da ein Pumpversuch wegen des langsamen Systems nicht möglich sei, müsse man "einfach testen".

Keine Prognose kann das WWA indes für die Wasserqualität geben. Zwar bestehe wegen der Zeiträume von mehreren hundert Jahren keine Gefahr des Nachsickerns von Wasser, das mit Nitrat oder Pflanzenschutzmitteln belastet ist. Dafür sei bei sinkenden Druckpegeln ein höherer Eintrag von Arsen denkbar. Deshalb sei das "Monitoring" wichtig.

An welche Auflagen ist ein möglicher Probebetrieb gebunden?

Das WWA verlangt von Altmühltaler kontinuierliche Pegelmessungen an der Förderstelle und den umliegenden Brunnen, vierteljährliche Bestimmungen der Wasserqualität und des Wasseralters sowie den Aufbau eines eigenen Grundwassermodells. Außerdem muss die Messstelle in Wettelsheim überprüft werden, weil die dortigen Daten derzeit nicht mit dem Modell zusammenpassen. Verschlechtert sich die Wasserqualität, wird die Entnahme reduziert oder gestoppt. Zudem ist der Probebetrieb laut Rösler "ergebnisoffen" und "jederzeit widerruflich". Letzteres sei den Antragstellern bewusst, die dies beim "Scoping-Termin" im Juni 2018 auch schriftlich erklärt hätten.

Hat das Wasserwirtschaftsamt seine bisherige Position geändert?

Laut Weißenburgs Rathauschef Jürgen Schröppel, der bei seiner Klageandrohung bleibt, standen "die 250 000 Kubikmeter von Altmühltaler schon 2013 Spitz auf Knopf". Dass das WWA nun mehr als das Doppelte für vertretbar hält, verstehe "kein Mensch". Dem hält Keller das neue Grundwassermodell entgegen, das "eine wesentlich schärfere Aussagekraft hat". Das ändere jedoch "nichts an unserer kritischen Haltung gegenüber allen Entnahmen". Genau deshalb befürworte das WWA auch nur einen Probebetrieb.

Bezahlt die Firma Altmühltaler keinen angemessenen Preis für das Wasser?

"Wasser ist in Bayern, Thüringen und Hessen nach wie vor kostenfrei", betont Landrat Gerhard Wägemann. Nur Förderung, Aufbereitung und Leitungsnetz erzeugen Kosten. Für den Nagelbergbrunnen baut und betreibt Altmühltaler diese Anlagen selbst.

In welchem gesetzlichen Rahmen bewegt sich das Verfahren?

Über den Antrag befindet das Landratsamt laut Jurist Marius Mauerer in einem "nichtförmlichen Verwaltungsverfahren". Bis 31. Mai können die Betroffenen dazu Stellung nehmen, gegen den Bescheid können sie dann klagen. Für seine Entscheidung muss das Amt gemäß Wasserhaushaltsgesetz prüfen, ob "schädliche, auch durch Nebenbestimmungen nicht vermeidbare oder ausgleichbare Gewässerveränderungen zu erwarten sind". Dabei muss die Wahrscheinlicheit "begründet" sein, die bloße Möglichkeit genügt nicht. WWA, Gesundheitsamt und Untere Naturschutzbehörde prüfen außerdem die Umweltverträglichkeit.

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