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Mittwoch, 23.10.2019

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Treuchtlinger Herbstjagd: Tier als Begleiter statt Beute

Der Reitverein pflegt mit seiner Schleppjagd eine alte Tradition unter neuen Gesichtspunkten - 17.09.2019 06:04 Uhr

Hunde voraus, Reiter hinterher: Bei der Herbstjagd des Treuchtlinger Reitvereins fühlt man sich an altenglische Fuchsjagden erinnert – nur dass im Altmühltal kein Tier zu Schaden kommt. © Jürgen Leykamm


Startpunkt der "Herbstjagd" ist die Reitanlage in Gstadt. Die Reiter sind aus ganz Mittelfranken sowie Teilen Bayerns und Baden-Württembergs angereist. Für Kathrin und Michael Hess aus Bad Staffelstein ist es ein Debüt – ihr erster Jagdritt überhaupt. Lokalmatadorin Lisa Meyer vom Gastgeberverein ist dagegen schon eine "alte Häsin": Vor sechs Jahren war sie das erst Mal mit Pony Mona dabei. Diesmal sitzt die 20-Jährige, die in Eichstätt Soziale Arbeit studiert, auf Belle, einem fünfjährigen ungarischen Sportpferd, das ebenso neu bei der Jagd dabei ist.

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Mit Pferd und Hund: Herbstjagd des Treuchtlinger Reitvereins

Schleppjagden sind auch in Franken ein immer selteneres Schauspiel. Der Treuchtlinger Reitverein pflegt diese alte Tradition mit seiner „Herbstjagd“.


Während die Stute und die anderen Pferde auf das mehr als dreistündige Spektakel vorbereitet werden, müssen sich die Beagles der "Frankenmeute" noch etwas in Geduld üben. Der Schleppjagdverein ist bundesweit aktiv, sein Präsident Armin Kirchdorfer kommt aus Bad Königshofen und hat Ellinger Wurzeln.

Jagdherrin ist Herma Leitermeier. Doch der Begriff täuscht: Eine solche Veranstaltung durchzuführen, ist Teamarbeit. "Das geht nur miteinander", sind sich Armin Kirchdorfer und die dritte Vereinsvorsitzende Sandra Feigel einig. Beide bedauern, dass sich immer weniger Reiter an den Geländeritten beteiligen. "Traut Euch wieder mehr heraus", appellieren sie beim Start – mit ähnlichem Effekt wie in der Kirche: Diejenigen, die gemeint sind, sind nicht da.

Schnaps und Hörnerklang

Anschließend heißt es für die Hunde, die Duftspur ("Schleppe") der beiden Pferde aufzunehmen, die mit zweiminütigem Vorsprung voraus galoppieren und den "Wegweiser" spielen. Zusätzliche Orientierung bieten die Hufabdrücke, die sie hinterlassen. Geritten werden die Tiere von Kirchdorfer und Silvana Pflaum.

Für die verfolgenden Reiter, darunter auch Anina Stosch aus Langenaltheim, gibt es zunächst noch eine Einstimmung mit den Jagdhornbläsern der "Schanzer Parforce" aus Ingolstadt sowie einem "Bügeltrunk" genannten Schnaps. Dann ertönt das Startsignal: Auf den Ruf des "Master of the hounds" antworten die Reiter mit einem dreifachen "Horrido" und "Johou", dann lässt Uwe Hochbrückner die Schleppjagd beginnen.

Erst geht es gemütlich über die Altmühlbrücke. Dahinter wartet das erste der insgesamt sieben Hindernisse. Ob er den Sprung wagt, bleibt jedem Reiter selbst überlassen. Von Graben ziehen Mensch und Tier weiter über Grönhart und Holzingen nach Kattenhochstatt. Am Trommetsheimer Berg wird Rast gemacht. Die nächsten Stationen heißen Markt Berolzheim und Bubenheim mit seinem Panoramablick übers Altmühltal.

In historischem Dress

"Einfach eine tolle, abwechslungsreiche Strecke, idyllisch und reich an Facetten", ist das Ehepaar Hess begeistert, das einem seiner Pferde einen Fliegenschutz über den Kopf gestreift hat. Ein anderer Teilnehmer hält das Geschehen per Helmkamera fest. Da Schleppjagden vor allem in England und Frankreich eine große Tradition haben, haben sich viele Teilnehmer für ihre Kleidung den englischen Jagdrock zum Vorbild genommen. Französisch sehen die Gewänder der Equipage aus.

Das alles erregt natürlich Aufsehen bei Spaziergängern und Radlern. Auch die Zuschauer eines Fußballspiels wenden kurz den Blick von den Kickern zu Hunden und Reitern, wie zum Abschluss bei Gulasch, Schnitzeln und Gebäck in der Reiterstube Erich Engelhardt und Frank Borsutzky aus Wassertrüdingen erzählen. Und auch die Hunde bekommen im Ziel ihren wohlverdienten Lohn in Form von mehreren Pansen, die sie gierig zerreißen.

Mit der diesjährigen Herbstjagd sind am Ende alle zufrieden. Louisa Böttiger aus Wiedersbach bei Leutershausen lächelt breit, als sie ihr Pferd und das einer Kameradin zum Fressen führt. Und bald steht schon die nächste Schleppjagd an – diesmal im Nachbarlandkreis Roth.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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