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Treuchtlingen: Wo bekommen die Sportplätze ihr Wasser her?

Künstlicher Regen aus dem Brunnen - Wasser oft nicht trinkbar - 09.08.2019 06:02 Uhr

Die Treuchtlinger Bezirkssportanlage bezieht das Wasser für die Bewässerung der Sportplätze aus der Suffersheimer Quelle. Platzwart Jürgen Kränzlein muss Urlaubern aber öfters mal erklären, dass kein Trinkwasser verschwendet wird. Das Wasser ist nicht trinkbar, weil die Quelle zu viel Nitrat enthält. © Foto: Micha Schneider


Es ist nur ein kurzer Handgriff, den Jürgen Kränzlein, der Platzwart des ESV Treuchtlingen, an der Bewässerungsanlage der Bezirkssportanlage betätigen muss. Kurz darauf schießt Wasser durch die Luft und landet in hohem Bogen wieder auf dem Rasen. Zwölf solcher Sprengeranlagen sind auf dem A-Platz angebracht, seit drei Wochen gibt es nun auch oben am B-Platz drei davon. "Dafür habe ich 15 Jahre gekämpft", sagt Kränzlein. Doch woher kommt das Wasser eigentlich, das da auf Kommando über den Sportplatz fliegt?

Die Bezirkssportanlage bezieht ihr Wasser für die Bewässerung der Plätze schon seit Jahrzehnten aus der Suffersheimer Wasserleitung, die unterirdisch angezapft wird und das Wasser mit einem Pumpendruck von sechs Bar über dem Platz verteilt. "Ich werde ja oft darauf angesprochen, dass wir hier doch bestimmt viel Trinkwasser verbrauchen, aber das ist kein Trinkwasser", sagt der 57-jährige Kränzlein, der an der städtischen Anlage schon seit 30 Jahren als Platzwart arbeitet. Das Wasser sei nicht trinkbar, weil es zu viel Nitrat enthalte. Diese Suffersheimer Wasserleitung gebe es laut ihm schon seit über 100 Jahren.

Bei Hitze täglich gießen

Wenn es so heiß ist wie in den vergangenen Wochen, dann werde der Platz durchaus täglich bewässert. Denn wenn man an jenen Tagen nicht spritze, sei alles innerhalb von einer Woche verbrannt, sagt Kränzlein. Und wenn dann Spiele darauf stattfinden, dann würden die Wurzeln zerstört. An weniger heißen Tagen werde aber nur ungefähr alle 14 Tage bewässert. Die Anlage ist computergesteuert und hat auch einen Regensensor, damit nicht unnötig Ressourcen verbraucht werden. Meistens wird die Anlage abends gegen 23 Uhr eingeschaltet, und wenn 15 Liter pro Quadratmeter erreicht sind, schaltet sie sich automatisch wieder ab. "Das gute an dieser Quelle ist: wenn ich Wasser brauche, dann kann ich auch bewässern", sagt Kränzlein.

Jürgen Kränzlein ist seit knapp 30 Jahren Platzwart an der Bezirkssportanlage und kümmert sich auch um die Bewässerung der Sportplätze. © Micha Schneider


Diesen Luxus hat nicht jeder Sportverein im Umkreis. Beim SV Auernheim am Sportplatz in der Windischhausener Gasse zum Beispiel "wird im Moment gar nicht bewässert", wie es Johannes Neumeier von der Fußballabteilung formuliert. Eine feste Bewässerungsanlage gibt es hier nicht.

Vor drei Jahren habe man es mal auf eigene Faust probiert und drei kleine Sprenger aufgestellt, doch der gewünschte Effekt sei ausgeblieben. Und natürlich brauche man auch immer Menschen, die sich darum kümmern. Weil es gerade in der Jugend auch Spielgemeinschaften gebe, werde der Platz aber nicht allzu sehr beansprucht, so dass man zumindest auf den B-Platz "immer ausweichen kann". Der A-Platz sei dagegen etwas anfälliger. Für die Bewässerung der Plätze habe man einen separaten Zähler. Und wenn bewässert wird, dann werde das Wasser über die Stadt ganz normal abgerechnet.

Einen eigenen Brunnen gebaut

Ordnungsgemäß läuft auch alles beim SV Wettelsheim, der ebenfalls kein Trinkwasser verschwendet. Seit der Sportplatz gebaut wurde, sei das System schon immer das gleiche, sagt Vorstand Hannes Köhnlein. Über eine Quelle werde das Wasser angezapft und in Zisternen aufgefangen.

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Auch beim VfL Treuchtlingen wird nicht mit Trinkwasser bewässert. Der Verein bezieht sein Wasser am Sportplatz in der Bubenheimer Straße aus einem zehn Meter tiefen Brunnen, der einst auf eigene Kosten errichtet wurde und der vom Wasserwirtschaftsamt auch seit Jahrzehnten genehmigt sei, berichtet der Vorsitzende Hermann Wißmüller. "Da sind wir auch sehr stolz darauf", so Wißmüller. Auch hier sei die Anlage computergesteuert, bewässert werde nach Bedarf, also je nachdem wie trocken es sei.

Insgesamt würden für die beiden Sportplätze zwischen Bubenheim und Graben rund 1800 Kubikmeter Wasser pro Jahr benötigt. Das nicht genutzte Wasser werde dem Grundwasser übrigens wieder zugeführt, so entstehe ein Kreislauf. "Ein ressourcenschonender Umgang mit Wasser ist uns auf jeden Fall wichtig", so der VfL-Vorsitzende Wißmüller. Ein Satz, den man gerade in Zeiten des Wasserstreits in der Region wohl gerne hören wird.

Korrektur: In einer früheren Version des Berichts stand, dass der VfL Treuchtlingen 18.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr benötigt. Richtig ist: er benötigt nur 1800 Kubikmeter Wasser pro Jahr. 

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