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Mittwoch, 17.07.2019

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Treuchtlingen: Mitfahrbörse für alle Bürger

Freundliche Autofahrer können Menschen ein Stück weit mitnehmen - 14.06.2019 05:52 Uhr

Wer einen netten Autofahrer sucht, der jemanden ein paar Kilometer mitnehmen kann, setzt sich einfach auf eine der blau-gelb gestreiften Mitfahrerbänke, die an verschiedenen Orten im Stadtgebiet – wie hier am Patrich – stehen. © Foto: Ulrike Klischat/Stadt Treuchtlingen


Noch schnell in den Supermarkt, ein kurzer Besuch im Nachbardorf oder der obligatorische Arztbesuch am nächsten Tag – in Treuchtlingen gestalten sich alltägliche Besorgungen und Termine ohne Auto eher problematisch. Mit den neuen Mitfahrbänken soll das Problem gelöst werden.

Mitfahrbänke sind eine Art Bushaltestelle, die in den letzten Jahren häufiger in kleinen Orten ohne öffentliche Verkehrsmittel aufgebaut wurden. Schilder an den Mitfahrbänken zeigen an, in welche Richtung es gehen soll. Wer aus dem Dorf raus möchte, aber kein Auto besitzt, kann sich hier hinsetzen und darauf warten, dass Fahrer, die zufällig auch in diese Richtung fahren, sie mitnehmen. Also sozusagen trampen, allerdings ohne gestreckten Daumen.

Auch Treuchtlingen hat im April 2018 seine erste "Mitfahrbank-Linie" eingerichtet. Die Testphase wurde seinerzeit von der Projektgruppe Bürgerhaus initiiert. An der Grundschule wurde solch eine Bank errichtet. Das Gegenstück dazu stand am Patrich, an der Kreuzung Hahnenkammstraße/Lärchen-/Birkenweg.

Im Laufe des Jahres 2019 sollen nun weitere Bänke aufgestellt werden. Nach der Testphase und aufgrund von Rückmeldungen aus der Bevölkerung, hat sich die Stadt entschlossen, drei weitere Mitfahrbänke aufzustellen. Diese stehen in der Wettelsheimer Straße an der Bahnlinie gegenüber der Bäckerei Lehner, in der Oettinger Straße, in der Nähe des ehemaligen Preisfux sowie in der Nürnberger Straße stadtauswärts, auf Höhe der dort ehemals ansässigen Getränke-Firma Pledl.

Dieses Schild weist deutlich auf die Mitfahrerbank hin. Je nachdem, wie das Angebot angenommen wird, können noch weitere Bänke aufgestellt werden. © Foto: privat


Die Bänke sind durch blaue Schilder mit der Aufschrift "Mitfahrbank" gekennzeichnet. "Alle PKW-Fahrer werden gebeten, die wartenden Mitbürger auf diesen Bänken zum Ziel mitzunehmen, wenn dies ihrer Fahrstrecke entspricht", heißt es zu dem Konzept in einer Pressemeldung der Stadt.

Das Projekt stehe auch für Mitmenschlichkeit und Kommunikation. Sollten die Mitfahrbänke angenommen werden, "können weitere Mitfahrbänke an geeigneten Stellen platziert werden." Hans-Jürgen Porsch und Thomas Latteier, die Initiatoren dieser Mitfahrbänke, freuen sich zwar darüber, dass es nun weitere solcher "Tramp-Bushaltestellen" geben wird, geben allerdings gleichzeitig zu bedenken, dass die aktuellen Standorte nicht ihre vollste Zustimmung fänden.

Der Grund sei in ihren Augen der, dass die Philosophie der Mitfahrbänke noch nicht ganz erkannt und verstanden wurde. Besonders der Standort der ersten Bank unterhalb der Grundschule Richtung Patrich sei "ganz schlecht gewählt und kontraproduktiv", so Porsch.

Für stadteinwärts fahrende Autos sei es dort zu gefährlich, anzuhalten und jemanden mitzunehmen. Als Endpunkt sei die Bank allerdings sehr gut. Auch bei den neuen Standorten sehen die beiden nach einer gründlichen Inspektion noch "viele Fragezeichen." Bei der Mitfahrbank gegenüber dem altem Krankenhaus sei die Bank beispielsweise zu weit ins Gelände gesetzt worden und werde vom Autofahrer kaum wahrgenommen. Vor dem Riesen-Werbeplakat sei sie für den Verkehr zudem auch nicht besonders augenfällig. Doch immerhin, Lob gibt es auch: "Das ist eine der schönsten Bänke"

Langer Vorlauf

Es sei grundsätzlich gut, dass sich in dieser Hinsicht bei der Stadt endlich etwas bewege. Bereits im Juni 2017 wurden die beiden ehrenamtlich engagierten Bürger wegen des Projekts erstmals bei der Stadt vorstellig. "Es ist ein bürgerfreundliches, umweltverträgliches, energiesparendes Projekt in Ergänzung zum ÖPNV, der hier in unserer Region ohnehin ausgedünnt und vernachlässigt worden ist", sagen die beiden.

In vielen Bundesländern sei diese Einrichtung schon längst in der Bevölkerung angenommen worden. Jetzt beginnt sozusagen die erweiterte Testphase für Treuchtlingen. Wird das Angebot auch angenommen? Die Wahrheit liegt dabei jedenfalls nicht, wie etwa beim Fußball, auf dem Platz, sondern auf der Bank. 

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