Mittwoch, 20.11.2019

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Treuchtlingen: Hanni schließt seinen Kiosk

Stadt sucht einen neuen Pächter für Biergarten an der Lok - 12.10.2019 06:04 Uhr

Seine Spezialität waren Currywürste und Bratwürste: Hans Kress grillte jahrelang am Kiosk „Zum Hanni“ – eine Institution, die aus dem Kulturleben der Stadt kaum wegzudenken ist. Bis zum 31. Oktober läuft nun die Ausschreibung für einen neuen Pächter des Kiosks, denn der 64-Jährige macht Schluss. © Micha Schneider


Es ist dunkel. Der Rollladen am Küchenfenster im Kiosk "Zum Hanni" ist geschlossen, im Kühlschrank liegen ein paar verpackte Würste, auf der Herdplatte stehen Pfannen und Töpfe. Doch bei diesem Wetter, sagt Hans Kress, lohne es sich nicht aufzumachen. In seiner blauen Jacke und seinem schwarz-weißen T-Shirt sitzt Kress in der engen Küche auf einer Bierbank. Hier hat er jahrelang gestanden, hat Currywürste gebraten, Eis verkauft und Bier ausgeschenkt. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Den Kiosk "Zum Hanni" mit Biergarten gibt er auf. Bis zum 31. Oktober läuft die Ausschreibung für einen neuen Pächter.

Ganz am Ende des Gesprächs geht Hans Kress noch einmal in sich. Der Regen prasselt auf das Dach. Es scheint so, als wäre ihm noch etwas Wichtiges eingefallen. "Warum ich aufhöre wollten Sie vorher wissen?" Es arbeitet in ihm, Kress schaut konzentriert auf den Boden, runzelt die Stirn. "Es war früher irgendwie alles lockerer, leichter", sagt er dann.

Hans Kress meint die Anfangszeiten als Gastwirt, aber vielleicht auch das Leben insgesamt. Einige Minuten zuvor blickte er nämlich aus dem kleinen Küchenfenster auf die Wiese vor dem Gebäude. Keine 200 Meter von hier ist er geboren, in dem Haus, wo heute die Landeskirche steht.

"Diese Wiese war damals unser Spielplatz", sagt Kress und zeigt aus dem Fenster. Mit seinem Bruder sei er dort immer herumgetollt. Damals sei das ein Schotterplatz gewesen, auf die Schotterberge seien die Brüder einst geklettert, haben zusammen gespielt. Das alles ist lange her.

Heute ist Hans Kress 64 Jahre alt. Die Gastwirtschaft, das kann man so sagen, war immer ein großer Teil in seinem Leben. Und ganz besonders der Kiosk "Zum Hanni". "Es war eine schöne Zeit, mein Herz hängt noch an dieser Geschichte hier", sagt Kress. Von 1990 bis 1995 hat er den Biergarten an der Denkmalslok in der Altmühlstraße das erste Mal betrieben. Ab 2009 war er dann ein zweites Mal für seine Gäste da. Im Sommer rund um die Uhr.

Früher, sagt Kress, konnte er von dem Geld, das er sich im Kiosk im Sommer erwirtschaftet hatte, im Winter auch mal einfach wochenlang am Stück irgendwo hinfliegen, abschalten und Urlaub machen.

Auf La Gomera, einer Insel der Kanaren, lernte er seine Frau, die aus Frankfurt stammt, kennen. Mittlerweile ist er aber geschieden. Mit seiner kleinen Familie seien diese Winter-Auszeiten damals dann immer schwieriger geworden. Deshalb hörte er 1995 das erste Mal auf, er brauchte einfach einen Ganzjahresjob, den er bei der Firma Modl in Pappenheim fand. Dort arbeitete er fortan als Elektromechaniker.

Highlight "Rock an der Lok"

Auch in der Burgschänke auf der Burg in Pappenheim, im Gunzenhäuser Hallenbad und im Schäffbräu-Stüberl – wo für ihn 1980 einst seine Zeit als Gastwirt begann – war er in der Folgezeit tätig – bis er 2009 zu "seinem" Kiosk zurückkehrte. In seine kleine Küche, zu seinen Stammgästen, "die man halt einfach gut kennt". Die Highlights, erinnert sich Kress, seien für ihn immer die Veranstaltungen "Rock an der Lok" gewesen. Dort gab es am Kiosk dann regelmäßig Live-Musik zu hören.

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Doch im Laufe der Jahre hat sich eben auch ein bisschen was verändert. Auf der Wiese, wo er einst als Kind auf Schotter-Berge geklettert war, steht jetzt ein richtiger Spielplatz, vor ein paar Jahren wurde er umgebaut. "Deshalb kamen jetzt auch viel mehr Leute. Das ist ja auch toll, aber der gastronomische Bereich ist dafür fast zu klein", sagt Kress. Ein bisschen viel sei es ihm irgendwann geworden. Man wird ja nicht jünger. Und Sonnenstrahlen bedeuten für die meisten Menschen Freizeit, für Hans Kress bedeutete gutes Wetter immer Arbeit. "Ich habe das ja alles selbst gemacht. Wenn es schön war, stand ich da", sagt Kress.

Seine beiden mittlerweile erwachsenen Töchter, die beide studieren, halfen immer wieder mit. Doch den Sommer, sagt Kress, habe er nie richtig genießen können. "Ich will jetzt auch einfach mal an den Hahnenkammsee oder den Brombachsee fahren und mich vergnügen", sagt Kress. Und: "Man muss auch mal loslassen können. Man sollte nicht immer in der Vergangenheit leben."

Eine Arbeit will sich Hans Kress trotzdem wieder suchen. Eine allzu üppige Rente kann er nicht erwarten. "Irgendwas muss ich noch machen", sagt er. Was genau, das weiß er aber noch nicht. Bis April, wenn die Sommersaison am Kiosk für ihn wieder losgehen würde, will er sich Zeit nehmen und nachdenken. Den Rollladen am Küchenfenster in der Kiosk-Küche wird dann aber definitiv jemand anderes hochziehen.

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