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Treuchtlingen: Fitness statt Lebensmittel fürs Zentrum

Stadtrat stemmt sich erfolglos gegen endgültiges Aus für Lebensmittelmarkt in der Oettinger Straße - 16.07.2019 06:04 Uhr

Die Supermarkt-Pläne für Treuchtlingens Stadtmitte sind geplatzt: Der frühere Edeka-Markt (nach dem Vorläufer auch „Preisfux“ genannt) in der Oettinger Straße wird nun zum Fitnessstudio. © Patrick Shaw


Seit zwei Jahren steht der ehemalige Edeka, besser bekannt als früherer "Preisfux", in der Oettinger Straße leer. Im Februar scheiterten auch die letzten, langwierigen Verhandlungen mit der Discounter-Kette Penny. Nun steht fest, dass es vorerst keinen weiteren Anlauf geben wird, einen Lebensmittelmarkt in die Treuchtlinger Stadtmitte zu holen. Stattdessen kommt ein Fitnessstudio.

Dem Stadtrat schmeckt dieser Schritt gar nicht. Mit 14 zu sieben Stimmen sprach er sich gegen die Ansiedlung aus – mit wenig Aussichten auf Erfolg. "Wir müssen faktisch zustimmen, weil die Nutzungsänderung baurechtlich einwandfrei ist. Da gibt es keinen Ermessensspielraum", erklärte Bauamts-Mitarbeiterin Silke Schebitz. Außerdem sei es "nicht die Sache des Stadtrats zu entscheiden, ob es schon genug Fitnessstudios in Treuchtlingen gibt", wie es unter anderem Altbürgermeister Wolfgang Herrmann und Kristina Becker (beide CSU) zuvor kritisiert hatten (tatsächlich gibt es laut Google derzeit drei Studios im Stadtgebiet). Dass sich über dem ehemaligen Supermarkt bereits eine Physiotherapiepraxis befindet, spreche ebenfalls für eine sinnvolle Kombination.

"Jahrelang hingehalten"

Bürgermeister Werner Baum sprach von "langen, erfolglosen Verhandlungen mit dem Eigentümer", einer Münchner Immobilienfirma, die die Stadtverwaltung "jahrelang hingehalten" habe. Auch der Deal mit Penny war dem Vernehmen nach vor allem an den Forderungen des Vermieters gescheitert. Die Innenstadtbewohner hatten sich immer wieder für eine Neubelegung des Leerstands mit einem Lebensmittelmarkt stark gemacht.

Laut Schebitz soll nun der einstige Verkaufsraum zur Trainingsfläche werden, das ehemalige Lager soll als Umkleide und Solarium dienen. Ein spezielles Zutrittssystem soll dem Antragsteller zufolge dafür sorgen, dass die Besucherzahl auf maximal 100 Personen begrenzt wird. Nur weil dies nicht verlässlich garantierbar ist und das neue Fitnessstudio deshalb als "Sonderbau" gilt, musste der Stadtrat überhaupt über die Nutzungsänderung abstimmen – ansonsten wäre er gar nicht gehört worden.

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Nichtsdestotrotz sprachen sich Klaus Fackler (UFW) und Uwe Linss (CSU) für eine "symbolische Ablehnung" aus. "Der Stadtrat sollte im Sinn des Allgemeinwohls entscheiden und zumindest dokumentieren, dass er dort weiterhin einen Lebensmittelmarkt will", so Fackler.

Auch Kerstin Zischler (SPD) hätte zumindest "lieber ein hochwertiges Gesundheitsangebot wie Physiotherapie an dieser Stelle". Sie habe aber "immerhin die Hoffnung, dass die Fitnessstudio-Besucher auch etwas Leben in die Stadt und die benachbarten Geschäfte bringen". Den Stadtratsbeschluss, bei dem Ratsmitglieder quer durch alle Fraktionen gegen die Umnutzung stimmten, wird nun aller Wahrscheinlichkeit nach das Landratsamt "kassieren".

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