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Sparda-Bank will beim Geld ans Gemeinwohl denken

Beim Bilanzgespräch in der Treuchtlinger Filiale stellte der Vorstandschef die Ziele des Münchner Geldinstituts vor - 13.05.2019 06:05 Uhr

Der Vorsitzende der Münchner Sparda-Bank, Helmut Lind (links), hat beim Bilanzgespräch in der Treuchtlinger Filiale die Ziele des Geldinstituts erläutert. © Foto: Patrick Shaw


Dass die Sparda-Bank München in Treuchtlingen ein eigenes Bilanzgespräch abhält, hat Tradition, seit der Treuchtlinger Günter Grzega an ihrer Spitze stand. Neben den Geschäftszahlen des Kreditinstituts, das zudem als frühere "Bahner-Bank" mit der Eisenbahnstadt verbundenen ist, geht es dabei stets auch um Gesellschaftspolitik. Denn die Genossenschaftsbank hat sich das Gemeinwohl auf die Fahnen geschrieben – ein ungewöhnlicher Ansatz in Zeiten des entfesselten Kapitalmarkts. Natürlich ist immer ein bisschen Eigenwerbung dabei, aber was der Vorstandsvorsitzende Helmut Lind in der Treuchtlinger Sparda-Filiale zu sagen hatte, ging auch heuer weit darüber hinaus.

"Die Eindeutigkeit ist verlorengegangen", sagt Lind. In Zeiten dekonstruierter Rollenbilder, individualistischer Entfremdung, digitaler Überforderung und einer Ökologie an der Belastungsgrenze sei vielen Menschen die Eigenverantwortung abhanden gekommen. "Alle zeigen auf die anderen", so Lind. Und gerade die Wirtschaft habe "die Verantwortung, sich diesen Themen zu stellen".

Seit zehn Jahren ist die Sparda deshalb laut Lind ein "Pionier der Gemeinwohlökonomie". Was das bedeutet? Neben ihrer genossenschaftlichen Struktur zieht die Bank jährlich eine Gemeinwohl- und eine Umweltbilanz. Sie fördert intensiv gemeinnützige Projekte und investiert dem Vorstandsvorsitzenden zufolge nicht in Waffengeschäfte, Rohstoff-Spekulationen oder Geldanlagen, die mit Kinderarbeit oder anderen Formen von Ausbeutung einhergehen. Weil das natürlich jeder behaupten kann, lässt sich die Sparda nach den Prinzipien der Vereinten Nationen für verantwortliches Investieren (UNPRI) zertifizieren und legt im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern sämtliche Anlagen im Internet offen.

"Wir wollen ja Nachahmer finden", sagt Lind. "Wie sonst soll eine neue Welt entstehen?" Vor zehn Jahren sei diese durchaus politische Haltung in der Branche noch "als Spinnerei belächelt worden". Inzwischen sei die Gemeinwohlökonomie indes aus der vermeintlich "linken Ecke" in die Mitte der gesellschaftlichen Debatte gerückt und sogar Thema an internationalen Wirtschaftshochschulen. Selbst das nicht gerade als kapitalismuskritisch bekannte Weltwirtschaftsforum in Davos habe angemahnt, die "vierte industrielle Revolution" durch soziale und nachhaltige Innovationen stärker zur Förderung des Gemeinwohls zu nutzen.

Positive Kennzahlen

In den Geschäftszahlen der Sparda München schlagen sich diese Prinzipien trotz des Verzichts auf gemeinwohlschädliche Erträge positiv nieder. So verzeichnete die Gesamtbank 2018 mit knapp 8,25 Milliarden Euro eine um 7,8 Prozent höhere Bilanzsumme als im Vorjahr. Die Kundeneinlagen stiegen von 6,98 auf 7,54 Milliarden Euro, der Kreditbestand von 4,44 auf 4,64 Milliarden Euro. Die Mitgliederzahl der Genossenschaft legte um 7700 auf rund 307 500 zu, die Zahl der Girokonten um 8500 auf 309 200.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht der Sparda dennoch zu schaffen. "Die Kunden erwarten immer noch gute Anlagezinsen, wollen zugleich aber Kreditzinsen mit einer Null vor dem Komma", beobachtet Treuchtlingens Filialleiter Thomas Menhorn. Gleichzeitig seien die Betriebskosten nicht gesunken und die Eigenkapitalhinterlegung deutlich gestiegen.

"Das spüren Geschäftsbanken ganz anders als Großbanken", bemängelt Helmut Lind. "Wir wachsen zwar stärker als andere, haben aber Probleme, mit den Einlagen zu arbeiten." Entsprechend sank das Betriebsergebnis der Sparda München gegenüber 2017 von 41,6 auf 31,1 Millionen Euro (minus 25 Prozent), der Überschuss vor Steuern von 36 auf 31,1 Millionen Euro (minus 13,6 Prozent). Und diese Zahlen werden laut Lind "dieses Jahr weiter sinken". In Sachen Kundenzufriedenheit sieht Kundenmonitor Deutschland die Sparda-Banken dennoch zum 26. Mal in Folge auf Platz eins.

Die nördlichste der 45 Niederlassungen der Sparda München in der Treuchtlinger Hauptstraße hat sechs Mitarbeiter und rund 3500 Genossenschaftsmitglieder (plus 3,9 Prozent gegenüber 2017). Das Geschäftsvolumen stieg 2018 um 7,4 Prozent auf 81,8 Millionen, die Kundeneinlagen um 8,4 Prozent auf 52,5 Millionen, der Kreditbestand um 5,6 Prozent auf 29,3 Millionen und der Fondsbestand um 13,8 Prozent auf 4,1 Millionen Euro. Ein ordentliches Wachstum von 10,5 Prozent auf 5,7 Millionen Euro gab es bei den Baudarlehen, während die Privatkredite mit 1,05 Millionen Euro leicht zurückgingen.

Für die Zukunft setzt Filialleiter Menhorn verstärkt auf die Digitalisierung. Mehr als drei Viertel der Konten würden schon jetzt online geführt. Außerdem seien nachhaltige Geldanlagen im Kommen: "Es überrascht, wie viele Kunden schon jetzt von sich aus danach fragen".

Spenden für die Region

Eine stattliche Geldsumme lässt die Sparda nicht zuletzt durch Spenden und gemeinnützige Projekte in der Region. 3,3 Millionen Euro waren es 2018 im gesamten Einzugsgebiet, 35 000 Euro in Treuchtlingen und Umgebung. Davon profitierten unter anderem die evangelische Landjugend, der Burgverein, die Frühförderung Kinderhilfe oder die THW-Helfervereinigung. Außerdem bezahlt die Bank auch heuer wieder das Essen beim "Ehrenamtsabend" auf dem Treuchtlinger Volksfest, und für das Eisenbahn-Jubiläum am 29. September hatte Helmut Lind einen weiteren Scheck über 2500 Euro dabei.

Auf diese Weise sei die Sparda über die Jahre "von der Eisenbahner- zur Gemeinwohl-Bank geworden", meint der Vorstandsvorsitzende. Von der Chefetage bis zum Schalter hätten die Mitarbeiter verinnerlicht, "dass der selbstzerstörerische Neoliberalismus nicht funktioniert", so Linds Vorgänger Günter Grzega. 

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