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Polizei: Immer noch zu viele Unfälle in Treuchtlingen

Statistik weist zweithöchsten Wert in zehn Jahren aus - Mehr Schwerverletzte und Alkoholunfälle - 05.03.2019 06:04 Uhr

820 Verkehrsunfälle musste die Treuchtlinger Poli­zei vergangenes Jahr aufnehmen. Einer davon war diese Kollision im Juli 2018 bei Wettelsheim, bei der eine 81-jährige Ortsteilbewohnerin leicht verletzt wurde und rund 14.000 Euro Schaden entstanden. © TK-Archiv/Patrick Shaw


Mit insgesamt 820 Unfällen weist diese nach einem Negativrekord im Vorjahr (852) für 2018 immer noch den zweithöchsten Wert in den vergangenen zehn Jahren aus. Bei den Kleinunfällen erreicht sie mit 617 sogar eine neue Höchstzahl (plus vier gegenüber 2017). Hier spielt nicht zuletzt die mit 341 (minus 20) nach wie vor sehr hohe Zahl an Wildunfällen eine große Rolle, für deren neuerliche Häufigkeit in ganz Bayern laut Treuchtlingens Polizeichef Dieter Meyer „auch die Verkehrsunfallkommission keinen schlüssigen Erklärungsansatz liefern kann“.

Nach zwei Verkehrstoten im Vorjahr gab es 2018 im Gebiet der Treuchtlinger Polizei (das die Gemeinden Treuchtlingen, Pappenheim, Soln­hofen, Langenaltheim und Polsingen umfasst) erneut ein tödlich verunglücktes Unfallopfer zu beklagen. Anfang Dezember kollidierte auf der B 2 zwischen Dettenheim und Schambach ein 18-jähriger Fahranfänger in seinem Auto bei hoher Geschwindigkeit mit einem entgegenkommenden Lastwagen. Beide Fahrzeuge fingen Feuer. Der 26-jährige Kraftfahrer konnte sich noch selbst aus seinem zerstörten Führerhaus retten, während der junge Mann in seinem Wagen verbrannte.

Noch 75 weitere Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich im vergangenen Jahr (Vorjahr: 80), wobei 35 Beteiligte schwer verletzt wurden. Letzteres bedeutet eine enorme Steigerung um rund 60 Prozent gegenüber den 22 Schwerverletzten des Vorjahrs. Die Zahl der Leichtverletzten verringerte sich entsprechend von 76 auf 71.

Großes Leid hinter den nackten Unfallzahlen

„Bei allen nüchternen Zahlen sollte man sich immer wieder vor Augen führen, welches unermessliche Leid hinter jedem Toten oder Schwerverletzten steht“, mahnt Polizeichef Meyer. Schwerpunkt der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit müsse es deshalb stets sein, die Hauptunfallursachen zu bekämpfen. Dies sind laut Meyer in erster Linie überhöhte Geschwindigkeit, Fehler beim Abbiegen und Wenden, das Missachten von Vorfahrt und Rechtsfahrgebot, ungenügender Sicherheitsabstand sowie Alkohol und Drogen am Steuer.

„Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer gelegt werden“, so Meyer weiter. „Viele nutzen das Handy oder andere elektronische Geräte bei der Fahrt, werden abgelenkt, mit teils schrecklichen Folgen für sich und andere.“ Dem gelte es „mit allen rechtlichen Möglichkeiten gegenzusteuern“.

Hauptursache für Unfälle mit Toten oder Verletzten ist im Bereich der Treuchtlinger Polizei allerdings ebenso wie in ganz Deutschland zu schnelles Fahren. „Hier muss angesetzt werden, indem die Geschwindigkeitsmessungen weiter gesteigert und rund um die Uhr Kontrollen durchgeführt werden“, ist Dieter Meyer überzeugt. Denn jeder Kilometer pro Stunde, um den die Durchschnittsgeschwindigkeit gesenkt wird, reduziere laut einer Studie des European Transport und Safety Council die Unfallzahlen um vier Prozent. „Verkehrsüberwachung kann Menschenleben retten“, so Meyers Fazit. „Und jeder Einzelne trägt Verantwortung im Straßenverkehr.“

Die Treuchtlinger Unfallstatistik für das Jahr 2018 weist den zweithöchsten Gesamtwert in den vergangenen zehn Jahren aus. Schwerverletzte und Unfälle unter Alkoholeinfluss gab es sogar mehr als im Rekordjahr 2017, die meisten anderen Bereiche sind leicht rückläufig. © NN-Infografik


Der weitere Blick in die Treuchtlinger Statistik zeigt, dass die Zahl der „schwerwiegenden Unfälle“, die eine Geldbuße oder ein Strafverfahren nach sich ziehen, im vergangenen Jahr um 32 auf 127 gesunken ist. Die Polizei zählte 72 Unfallfluchten (Vorjahr: 100), von denen sie allerdings nur knapp 38 Prozent aufklären konnte (Vorjahr: 45 Prozent). „Unfallflucht, auch bei vermeintlich geringen Schäden, ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit aller Konsequenz verfolgt wird“, warnt Polizeichef Meyer. Allerdings seien Fluchten, bei denen der Schaden erst später an einem anderen Ort bemerkt wird, oft kaum noch zu klären.

Auf einem Zehn-Jahres-Hoch befindet sich die Zahl der übrigen „Klein- und Bagatellunfälle“ einschließlich der zahlreichen Wildunfälle (55 Prozent der Kleinunfälle). Um bei letzteren die Gründe für den enormen Anstieg zu erkennen, müsse die Polizei „dieses Unfallsegment weiterhin beobachten“, so Meyer. Derzeit stünden in Sachen Wildunfälle „auch die Fachverbände vor einem Rätsel“.

Überhöhtes Tempo war vergangenes Jahr in Treuchtlingen in 39 Fällen Unfallursache (Vorjahr: 54). Dabei wurden 28 Menschen verletzt (Vorjahr: 26) und einer getötet (Vorjahr: zwei). Um diese Zahlen zu senken, führte die Treuchtlinger Polizei 2018 in ihrem Bereich 245 Geschwindigkeitsmessungen mit dem Handlaser durch. Die Folge waren 178 Bußgeldanzeigen und 93 Verwarnungen. Ausländische Fahrzeugführer waren in 18 Fällen betroffen, 35 Fahrer erhielten ein befristetes Fahrverbot. Weitere 244 Verkehrsteilnehmer wurden mit dem Mobiltelefon am Steuer erwischt, 89 hatten den Sicherheitsgurt nicht angelegt.

Alkohol am Steuer: Kontrolldruck reicht nicht

Unter Alkoholeinfluss standen vergangenes Jahr zehn Unfallbeteiligte (Vorjahr: vier), acht Personen wurden dabei verletzt (Vorjahr: zwei). Dem gegenüber standen nur 30 Trunkenheitsfahrten, die die Polizei entdeckte und unterband (Vorjahr: 33), wodurch sie den angestrebten „Verfolgungsindex“ von einem Unfall pro fünf aufgedeckten und folgenlosen Trunkenheitsfahrten weit verfehlte. In weiteren 15 Fällen erwischten die Beamten Verkehrsteilnehmer, die unter Drogen am Steuer saßen. Alle Zahlen in diesem Bereich sprechen laut Dieter Meyer dafür, „dass es dringend notwendig ist, den Druck (...) durch Kontrollen weiter zu verstärken“.

Ganz besonders achtet die Treuchtlinger Polizei bei ihrer Arbeit nach eigener Aussage nicht zuletzt auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer, die Kinder. Bei drei Unfällen im Inspektionsgebiet (Vorjahr: fünf) wurden hier vergangenes Jahr sechs Kinder verletzt (Vorjahr: vier). Dies lag insbesondere an einem Schulwegunfall, bei dem vier Schüler in einem Bus verletzt wurden. Dennoch freut sich die Polizei in diesem Bereich seit Jahren über ein sehr niedriges Niveau, zu dem unter anderem die intensive Aufklärungsarbeit an Kindergärten, die Radfahrausbildung an der Grundschule sowie „der unermüdliche, ehrenamtliche Einsatz der Schulweghelfer“ beitrügen.

Spürbaren Einfluss auf das Unfallgeschehen hat laut Statistik auch das Fahrverhalten junger Erwachsener zwischen 18 und 24 Jahren. 64 solche Fahranfänger waren vergangenes Jahr im Treuchtlinger Einzugsbereich an Unfällen beteiligt, davon 41 als Verursacher (Vorjahr: 46). 20 junge Erwachsene wurden verletzt (Vorjahr: 18), einer getötet. Im Vergleich dazu waren Senioren ab 65 Jahren an 40 Unfällen beteiligt, von denen die 27 selbst verursachten (Vorjahr: 31) und bei denen 25 Menschen verletzt wurden (Vorjahr: 30).

Weniger Motorrad-, aber mehr Fahrradunfälle

Die Zahl der Motorradunfälle sank im Bereich der Treuchtlinger Polizei entgegen dem mittelfränkischen und bayerischen Trend im Vergleich der Jahre 2017 und 2018 von 14 auf 13, die der verletzten Kradfahrer von zehn auf neun. Fahrradfahrer waren dagegen 19 Mal an Verkehrsunfällen beteiligt, davon 16 mit Verletzten (Vorjahr: elf Unfälle mit acht Verletzten).

Unter dem Strich lassen sich aus der aktuellen Statistik laut Polizeichef Meyer „keine signifikanten Unfallschwerpunkte erkennen“. Dennoch bestehe in Sachen Verkehrssicherheit weiterer Handlungsbedarf, sodass „die Sicherheit des Straßenverkehrs auch im Jahr 2019 einer der polizeilichen Schwerpunkte sein wird“. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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