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Möhren: Umweltschutz im eigenen Garten

Treuchtlinger Ortsteilbewohnerin opfert ihr Gewächshaus für Bienen - 17.06.2019 06:02 Uhr

Maria Filetti aus Möhren kämpfte vor einigen Jahren für den Uhu. In ihrem Garten soll künftig eine Blühfläche für Insekten entstehen – dafür hat sie sogar ihr Gewächshaus geopfert. © Foto: Micha Schneider


Fanpost ist selten. Zumindest wenn man nicht gerade Justin Bieber oder Helene Fischer heißt. Maria Filetti aus Möhren ist kein Popstar, aber es gab Zeiten Anfang des Jahrtausends, da landete auch in ihrem Briefkasten so etwas ähnliches wie Fanpost. "Uhu-Mama, wir lieben dich", stand dort kurz und knackig auf einer Postkarte geschrieben. Und Fanpost für Filetti landete kürzlich auch im Briefkasten des Treuchtlinger Kuriers, von einem Nachbarn, der in seinem Schreiben lobend darauf hinweist, dass Filetti ihr Gewächshaus geopfert und eine Blühwiese angelegt habe, die den Anforderungen des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) entspricht.

Beide Fanbriefe hatten also mit ihrem Engagement für den Umwelt- und Artenschutz zu tun. Mit ihrem Kampf für den Uhu hatte Filetti vor 17 Jahren für jede Menge Wirbel in der Ortschaft gesorgt und es sogar in die Nürnberger Abendzeitung geschafft. "Endlich Ruhe. Brütender Uhu legt lärmenden Steinbruch lahm", stand dort in dicken Buchstaben geschrieben.

Der Aufreger damals? Das mobile Schotterwerk, das in Möhren entstehen und wo jede Menge Berg abgetragen werden sollte. "Das kam mir spanisch vor. Ich wusste ja, dass dort Uhus brüten", sagt die Möhrenerin.

Filetti ließ nicht locker, denn die Uhus hatten durch die Sprengungen in unmittelbarer Nähe tatsächlich ziemlich zu leiden. Vereinzelt wurden tote Tiere aufgefunden. Für Filetti ging das alles viel zu weit. Sie legte sich mit dem Betreiber an, ging gerichtlich gegen ihn vor, das Verfahren ging über Jahre, bis in die Revision. Dann gab der Betreiber schlussendlich entnervt auf und der Steinbruch wurde lahmgelegt.

Zunächst Einzelkämpferin

"Am Anfang ist man allein, aber dann kommen immer mehr dazu", sagt Maria Filetti. Nicht nur bei der Uhu-Geschichte sei das so gewesen, für sie ist das ohnehin Vergangenheit. Vielmehr geht es ihr damit ganz grundsätzlich um das Thema Umwelt- und Artenschutz. Es gehe darum, viele Menschen zu mobilisieren. Mehrere Menschen könnten mehr bewegen als ein Einzelner, der alleine auf weiter Flur ist. Gerade beim Volksbegehren für die Artenschutz konnte man das beobachten. Denn ändern müsse sich laut Filetti definitiv etwas.

"Wenn ich sehe, wie heute mit der Natur umgegangen wird, dann ist das verheerend", sagt sie. Die eigenen Autos würden gehegt, gepflegt und poliert, aber für den Umweltschutz würde viel zu wenig gemacht. Alles werde in Plastikverpackungen gepackt, die in den Weltmeeren landen und diese verschmutzen würden. "Man macht sich als Einzelner darüber einfach zu wenig Gedanken", sagt Filetti.

Die Möhrenerin will deshalb zumindest auch einen kleinen Beitrag leisten und wandelt die Fläche, auf der in ihrem Garten bislang ein Gewächshaus stand, kurzerhand in eine Blühfläche um. Das Nahrungsangebot für blütensuchende Insekten wird immer knapper. Artenreiche Blühflächen bieten einen vielfältigen Lebensraum. "Ich lebe alleine. Für was brauche ich ein Gewächshaus?", sagt sie und ergänzt: "Ich hatte das ohnehin schon länger vor, das mal zu machen.

Von der Uhu-Mama zur Bienen-Mama also – es ist zumindest ein deutlich geräuschloserer Beitrag zum Artenschutz als damals. Fanpost von Bienenliebhabern wird es dieses Mal deshalb wohl eher keine geben.  

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