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Kanus auf der Altmühl: Verbote könnten schaden

Treuchtlinger Professor setzt auf geordnete Zulassung und Aufklärung der Menschen - 28.06.2019 05:57 Uhr

Vor allem im Sommer sind wieder viele Freizeitsportler mit Kanus auf der Altmühl unterwegs. Für die Tier- und Pflanzenwelt kann das zum Problem werden – vor allem, wenn die Sportler die Regeln nicht kennen. © Foto: WT-Archiv


Der Sommer ist auch wieder die Zeit der Wassersportler, auch an den bayerischen Flüssen. Doch immer wieder tobt der Streit mit Naturschützern und Fischereivereinen, denen zu viel Kanuverkehr und das Verhalten mancher Zeitgenossen ein Dorn im Auge ist. "Naturschutzbedingte Verbote für Kanu- und SUP-Anbieter schaden der Umwelt mehr, als dass sie ihr nützen", dieser Meinung ist zumindest Manuel Sand vom Adventure-Campus Treuchtlingen, der selbst begeisterter Stand-Up Paddler ist.

Speziell die Hürden für kommerzielle Anbieter und die erwarteten Auswirkungen der Preisentwicklung für Stand-Up Paddle Boards (SUP) bereiten ihm Sorge. Viele Kommunen und Gemeinden im Land verbieten derzeit den kommerziellen Verleih von SUPs und Kajaks, doch der Schuss könnte nach hinten losgehen.

Sport sei nicht per se schädlich für die Natur, es komme dabei sehr auf das Verhalten und den Wissensstand, insbesondere auch auf den Könnensstand der Sportler an. "Wer die Natur zu schätzen weiß, setzt sich auch vermehrt für deren Erhalt ein", lautet die These Sands. Immer mehr Outdoorsportler wollen zudem etwas gegen die Umweltverschmutzung tun und reinigen Flüsse oder Seen. Auch die Sportartikelindustrie denkt zunehmend um und verwendet kompostierbare Stoffe oder recycelt altes Plastik zur Herstellung von Jacken. "Es gibt viele positive Beispiele, doch letztendlich hängt es immer vom Verhalten einzelner Individuen ab", sagt Sand, "Verbote helfen dabei weniger, wichtig ist eine sinnhafte Aufklärung über das Wieso und Warum."

Die wachsende Beliebtheit des Wassersports bringe unweigerlich Risiken für die Natur mit sich. So können Tiere aufgescheucht werden, Müll ins Wasser gelangen, sensible Uferzonen gestört oder Laichplätze von Fischen zerstört werden. Problematisch sind dabei oftmals die Masse an Paddlern und das Befahren von schmalen und seichten Flüssen und Bächen.

Vielerorts werden derzeit Gutachten zur Umweltgefährdung erstellt und Anbietern ist es bis auf Weiteres untersagt Boote und Bretter zu vermieten oder Touren anzubieten. "Ein Schritt in die falsche Richtung", sagt Sand. Es sei sehr wichtig, Reglementierung zu prüfen, Gutachten durchzuführen und Besucherströme zu lenken und zu verteilen, doch ein generelles Verbot für gewerbliche Anbieter kann leicht nach hinten losgehen. Zum einen ist es schwer dies durchzusetzen und zu kontrollieren und zum anderen betrifft es derzeit meist nur gewerbliche Anbieter, nicht aber private Paddler.

Schulung durch Anbieter ist wichtig

SUP ist eine Trendsportart, die in den letzten Jahren rasant gewachsen ist. Sie ist einfach zu erlernen, vielerorts durchführbar und hat ein junges und hippes Image. Und auch die Preise für die Bretter sinken immer mehr, für 200 Euro sind sie schon zu bekommen. Genau darin liegt das Problem, meint Sand.

Denn die offiziellen SUP-Anbieter und Verleihstationen verfügen in der Regel über einen geeigneten Ein- und Ausstieg, klären ihre Kunden über entsprechende Verhaltensweisen auf, halten den Fluss sauber und führen organisierte Touren durch, auf welchen richtiges Verhalten gezeigt und vorgelebt wird. Doch durch aufkommende Verbote ist nicht nur die Existenz der Anbieter bedroht, dadurch kann auch das Gegenteil erreicht werden.

Wenn keine SUPs mehr zum Verleih stehen und die Bretter immer günstiger zu haben sind, werden sich immer mehr Leute ein Brett kaufen und auf eigene Faust lospaddeln. Dadurch wird nicht nur immer mehr Plastik produziert, es kommen immer mehr Bretter auf die Flüsse und Seen, mit Paddler, die noch keinen sicheren und naturschonenden Umgang mit dem Brett erlernt haben und somit eine Gefahr für sich und ihre Umwelt darstellen.

Bilderstrecke zum Thema

Die Altmühl - vom monotonen Kanal zum renaturierten Fluss

Spektakuläre Bilder von damals und heute zeigen, wie die Altmühl vor 100 Jahren radikal begradigt und in ein monotones Kanalbett gezwängt wurde - und wie man sie nun wieder renaturiert hat.


Doch wie kann man sich nun auf dem Wasser verhalten, um möglichst wenig in die Natur einzugreifen? Zunächst sollte man sich über Regelungen und Besonderheiten des Gewässers informieren, so Sand. Zudem sollte man nur die offiziellen Ein- und Ausstiegsstellen nutzen, sensible Uferbereiche meiden, sich von Tieren fernhalten, in der Mitte des Flusses paddeln, Kiesbänke und Seitenarme meiden und nicht unnötig Lärm verursachen. Natürlich sollte man Müll wieder mitnehmen und möglichst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Das Paddeln auf Seen ist etwas unproblematischer als auf Flüssen, da diese meist tiefer sind und mehr Abstand vom Ufer eingehalten werden kann. Generell sollte man sich aktiv mit der Natur auseinandersetzen und verstehen warum man diese Regeln anwenden sollte.

Um langfristige Lösungen zu erarbeiten, ist ein Austausch aller Beteiligter auf Augenhöhe zielführend. "Im Landkreis haben wir zusammen mit dem Bund Naturschutz einen runden Tisch mit Vertretern aus verschiedenen Bereichen eingeführt, bei dem wir aktuelle Entwicklungen konstruktiv diskutieren und an gemeinsamen Lösungen arbeiten", berichtet Sand.

SUP-Anbieter sollten zertifiziert werden und auf umweltschonendes Verhalten aufmerksam machen. Gute Verleihstellen sind vor Ort, kennen die Szene und können regulierend einwirken. Die Branche sollte die Naturschutzaspekte stärker in den Fokus rücken, so dass die Gewässer als Sport- und Naherholungsgebiete genutzt werden können.

Zum Thema: Nur mit amtlichem Kennzeichen erlaubt

Vor zwei Jahren forderten die Angler der Region zum Schutz bestimmter Fischarten Einschränkungen für Kanufahrer auf der Altmühl. Die Besorgnis bei Touristikern, Freizeitsportlern und Bootsvermietern war groß, sind die Paddeltouren auf Bayerns langsamstem Fluss doch ein beliebtes Freizeitvergnügen.

In einer Besprechung mit Vertretern der Landkreise Eichstätt und Weißenburg-Gunzenhausen sowie der Wasserwirtschaftsämter wurde vergangenes Jahr das weitere Vorgehen abgestimmt. Alle Boote der Anbieter, die bereits zugelassen und mit einer schifffahrtsrechtlichen Genehmigung von den zuständigen Landratsämtern ausgestattet sind, dürfen auch weiterhin fahren. Die Landratsämter erteilen nur dann eine neue Genehmigung, wenn eine alte zurückgegeben wird. 

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