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Hahnenkamm-Schüler sind wieder im Klassenzimmer

Regeln und Zusammenhalt: Wie Heidenheims und Döckingens Kinder in den Präsenzunterricht zurückfinden - 02.07.2020 06:04 Uhr

Alexander und Lea aus der Hahnenkammschule sind froh, wieder richtigen Unterricht zu haben – natürlich unter Wahrung der Corona-Regeln.

© Jürgen Leykamm


Bis zu den Ferien heißt es aber erst einmal weiter: Es gibt zwar wieder Präsenzunterricht, aber nur in geteilten Klassen und unter Einhaltung der Corona-Regeln. Wie die genau aussehen, hat Kirchmeier mit ihren Neuntklässlern erarbeitet – waren sie doch die ersten der insgesamt 280 Grund- und Mittelschüler der Hahnenkammschule, die nach den langen Wochen des "Homeschooling" wieder kommen durften. "Wir haben darauf verzichtet, jeden einzelnen Bereich genau zu reglementieren", erklärt die Konrektorin.

Denn dann wäre wohl ein Schnellhefter schnell voll geworden. "So aber passt unser Konzept auf eine Seite", so Kirchmeier. Und es umfasst gerade einmal zehn Punkte. In der knapp gehaltenen Form sind die Corona-Vorgaben gut umzusetzen, das kommt vor allem bei den jüngeren Schülern gut an. "Kinder lieben klare Regeln und halten sich auch sehr gut daran", wissen die beiden Chefinnen aus Erfahrung.

"Ich freue mich schon sehr, endlich wieder in die Schule gehen zu können", atmet beispielsweise Zainab auf. "Da lernt es sich einfach leichter", sagt die Drittklässlerin, die später einmal Kinderärztin werden will. Alexander darf nun ebenfalls wieder seine zweite Klasse besuchen – eine Erleichterung auch für die Eltern, für die das Organisieren des Heimunterrichts eine Herausforderung war.

Toben ja, aber mit Maske

Sechstklässlerin Lea besucht zudem die Mittagsbetreuung, in der sie auch das Toben über den Pausenhof genießt. Dabei heißt es stets: Maske auf! "Nur bei ganz schnellen Bewegungen darf sie abgenommen werden", erläutert Rektorin Silvia Feld. Das soll möglichen gesundheitlichen Problemen beim Einatmen vorbeugen. "Mir ist schon mal schwindelig geworden", erzählt Lea.

Die obligatorischen Plexiglasscheiben finden sich auch in der Hahnenkammschule. Hier trennen sie Rektorin Silvia Feld (links) und Konrektorin Michaela Kirchmeier.

© Jürgen Leykamm


Dass sie die Hälfte ihrer Klassenkameraden immer noch nicht treffen dürfen, ärgert Zainab, Alexander und Lea schon ein bisschen. Belastend sei außerdem, dass die Pandemie – notgedrungen – im Schulalltag "Thema Nummer eins ist".

Und dann gibt es da auch noch ein paar Ungereimtheiten, die auch Schulleiterin Feld und Stellvertreterin Kirchmeier nicht ganz nachvollziehen können. Denn während man im Schulleben penibel auf die Einhaltung der Mindestabstände achte und die Schüler an den Tischen allein sitzen müssen, scheine beispielsweise das Abstandwahren im Bus kein Thema zu sein. Bis auf die Maskenpflicht, die sehr wohl befolgt werde, sei "eigentlich alles wieder wie vorher", hat es für Rektorin und Konrektorin den Anschein.

Schulfamilie steht zusammen

Ein großes Lob der beiden geht an den Hausmeister und das Putzteam, die täglich den potenziellen Keimen und Viren zu Leibe rücken. Die Schüler sind aber ebenso gefragt: "Im Computerraum desinfizieren sie alles selbst", erklärt Feld. Um die Herausforderungen der Krise zu stemmen, müsse "die ganze Schulfamilie zusammenhalten".

Was den Unterricht angeht, ist derzeit freilich fast nichts davon möglich, was Schule eigentlich ausmacht. Die lebendige Interaktion mit den Schülern sei doch stark eingeschränkt, bedauert Kirchmeier. Ganz zu schweigen von den großen Aktionen: Sportfest, Abschlussfahrt, Schullandheim, Kinotag, Bauernhofbesuch: "Da könnten wir jetzt eine lange Liste erstellen und sie dann komplett rot durchstreichen."

Eine feierliche Zeugnisübergabe dürfte immerhin möglich sein. Aber wer weiß das schon so genau in Zeiten sich ständig ändernder Pandemie-Bestimmungen. Oft seien in den vergangenen Monaten am Freitagnachmittag Änderungen ins Haus geflattert, "die wir dann schon am Montag umsetzen sollten", so die Konrektorin. Bis zu fünf Meldungen seien täglich aus dem Kultusministerium gekommen. "Wir haben einen ganzen Ordner voll davon."

"In die Digitalisierung geworfen"

Nicht vergessen werden durfte und bei all dem Organisatorischen das Vermitteln des Stoffes, das gerade in der Phase des Heimunterrichts den Lehrern viel abverlangte. Das reichte von Videokonferenzen über Erklärvideos bis hin zum Versorgen der Schüler mit Lernstoff und Aufgaben. Man sei förmlich "in die Digitalisierung hineingeworfen worden", blickt Kirchmeier zurück. Da sei Corona "ein heilsamer Schock gewesen". Das wichtigste aber war der Konrektorin zufolge: "Kontakt halten!" Die Lehrer seien für ihre Schützlinge und deren Eltern "rund um die Uhr und sieben Tage die Woche Ansprechpartner gewesen."

So habe sich zum Beispiel eine Schülerin einer Abschlussklasse lange beim Arbeiten mit dem Smartphone abgequält, bis sich schließlich ein alter Laptop für sie fand. Ganz analog wurden gleichzeitig Arbeitsblätter per Päckchen hin und her geschickt. Zum Ende der langen Auszeit hin habe die Motivation aber auch bei den Schülern merklich nachgelassen, erinnert sich Kirchmeier. "Ich sitze hier traurig vor dem Schreibtisch. Haben Sie nicht etwas für mich?", so die Rückmeldung eines Schülers. Viele, die sich zuvor schon schwertaten, im Schulalltag anzukommen, seien da wieder zurückgefallen: "Da hat sich leider die Schere weiter geöffnet."

Nun heiße es, wie Sisyphus wieder neu anzufangen, blicken die beiden Schulleiterinnen voraus. Aber zu besseren Bedingungen, denn "die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist in den letzten Wochen sehr stark gewachsen", berichtet Feld. Und ein Gutes hat die Corona-Zeit für manchen Schüler immerhin gebracht: Sitzenbleiben kann in diesem Schuljahr keiner – nur freiwillig die Klasse wiederholen.

Jürgen Leykamm E-Mail

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