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Dienstag, 25.06.2019

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Feldgeschworene betonen Schutz des Eigentums

Ehrenamtler konnten bei Versammlung viele neue Freiwillige vorstellen - 08.05.2019 11:57 Uhr

Schauen nach, ob alle Grenzsteine noch am richtigen Platz stehen: Die Feldgeschworenen. © Benjamin Huck


Die Grenzen zu hüten und das Eigentum zu schützen – so lauten die zwei Hauptaufgaben der sogenannten Siebener. Ersteres ist angeblich in Bezug auf das Staatsgebiet nicht möglich, und letzteres scheint eine immer dringendere Angelegenheit zu werden. So klang es zumindest beim Jahrestag der Feldgeschworenenvereinigung Weißenburg und Umgebung in der Treuchtlinger Stadthalle.

Wie wichtig Grenzziehungen grundsätzlich seien, werde bereits in der Bibel klar. Das verdeutlichte Pfarrer Bastian Müller zu Beginn beim Gottesdienst, den der Bezirksposaunenchor des evangelischen Dekanats Pappenheim begleitete. Erst als Abraham und sein Neffe Lot ihre Schafweiden deutlich abgegrenzt hatten, habe der Zwist der beiden Hirten geendet.

Der Beiname "Siebener" leitet sich von der Zahl der Feldgeschworenen ab, die je Ort als Grenzhüter fungieren. Ein Sollwert, der aber unterschritten werden kann. Früher waren es auch mal nur vier, wie Treuchtlingens Bürgermeister Werner Baum erläuterte und sich dabei auf die "Thüngensche Dorfordnung" aus dem Jahr 1596 berief.

Entstanden ist eines der ältesten kommunalen Ehrenämter vor über 800 Jahren in Franken, wo es noch heute von großer Bedeutung ist. Im Süden Bayerns habe es diesen Status nie erlangt, so der Rathauschef.

Aus fränkischen Landen sind die Siebener jedoch nicht wegzudenken. In Kooperation mit dem Vermessungsamt wirken sie bei der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen und Flurstücken mit, setzen Grenzsteine höher oder tiefer und ersetzen beschädigte Vermessungspunkte. Durch ihre Ortskenntnis seien "die Wächter des Friedens auch im digitalen Zeitalter unersetzlich", so Baum.

Konflikte vor Ort lösen

Insgesamt gibt es im Freistaat derzeit um die 25 000 Feldgeschworene. Ein großes Potenzial, mit dem sich "Konflikte vor Ort lösen lassen", lobte der Landtagsabgeordnete Manuel Westphal. Er war es auch, der den Fokus auf den Schutz des Eigentums lenkte, der im Grundgesetz verankert sei. Dem gelte es wieder mehr Beachtung zu schenken – gerade vor dem Hintergrund von Aussagen wie der des Juso-Bundeschefs Kevin Kühnert. Sollte dessen "Hirngespinst" der Verstaatlichung von Konzernen Wirklichkeit werden, sei es von dort kein großer Schritt mehr hin zu "privater Enteignung", so Westphal.

Auch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hält Westphal in dieser Hinsicht für nicht ganz unproblematisch. Ihm werde deshalb nun ein Begleitgesetz zur Seite gestellt, das den Schutz des Eigentums der Landwirte sicherstellen solle. Zustimmen könne man da erst, wenn dies tatsächlich so verbrieft sei.

Nach diesen grundsätzlichen Beiträgen kehrte Marc Bos gedanklich wieder zu den Siebenern vor Ort zurück – allerdings mit gleichem Bezug: Mit der täglichen Sicherung des Grundeigentums seien sie "ein leuchtendes Vorbild demokratischen Bürgersinns", so der Leiter der Weißenburger Außenstelle des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Schwabach. Allein in seinem Verantwortungsbereich hätten die Siebener vergangenes Jahr bei 343 Grundstücksvermessungen und über 3000 Abmarkungen ihren Teil zu einer gelingenden Zusammenarbeit beigetragen.

Bilderstrecke zum Thema

Treuchtlingen: Unterwegs mit den Hütern der Grenze

Immer am ersten Montag im November treffen sich die Treuchtlinger Feldgeschworenen zu einem Rundgang entlang der Gemarkungsgrenze.


Ebenso würdigte Bos die Rolle der Feldgeschworenen als Bindeglied zwischen Behörde und Bürgern, was für ein gesundes Vertrauensverhältnis zum Staat sorge. Entsprechend groß müsse das Vertrauen der Menschen in die Grenzhüter sein, seien sie doch die einzigen, die die korrekte Lage von Grenzsteinen eindeutig beweisen können. Dafür sorgt das sogenannte Siebener-Geheimnis, das in Zeichen besteht, die nur diese richtig deuten können.

Auf ihr Wissen und Können sollten sich die Feldgeschworenen auch weiterhin verlassen, so Bos. Denn die Satelliten-Positionierungsgeräte der Kommunen seien ausdrücklich nicht für das Überprüfen von Grenzzeichen geeignet. Erleichtert dürften die Siebener indes darüber sein, dass sie seit Dezember 2018 wieder mit Traktoren samt grünen Kennzeichen kraftfahrzeugsteuerbefreit ihrem Ehrenamt nachgehen dürfen.

Seinen Abschiedsbesuch stattete den Feldgeschworenen in Treuchtlingen Hermann Ortner ab. Der Vorsitzende der Vereinigung Gunzenhausen-Heidenheim will bei der anstehenden Neuwahl nicht mehr für den Posten kandidieren.

Viele Neuzugänge und Geehrte

Dass das Siebener-Amt für den gesamten Landkreis wichtig sei, betonte in seinem Grußwort Landratsstellvertreter Robert Westphal. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Weißenburger Vereinigung, Johann Schmidtlein, zeichnete er zahlreiche Mitglieder für ihr langjähriges, verdienstvolles Wirken aus.

Bis zu 60 Jahre sind die in Treuchtlingen geehrten Hüter der Grenzen schon in diesem Ehrenamt tätig. © Foto: Jürgen Leykamm


Seit 60 Jahren Feldgeschworene sind Friedrich Betz (Eßlingen), Ludwig Dengler (Gersdorf) und Friedrich König (Weißenburg). Werner Hüttinger (Ochsenhart), Friedrich Kühnlein (Schambach), Friedrich Link (Hörlbach), Karl Pöverlein (Weiboldshausen), Josef Regnath (Möhren), Friedrich Schabdach (Rehlingen) und Willi Schmidt (Bergen) sind seit jeweils 40 Jahren dabei. Auf 25 Jahre als Grenzhüter bringen es schließlich Maximilian Bauernfeind (Biburg), Frieder Gagsteiger und Willi Posch (beide Weißenburg), Erwin Katheder (Bubenheim), Karl Kipfmüller (Geislohe), Werner Lang (Reuth unter Neuhaus), Werner Müller und Georg Schmauser (beide Gersdorf) sowie Konrad Peter (Mischelbach).

Zahlreiche neue Siebener wurden in den Reihen der Feldgeschworenen willkommen geheißen. © Foto: Jürgen Leykamm


Eine beachtliche Riege von Neuzugängen gab es ebenso zu verzeichnen. Sie wurden mit Handschlag und Überreichung der Satzung willkommen geheißen. Neue Siebener sind Mario Bergdolt, Werner Boscher und Stefan Karg (alle Schambach), Matthias Gruber (Walkerszell), Roland Linsenmeier (Alesheim), Werner Luff (Holzingen), Markus Mühlöder (Hattenhof), Markus Muskat und Heinz Popp (beide Massenbach), Georg Niederlöhner (Thalmannsfeld), Jürgen Reißinger (Störzelbach), Matthias Schmidt (Bieswang), Raimund Schmidtkonz (Rehlingen), Gerhard Steingärtner (Weißenburg) sowie Florian Stretz (Hörlbach). 

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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