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Dettenheim: Erneut Unruhe beim Tierschutzverein

Neuer Vorstand streicht wegen Querelen über Reformen und Finanzen nach einem Jahr die Segel - 07.05.2019 06:04 Uhr

Mit einem Personalwechsel an der Spitze und einem großen Tag der offenen Tür (unser Bild) war dem Tierschutzverein Weißenburg-Treuchtlingen im vergangenen Jahr ein Neustart gelungen. Die Aufbruchstimmung war aber offenbar nicht von langer Dauer. © TK-Archiv / Patrick Shaw


Die frühere Vorsitzende des Tierschutzvereins Weißenburg-Treuchtlingen wurde 2017 des Amtes enthoben, weil sie Geld im unteren fünfstelligen Euro-Bereich in die eigene Tasche gesteckt haben soll. In dem anonymen Brief, der dem Treuchtlinger Kurier vorliegt, kommt der Verein nun erneut nicht gut weg.

Dabei hatte er sich zuletzt unter dem neuen Vorsitzenden Mark Hillardt und dessen Stellvertreterin, der Tierärztin Dr. Carolin Herzmoneit, wieder ein positives Image erarbeitet, unter anderem mit einem Tag der offenen Tür im Juni 2018. Doch Hillardt und Herzmoneit sind nun zurückgetreten, Ende März übernahm Kerstin Dörner den zweiten Vorsitz. Der Chefposten ist vorerst vakant.

Was ist passiert? "Es gab einfach total viele Streitereien in letzter Zeit", sagt Herzmoneit. "Man hat sich über Lappalien gestritten, es ging ziemlich hoch her." Auseinandersetzungen gab es offenbar zum Beispiel über Hygienemaßnahmen und Tiere, die der Verein angeblich ohne Gesundheitszeugnis abgegeben habe. Auch kranke Tiere würden vermittelt und die Interessenten nicht informiert, heißt es.

An gesunden Tieren interessiert

"Ich bin natürlich an einem gesunden Bestand interessiert", betont Herzmoneit. "Aber irgendwer beschwert sich immer. Deshalb war es meine Idee, Gesundheitszeugnisse einzuführen, weil ich am Ende den Kopf hinhalten muss." Ihr Ziel sei es gewesen, dass die späteren Besitzer auch über chronische Beschwerden der Tiere informiert sind und wissen, was auf sie zukommt.

In dem anonymen Brandbrief heißt es indes: "Mitarbeiter maßen sich an, gewisse Aufgaben zu verweigern, Hygienemaßnahmen werden nicht eingehalten." Herzmoneit relativiert das etwas, bestätigt aber den Grundton. Ihre Anweisungen seien letztlich zwar durchgeführt worden, aber eher widerwillig. Am Ende sei das Klima ziemlich vergiftet gewesen. "Das war furchtbar", sagt die Tierärztin, die eine eigene Praxis in Wettelsheim unterhält.

Streit gab es offenbar auch um ein zweites Vereinsauto, das aus Kostengründen schon länger auf dem Prüfstand steht. "Wir sind ein Verein, da muss man sparen", sagt Herzmoneit. Die eine Hälfte der Mitglieder sei dafür gewesen, den Wagen zu behalten, die andere dagegen.

Unnötige Kosten für Zweitauto?

Dem Schreiben des anonymen Insiders zufolge soll eine Mitarbeiterin des Vereins auch regelmäßig Privatfahrten mit dem Dienstauto unternommen haben. "Darüber weiß ich nichts", sagt Carolin Herzmoneit. Die Benzinkosten seien jedenfalls zurückgegangen, seit die ehemalige Vorsitzende nicht mehr im Amt ist. Dies sei zuletzt erst thematisiert worden.

Ein noch amtierendes Vorstandsmitglied, das ungenannt bleiben möchte, bestätigt, dass "keine größeren Privatfahrten mit dem Auto unternommen werden". Die Mitarbeiter brauchen den Wagen ihr zufolge für den Fundtier-Bereitschaftsdienst sowie für Fahrten zum Tierarzt und von Dettenheim nach Weißenburg, wo die vom Verein betreuten Hunde untergebracht sind. Dass sie dabei bisweilen noch einen Abstecher zum Supermarkt machen, sei freilich nicht auszuschließen.

Das zweite Vereinsauto stehe dagegen tatsächlich ungenutzt herum, weil der Verein aktuell keinen Bundesfreiwilligendienst-Leistenden habe, der es früher oft genutzt habe. Ob es künftig noch gebraucht wird, werde geprüft – immerhin sei der neue Tierarzt nun auch vor Ort in Dettenheim.

"Verschiedene Auffassungen"

Die Querelen hat das Vorstandsmitglied ähnlich erlebt – insbesondere seit dem Tag der offenen Tür. Allerdings habe es zum Beispiel durchaus eine Hygieneschulung gegeben – wenn auch "mit verschiedenen Auffassungen über die praktische Umsetzung". Man bedauere, dass Hillardt und Herzmoneit nun "getrennte Wege gehen", in jedem Verein "menschele" es aber eben auch.

Der Tierschutzverein finanziert sich vor allem aus Spenden und Erbschaften sowie Schutzgebühren für vermittelte Tiere und Aufwandsentschädigungen der Kommunen. Damit das so bleibt, ist das Vertrauen der Spender sehr wichtig.

Micha Schneider, Patrick Shaw E-Mail

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