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Awo Möhren: Sinn finden und dazuverdienen

Mit ihrem Zuverdienstmodell will die Arbeiterwohlfahrt die Lücke zwischen Therapie und Job schließen - 06.12.2019 12:18 Uhr

Das Team der Awo Möhren (von links): Sozialpädagogin Anna-Lena Jung, Einrichtungsleiter Thomas Hofbeck und Arbeitstherapie-Leiter Helmut Wurm im Kiosk, wo einer der Klienten schon im Zuverdienst-Modell mitarbeitet.

© Micha Schneider


Es geht um Wertschätzung, darum, sich wieder wertvoll und wichtig zu fühlen. Denn viele Menschen, die erwerbsunfähig sind, sehen sich nicht mehr als Teil der Gesellschaft.

Das erzählt Wohnstättenleiter Thomas Hofbeck von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Möhren. In der soziotherapeutischen Einrichtung leben psychisch kranke Menschen. Hofbeck sowie Sozialpädagogin Anna-Lena Jung und Arbeitstherapie-Leiter Helmut Wurm erleben ihre Sorgen, Ängste und Nöte in ihrer Arbeit tagtäglich. Auch deshalb sind sie stolz, in Möhren ein landkreisweit einzigartiges Angebot zu haben: Den "Awo-Zuverdienst", der vom Bezirk Mittelfranken gefördert wird.

Zielgruppe sind Menschen mit psychischer Krankheit oder Suchterkrankung, die EU-Rente oder Grundsicherung beziehen, und die wieder am Arbeitsleben teilhaben wollen, aber noch nicht zu einer Tätigkeit in einer Integrationsfirma oder auf dem freien Arbeitsmarkt in der Lage sind. Es ist also ein Angebot zur Eingliederungshilfe für behinderte Menschen mit Erwerbsunfähigkeit.

Die Awo fungiert als Vermittler

Der Zuverdienst soll künftig eine Lücke zwischen externer Arbeitstherapie, einem Integrationsbetrieb und einem regulären Arbeitsverhältnis schließen. Die Awo Möhren fungiert als Ansprechpartner sowohl für die Betriebe, als auch die Klienten. "Es geht nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um Kooperationsvereinbarungen, wie der Zuverdienst ausgestaltet ist", sagt Hofbeck. Der zeitliche Umfang der Tätigkeiten ist auf 15 Stunden pro Woche begrenzt.

Die Awo schaut sich nun nach potenziellen Partnerbetrieben um. Wo und wie ist ein Zuverdienst sinnvoll? Und welche Vorerfahrungen und Wünsche hat der Klient? Das sind die Fragen, mit denen sich die Mitarbeiter beschäftigen. Zurzeit läuft die Aufbauphase.

Vier Plätze werden aktuell angeboten, ein Klient betreut beispielsweise das hauseigene Kiosk der Awo. Sollte das Zuverdienstmodell funktionieren, könnten in Zukunft weitere Plätze geschaffen werden. Man wolle zunächst auf die Stadt Treuchtlingen zugehen, aber auch an andere Einrichtungen herantreten, um das Modell vorzustellen.

Begleitung hilft beim Wiedereinstieg

"Es sind ja Leute, die gewisse Fähigkeiten von früher mitbringen. Und ich kann mir vorstellen, dass auch die Firmen profitieren", sagt Helmut Wurm. Das Angebot sei schließlich sehr flexibel und begleitet. "Wenn jemand seit Jahren keinen geregelten Tagesablauf hatte, macht es zum Beispiel vielleicht Sinn, da morgens anzurufen oder ihn zu wecken", erkärt Hofbeck.

Firmen könnten durch ihre Teilnahme darüber hinaus einen Teil zur gesamtgesellschaftlichen Inklusionsaufgabe beitragen. Und die Klienten finden wieder Sinn und eine Aufgabe. "Die Arbeitsrealität wieder wahrzunehmen und zu sehen, dass man geschätzt wird für das, was man tut, das ist ganz wichtig", sagt Wurm.

Mit einem unverbindlichen Praktikum könnten sich beide Seiten zunächst beschnuppern. Im besten Fall kann der Klient dank seiner Tätigkeit sogar in ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis vermittelt werden. "Dann haben wir das Ziel erreicht", so Hofbeck. Doch das ist erst der zweite Schritt. Wertschätzung zu geben und Sinn zu stiften – das hat für die Awo Möhren beim Zuverdienst zunächst Priorität.

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