Donnerstag, 24.10.2019

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So sollen die Ortszentren in der Region lebendiger werden

NS-Dokuzentrum, Streuobstkompetenzzentrum, Wohnungen für Behinderte - 18.06.2019 05:55 Uhr

Wo jetzt eine brachliegende Gewerbefläche ist, könnte am Pegnitzer Bahnhofsteig eine neue Flaniermeile entstehen. © Arge Obrusnik / umarchitekt / Joma Landschaftsarchitekten


"Gasthaus zur Sonne" steht noch immer groß auf dem imposanten, blassrosa gestrichenen Bauwerk in der Ortsmitte von Berngau. Doch jeder in dem Ort bei Neumarkt kennt das Wirtshaus nur als "Gasthaus Lukas", benannt nach den letzten Wirten. Dass die ihren Gästen das letzte Bier ausgeschenkt haben, ist allerdings schon fast zehn Jahre her. Seitdem steht das Haus leer.

"Es war zwar nur eine Bierwirtschaft, in der es kaum was zu essen gab, aber da war viel los. Der Sportverein und die Feuerwehr haben gefeiert, nach dem Gottesdienst kamen alle zusammen zum Frühschoppen, es wurde viel gekartelt", erzählt Bürgermeister Wolfgang Wild.

Nachdem der Zapfhahn für immer stillstand, scheiterte ein Privatinvestor an dem Gebäude. Seit einigen Jahren ist die Gemeinde am Zug. Den entscheidenden Impuls für die Zukunft gab eine dreitägige Ideenwerkstatt, bei der sich die Bürger Gedanken über die Zukunft ihres Ortes machten. Unter anderem wollten sie wieder mehr Leben an dem Ort, an dem sie einst so viel gefeiert hatten.

209 Millionen Euro vom Freistaat

Das scheint nun zu gelingen. Für das Lukas-Anwesen sollen 1,2 Millionen Euro aus der Förderinitiative "Innen statt Außen" der bayerischen Städtebauförderung fließen. Insgesamt schüttet der Freistaat 209 Millionen Euro mit seinem Städtebauförderungsprogramm aus. "Die Mittel kommen insbesondere kleineren Städten und Gemeinden im ländlichen Raum zugute", sagt Bayerns Bauminister Hans Reichhart. "Wir helfen ihnen dabei, Gebäudeleerstände zu beseitigen und ihre Ortsmitten zu stärken."

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Mit 84 Millionen Euro fließt am meisten Geld nach Oberfranken, vor allem in die Förderoffensive Nordostbayern, die dem darbenden Landstrich auf die Beine helfen soll.

Aber auch für die Region bleibt Geld übrig. Allersberg zum Beispiel erhält 830.000 Euro zur Flächenentsiegelung. Burgbernheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) kann sich über 800.000 Euro als Unterstützung freuen, um aus einem leerstehenden Schlecker-Markt und zwei weiteren Gebäuden ein Streuobstkompetenzzentrum mit Mosterei zu formen.

Die Stadt Pegnitz bekommt mehr als 1,5 Millionen Euro, um aus einer drei Hektar großen, brachliegenden Gewerbefläche zwischen Bahnhof und Innenstadt ein Quartier mit Wohnungen, Gewerbe, Gastronomie und Grünflächen zu schaffen. Für Letztere sollen Flächen entsiegelt werden. Der Bahnhof selbst soll zu einer Premium-Mobilitätsstation ausgebaut werden. "Mit ,Pegnitz 2030‘ haben wir ein sehr innovatives integriertes Stadtentwicklungskonzept verabschiedet und haben der Innenentwicklung Vorrang vor der Außenentwicklung gegeben", betont Bürgermeister Uwe Raab.

Dunkle Vergangenheit

Pottenstein erhält 300.000 Euro, um in der Magerscheune die Historie der Stadt als Außenlager des KZ Flossenbürg zu beleuchten. Die im Lauf der Jahre mehr als 700 Häftlinge waren seit dem Frühjahr 1943 in dieser Scheune untergebracht und rückten von dort aus, um Straßen zu bauen, die Teufelshöhle zu erschließen oder Trümmer im zerbombten Nürnberg zu räumen.

Eine Ausstellung soll künftig zeigen, um welchen Preis Pottenstein durch die Kontakte des SS-Standartenführers Hans Brand, zugleich Entdecker der Teufelshöhle, touristisch entwickelt wurde.

"In der Vergangenheit ist man nicht immer so rühmlich mit diesem Teil der Pottensteiner Geschichte umgegangen, wollte damit abschließen. Aber jetzt erfahren wir viel Zustimmung. Wer künftig die Teufelshöhle besichtigt, sieht ihre Erschließung mit anderen Augen", meint Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer.

Neues Naturpark-Infozentrum

Eine Tourist-Info und ein Naturpark-Infozentrum sollen dafür sorgen, dass genug potenzielle Besucher für die Ausstellung in der Magerscheune vorbeischauen. Die Fördermittel werden zunächst verwendet, um angrenzende Grundstücke zu erwerben und einen Architektenwettbewerb zu starten. Wenn es dann an den tatsächlichen Ausbau geht, soll noch mehr Geld fließen.

"Das Programm ,Innen statt Außen‘ eröffnet Kommunen neue Chancen. Man kann individuell auf den Ort zugeschnittene, kreative Lösungen finden, um den Ort zu beleben. Bei manchen Dingen ist man aber natürlich weiterhin vom Markt abhängig", verdeutlicht Frühbeißer.

In Berngau freut man sich derweil über das Geld, auch wenn man wohl noch deutlich mehr brauchen wird, um die Pläne zu verwirklichen. Die Gemeindebücherei, die momentan noch im Rathaus auf kleinstem Raum eingequetscht ist, soll ihre Fläche im Gasthaus mindestens verdoppeln. Außerdem sollen aus dem Rathaus die Mutter-Kind-Gruppe und das Bürgermeisterbüro umziehen. Dank eines Kooperationsprojekts mit der Lebenshilfe Neumarkt sollen in dem Haus außerdem fünf Wohnungen für Menschen mit Behinderung entstehen.

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