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Seminar in Oberfranken: So gelingt der Schutz vor dem Wolf

Eine Expertin erklärt, wie Zäune beschaffen sein müssen, um Herden zu schützen - 15.07.2019 06:00 Uhr

Ein Wolf in einem Gehege in Nordrhein-Westfalen. © Bernd Thissen, dpa


Am Dienstag findet das Seminar Gößweinstein (Kreis Forchheim) und in Oberailsfeld (Kreis Bayreuth) statt. Dabei sollen die Teilnehmer auch praktische Erfahrungen beim Bau von Schutzzäunen sammeln. Das sagt Organisatorin Renate Baierlein.

Renate Baierlein.


Frau Baierlein, wie muss ein Zaun Ihren Erfahrungen nach beschaffen sein, damit er einen einigermaßen effektiven Schutz vor Wölfen bietet?

Renate Baierlein: Das ist eigentlich kein großes Problem, denn 90 Zentimeter Höhe müssen genügen. Fachleute sagen, dass für einen Wolf, der einen 90 Zentimeter hohen Zaun überspringt, auch 1,20 Meter kein Problem sind. Der Zaun muss halt nach bestimmten Vorgaben elektrifiziert und nach guter fachlicher Praxis aufgestellt werden. Das heißt, er muss straff sein und er muss nach unten abgesichert sein. Der Wolf geht nämlich eher unten durch als oben drüber, und bei Mulden muss mittels zusätzlicher Pfähle gewährleistet sein, dass nirgendwo ein Loch entstehen kann. Es sind etliche Sachen, auf die man achten muss.

Viele Weidetierhalter sind aber ziemlich skeptisch, was den Schutzeffekt solcher Zäune betrifft. Mindestens drei Meter hoch, oben stromführende Litze und große Winkel im Erdreich, die verhindern, dass sich der Wolf durchgräbt – weniger darf es nach Ansicht mancher Fachleute nicht sein. Teilen Sie diese Einschätzung?

Baierlein: Nein, so sicher nicht, aber natürlich wird es nicht schützbare Gebiete geben. Und in manchen Gebieten müsste man wohl tatsächlich so einen Aufwand betreiben, um unsere Herden zu schützen. Aber für diese Bereiche gibt es in Bayern ja auch die Möglichkeit, dass Wölfe, die definitiv einen Schaden verursachen, wenn sie Schutzzäune überwinden und Nutztiere verletzen oder töten, entnommen werden. Auch in nicht schützbaren Gebieten wie einigen Alpenregionen, die so aber noch nicht definiert sind, wird die Entnahme von problematischen Wölfen möglich sein. Drei Meter hohe Zäune dagegen kann man vergessen. Wir werden nicht gegenseitig aufrüsten. Wenn der Wolf vor einem fachgerecht aufgestellten und elektrifizierten 90-Zentimeter-Zaun keinen Respekt hat, wird ihm eben so lange nachgestellt, bis die Schäden aufhören.

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Oberailsfeld, der Ort des Zaunbauseminars, wurde auch deswegen ausgewählt, weil die Topographie dort hinsichtlich des Wolfsschutzes extrem schwierig ist. Was macht die Situation in diesem Gelände und in anderen bayerischen Regionen so diffizil?

Baierlein: Das ist ein felsiger und verbuschter Untergrund, bei dem man Trassen für die Zäune schneiden muss und oft große Schwierigkeiten beim Einschlagen der Zaunpfähle hat. Das Gelände ist auch extrem steil, weshalb schon das Hochschleppen des Materials ein gehöriger Aufwand ist. Außerdem ist es wahnsinnig schwierig, den Zaun in so einem Gelände stabil zu kriegen. Und je höher ein Zaun ist, desto windanfälliger ist er auch.

Da stellt sich die Frage, wie viele Weidetierhalter diesen hohen Aufwand betreiben wollen. Nicht nur von den Arbeitsstunden her, sondern auch finanziell. Sind solche Schutzzäune betriebswirtschaftlich überhaupt sinnvoll?

Baierlein: Nein. Deshalb ist es auch meine Erfahrung, dass einige lieber aufhören, bevor sie hier viel Geld in die Hand nehmen. Wir haben in unserem Gebiet ja, Gott sei dank, noch keine größeren Schäden gehabt, trotz des Rudels im Veldensteiner Forst.

Sind dann solche Zaunbau-Seminare nicht einfach nur Beruhigungspillen? Weidetierhalter investieren Zeit und Geld in einen Schutzzaun, der aber unter Umständen gar nichts nützt, wenn der Wolf tatsächlich da ist. Wer soll da nicht die Lust verlieren?

Baierlein: Es sind ja Fördergelder angedacht, die aber noch nicht von der EU abgesegnet worden sind. Und wir dürfen uns, wie gesagt, auf kein Wettrüsten einlassen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber wir müssen dem Wolf eben klarmachen, dass er so richtig eins auf die Mütze kriegt, wenn er sich einem Weidezaun nähert. Wenn er einen Stromstoß mit 6000 Volt abkriegt, wird er sich seine Nahrung hoffentlich woanders suchen.

 

Interview: André Ammer

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