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Kammerstein: Stromtrassen-Neubau "kontraproduktiv für Energiewende"

Beim Rundgang wurde das Thema Waldökologie behandelt - 15.08.2020 07:27 Uhr

Erläuterungen von Dr. Ralf Straußberger (Dritter von links) zum Thema Waldökologie und von Richard Radle (rechts), BN-Kreisgeschäftsführer, gab es beim Rundgang durch die Laubenhaid, zu dem Klaus Reitmayer, Sprecher der Kammersteiner Bürgerinitiative gegen die Strom-Südtrasse, eingeladen hatte.

© Foto: Beatrix Frank


Der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Kammerstein "Nein zur Südtrasse" und Delegierter der Kreisgruppe Roth/Schwabach vom Landesbund für Vogelschutz, Klaus Reitmayer, hatte zum Ortstermin geladen. Schwerpunkt war das Thema Waldökologie, einschließlich der Sinnhaftigkeit einer "Monstertrasse P 53".

Mit dabei waren auch der Spezialist für Waldökologie vom Bund Naturschutz (BN) Bayern, Dr. Ralf Straußberger, und BN-Kreisgeschäftsführer Richard Radle. Straußberger und Radle lehnten alle Varianten der P 53-Trasse prinzipiell ab.

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"Grundlegend würde es sich bei den geplanten Trassen um Schwarzbauten handeln, weil die europäische Aarhus-Konvention nicht eingehalten wurde", so Wolfgang Schmid, Sprecher der BI Büchenbach. "Diese besagt, dass grundsätzlich zu überprüfen ist, ob auch die Null-Option möglich ist, also ob auch ohne den Bau der Trassen die Stromversorgung gewährleistet wäre." 2011 vergab die Bundesregierung an den holländischen Netzbetreiber Tennet den Auftrag, einen Leitungsbau durchzuführen.

"Die Bestandstrasse Juratrasse ist ausreichend für die Stromversorgung", so 2019 die Aussage vom Vorstandsvorsitzenden des regionalen Stromversorgers N-Ergie, Josef Hasler. Die alte Trasse ist 28 Kilometer lang, verläuft zwischen Raitersaich und Ludersheim.

Empfindliches Ökosystem

Der Bau einer neuen P 53-Trasse würden Energiewende, Atomausstieg Deutschlands und Klimaschutzabkommen ad absurdum führen, bekräftigten Reitmayer und Straußberger bei dem Waldspaziergang durch die Laubenhaid.

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"Der besonders artenreiche Bannwald, Naherholungs- und Wasserschutzgebiet, würde ein weiteres Mal erheblich mit der P 53-Südvariante durchschnitten", so Reitmayer. Eine kleine Stromtrasse und die Autobahn 6 durchschneiden bereits das empfindliche Ökosystem.

 

 

 

Klaus Reitmayer verwies insbesondere auf den Kahlschlag bei Altbaumbeständen: "Die auf der sogenannten Roten Liste besonders gefährdeten Tierarten, zum Beispiel Baumhöhlenbrüter wie Bunt-, Grün- und Schwarzspecht, und die ,Spechthöhlennachmieter‘, wie die Hohltaube, der Rauhfußkauz, diverse Kleinvögel, Fledermäuse und Hornissen, verlören Lebensraum. Habitate von Großvögeln, wie Bussard, Habicht, Sperber und Eulen, gingen verloren."

Überall in der Region sichtbar 

Die neue Stromautobahn würde die Laubenhaid von Nordwesten nach Südosten etwa zwei Kilometer lang durchschneiden, mit einer Breite von 80 bis 100 Metern. Dies seien bis zu 20 Hektar, die gerodet würden. Masten mit einer Höhe von 75 bis 99 Metern wären überall in der Region sichtbar, sagte Reitmayer.


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"Bei großen Eingriffen sind vernünftige Grundlagen nötig. Hier sind sie nicht da", so Straußberger. "Wir haben in der Laubenhaid Kiefern und Lärchen, die mindestens 120 Jahre alt sind." Als Regel gelte laut Stiftung Unternehmen Wald, dass ein Hektar rund 13 Tonnen Kohlendioxid jährlich bindet.

Das wären allein durch die Rodung in der Laubenhaid bis zu 260 Tonnen weniger pro Jahr. "Bis zum 150-fachen dessen ist Kohlendioxid im Wald und Waldboden gespeichert, was mit der Rodung in die Luft entweichen würde. Das ist unverantwortlich im Zeichen der Klimakrise", so Straußberger. "Wer solche Trassen durch Wälder schlägt, setzt das Überleben der angrenzenden Wälder aufs Spiel, weil diese der extremen Dürre noch mehr ausgesetzt sind".

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Beeinträchtigung von Boden und Wasserhaushalt sowie Angreifbarkeit der künstlich geschaffenen Schneisenränder durch Unwetter und Hitze wären nur einige der Auswirkungen der Monstertrasse P 53 durch die Laubenhaid.

Durch Hochspannungsleitungen entstehen außerdem elektromagnetische Felder, jeweils in Abhängigkeit von der Stromstärke. Elektrosmog wirke sich auch auf die Gesundheit von Mensch und Tier aus.

BEATRIX FRANK

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