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Schluss mit Fastfood: So speckt Frankens dickster Luchs ab

Bewegung und mageres Essen - Leiter des Wildparks: "Er ist fit, aber fett" - 15.05.2019 17:44 Uhr

Schlanker, aber noch immer übergewichtig: So sah Rufus im Spätsommer 2018 aus. Mittlerweile hat der Luchs weiter abgespeckt. © Florian Dittert


Die Geschichte, wie Rufus zu dem wurde, was er jetzt ist, ist eine voller Leiden. 2013 wurde der Luchs seiner Manneskraft beraubt - eine Kastration, weil die Verantwortlichen im Wildpark Schweinfurt keinen Nachwuchs mehr wollten. Der Kater hatte keine Lust mehr auf Sex, keinen Trieb, musste sich nicht mehr bei den Weibchen im Gehege bewerben. Seitdem lässt er es ruhiger angehen. Weil sein Körper nach der Sterilisierung kein Testostereon mehr ausschüttet, bewegt sich der Luchs weniger. Naturgemäß. Doch die Liste der Umstände, wie es das Tier in der Spitzenzeit auf 45 Kilogramm brachte, ist noch länger. 2015 brach sich Rufus den Mittelfußknochen am rechten Vorderlauf. Er wurde separiert, immer wieder behandelt, ab und an in Narkose gelegt. Gemeinsam mit seinem stattlichen Alter - seit einem Monat ist der Luchs 14 Jahre alt - eine explosive Mischung. Eine, die direkt auf die Hüften der Raubkatze ging.

Dieses Foto von Rufus ging um die Welt. © Privat Jost Kessler


Ein Foto, das den beleibten Rufus zeigt, ging um die Welt. Locker und lässig sitzt er auf einer Art Steinthron in seinem Schweinfurter Gehege. Der Blick lethargisch, der Bauch zügellos. Zahlreiche Memes kursierten im Netz, zuletzt warb die US-Restaurantkette "Pluckers" mit ihm. "Ich, mit einem Bauch voller Hähnchenflügel, mich fragend, ob ich nicht doch noch frittierte Oreos bestellen soll", steht über dem Foto. Der vorläufige Höhepunkt von Rufus' Popularität.

"Von einer Diät kann man nicht sprechen"

Und, zumindest was aktuelle Aufnahmen angeht, auch das Ende. Denn: Der Luchs hat abgespeckt. Etwa 37 Kilogramm bringt die Raubkatze mittlerweile auf die Waage, mehr als zehn weniger als noch im vergangenen Jahr. "Von einer Diät kann man aber nicht sprechen", sagt Thomas Leier, Leiter des städtischen Wildparks in Schweinfurt. "Mit Katzen macht man so etwas prinzipiell nicht." Rufus sei "fit, aber fett", gesundheitlich also in unbedenklichem Zustand.

Der schnelle Gewichtsverlust hat gleich mehrere Gründe und beginnt mit der Ernährung. "Wichtig ist, dass wir auf sichtbares Fett am Fleisch verzichten", sagt Leier. Heißt konkret: Magerkost. "Ab und zu bekommt er ein totes Frischtier." Oft handelt es sich dabei um ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen. "Wir verfüttern es ohne Innereien. Das wäre schlecht für die Darmflora", so Leier.

"Da darf man auch ein paar Röllchen haben"

Der Weg von curvy zu schlank führt für Rufus aber nur über Bewegung. Gekellnert wird im Wildpark Schweinfurt deshalb nach Möglichkeit nicht mehr. In einer Art Beutesimulator muss der Luchs für seine Mahlzeiten ackern. Dabei kommt ein Stück Fleisch an einen Haken, der an einer Seilwinde hängt. Immer wieder wird die scheinbare Beute hochgezogen - und Rufus muss springen. "Mit einem Fitnessprogramm hat das aber wenig bis nichts zu tun", sagt Leier.

Lebende Tiere dürfe man nicht verfüttern, erklärt der Leiter des Wildparks. Doch die Verantwortlichen versuchen potenzielle Beute in das Gehege zu locken. "Wir legen Getreide aus. Wenn dann Mäuse oder Vögel kommen, können die Luchse ihren Jagdtrieb ganz aktiv ausleben."

Noch hat Rufus nicht sein Idealgewicht, das dürfte bei etwa 35 Kilogramm liegen. "Aber er hatte jetzt am Montag seinen 14. Geburstag", sagt Leier. "Da darf man auch ein paar Röllchen am Bauch haben." In menschlicher Obhut können Luchse bis zu 20 Jahre alt werden. Der Raubkatze bleibt also noch etwas Zeit.

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