Sonntag, 08.12.2019

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Was darf ein Bürgermeister kosten?

Lohrer bringen Bewegung in die Insinger Gemeindepolitik - 28.01.2013 11:11 Uhr

Die Wählergemeinschaft Lohr schrecken die hohen Kosten des künftigen Berufs-Bürgermeisters. © sis


Brigitte Seybold hat als Vorsitzende der Wählergemeinschaft Insingen-Nord zusammen mit den Vertrauensleuten Erich Junker und Ralf Schauer die Initiative ergriffen. Sie beriefen am vergangenen Sonntag eine Versammlung im Gemeindehaus Lohr ein, um verschiedene Standpunkte zur Bürgermeister-Entscheidung für die Wahl im März nächsten Jahres auszuloten. Fast fünfzig Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung, die persönlich in die Briefkästen gesteckt wurden. Hintergrund war der aktuelle Sachstand.
Tage zuvor waren die fünf Ratsmitglieder aus Lohr bei einer Sitzung des Insinger Gemeinderates mit ihrem Antrag zur Geschäftsordnung auf Aufschub der wichtigen Personalentscheidung für das höchste Amt im Rathaus gescheitert. Sie wurden von den acht Insinger Gemeinderäten, darunter Bürgermeister Rudolf Ebert, der nicht mehr kandidiert, überstimmt. Die Ratsmehrheit schaffte klare Fakten.

Nun soll künftig ein hauptamtlicher Bürgermeister die Ge­schicke der 1123-Einwohner-Ge­mein­de leiten. Vertrauensleute der Wählergemeinschaft Insingen haben mit dem gebürtigen Insinger Peter Köhnlechner einen qualifizierten Ver­­waltungs­fachmann  ins Spiel gebracht, der im Herbst offiziell als Kandidat nominiert werden soll. Der 45-jährige dreifache Familienvater mit Wohnsitz im benachbarten Hausen am Bach kann als Bediensteter der Verwaltungsgemeinschaft Rothenburg wegen der Kontrollfunktion und möglichen Interessenskollision die Position in seiner früh­eren Heimatgemeinde nicht als ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen.
Die Wählergemeinschaft Lohr und die fünf Gemeinderatsmitglieder, zu der der Dritte Bürgermeister Heinz Mögel und Roland Seybold, Ehemann von Brigitte Seybold, gehören, schrecken die hohen Kosten des künftigen Berufs-Bürgermeisters, der wie ein Be­amter besoldet wird. Sie wollen durch Gespräche und Informationen in den nächsten Wochen und Monaten eine breite Diskussion anstoßen und sind gespannt auf die Meinungen der Bürger zu dem Insinger Gemeinderatsbeschluss.


„Die finanziellen Folgen treffen die ganze Gemeinde“, erläuterte die Lohrer Gruppe auf Fragen der Redaktion und betonte ausdrücklich, dass es ihr um die Sache und nicht um Personen gehe. Man wolle in dieser Frage keinen Alleingang unternehmen, sondern mit Unterstützung aus Insingen und den Ortsteilen ausloten, ob sich  in der Gemeinde nicht doch noch ein geeigneter Mann oder eine geeignete Frau findet, der oder die den Posten im Rathaus nebenberuflich ausübt.
Dass bisher niemand aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger oder aus dem Gemeinderat seine Bereitschaft zur Kandidatur als Nachfolger des langjährigen Amtsinhabers signalisiert hat, führt Heinz Mögel auf die zurückhaltende fränkische Mentalität zurück. „Von selbst steht keiner auf und drängt sich vor“, meinte der Dritte Bürgermeister, der selbst keine Am­bitionen auf den Chefsessel im Rathaus hat, wie er sagte.
Energisch schüttelte Brigitte Seybold den Kopf zu dem Gerücht, dass sie antreten will: „Da ist nichts dran.“ Die gelernte Kinderpflegerin arbeitet halbtags im Insinger Kindergarten und leitet die Lohrer Wählergemeinschaft als Nachfolgerin von Karl Ebert, der seit einem schweren Sturz bei einer Klettertour gesundheitlich angeschlagen ist und seine politischen Ämter nicht mehr ausüben kann.
Direkte Demokratie gibt den Bürgern die Möglichkeit, Kommunalpolitik mitzugestalten. Durch den Antrag auf ein Volksbegehren unter Einhaltung gesetzlicher Hürden lässt sich ein Volksentscheid herbeiführen, um den Ratsbeschluss zu kippen. Noch ist die Kandidatenfrage offen.  Der Bürgermeisterwahlkampf in Insingen könnte diesmal richtig spannend werden.     sis

sis

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