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Schreinerei Koder gewinnt Thalhofer-Innovationspreis

Innungsbetrieb setzt bewusst auf den "Erfolgsfaktor Frau" - 04.08.2015 17:27 Uhr

Freuen sich bei der Preisverleihung: Stefan Thalhofer, Claudia Korder, Laura Korder, Lore Huss, Claudia Büttner und Konrad Steiniger. © privat


Es hat sich Revolutionäres verändert in den zurückliegenden Jahren. „Bei meinem Vater noch lief alles ausschließlich über ihn als Firmenchef. Meine Mutter machte die Buchhaltung und das Rechnungswesen, kochte den Mitarbeitern jeden Tag eine Suppe zum Mittag und hatte für alles ein offenes Ohr,“ so Rainer Korder, der seit 1997 den Betrieb führt. Mit ihm an der Spitze begann ein neues Zeitalter mit Aufgabenverteilung auch an der Spitze. Er hatte das Glück, eine Schreinermeisterin und staatlich geprüfte Gestalterin für Möbel und Innenräume zu heiraten, die mit in die Leitung des Betriebs einstieg und dabei ihre speziellen Kenntnisse gewinnbringend fürs Ganze einbringt.

Nach dem Pensionsantritt der Seniorchefin wurde vor 13 Jahren ihre Stelle als Dreh- und Angelpunkt im Haushalt und bei der Buchführung vakant. Mit Lore Huss aus Rot am See wurde die ideale Besetzung für diesen Posten gefunden. Die Wiedereinsteigerin nach der Kindererziehung hatte sich zur Einzel- und Großhandelskauffrau weitergebildet. Die Firmenphilosophie „Jeder bekommt eine hochwertige Planung“ und die Gründung der Ausstellung K2 mit Küchenplanung und Verkauf, erforderte Unterstützung für Claudia Korder. Vor 7 Jahren stellte der Handwerksbetrieb dafür Claudia Büttner aus Erzberg ein, ebenfalls eine Wiedereinsteigerin. Die gelernte Bankkauffrau und staatlich geprüfte Hauswirtschafterin gilt mit ihren Kenntnissen (sie unterstützt bei Planung und Kalkulation), mit ihrer besonderen Affinität zu den neuen Medien und der fotografischen Darstellung als optimale Ergänzung.

Tochter tritt in Fußstapfen

Zu guter letzt hat sich Tochter Laura nach dem Abitur entschieden eine Schreinerlehre zu absolvieren. Sie befindet sich bereits am Ende des 2. Lehrjahres. Ihre Berufsschulklasse besteht zu 20 Prozent aus jungen Frauen. „Frauen eignen sich bestens zum gestaltenden Beruf Möbelschreiner und sind durchaus in der Lage führende Aufgaben zu übernehmen bzw. Betriebe zu leiten,“ ist Rainer Korder überzeugt.Der mit insgesamt 13500 Euro dotierte Preis wird seit 2004 von der Holzhandlung Georg Thalhofer OHG mit dem grundlegenden Ziel gestiftet, die herausragenden Leistungen und das handwerkliche Können des Schreinerhandwerks hervorzuheben sowie innovative Entwicklungen zu stärken.

Besondere Handschrift

Prämiert worden sind diesmal Unternehmen und Innungen, die auf den „Erfolgsfaktor Frau“ setzen. Frauen nehmen längst ihren Platz ein in Handwerksbetrieben und machen ihren Einfluss geltend. Bei Korder beginnt das bei der gezielten Werbung um weibliche Auszubildende durch kreative Aktionen wie beim „Tag des Schreiners“ oder beim bundeswei- ten Mädchen-Zukunftstag („GirlsDay“) und setzt sich fort bei der Förderung und Unterstützung in der Aus- und Weiterbildung der Frauen, reicht bis hin zur Ausrichtung der Unternehmensstrategie: vom Produktspektrum über Gestaltungsfragen bis hin zum Firmenauftritt und zum Kundenkontakt. Der Lohrer Innungsbetrieb überzeugte die Jury mit seiner Bewerbung und erhielt dafür den ersten Preis in der Sparte der Betriebe mit mehr als 10 Mitarbeitern. Bei Korder wird mit Bedacht auf den „Erfolgsfaktor Frau“ gesetzt. Schreinermeisterin Claudia Korder, die auch staatlich geprüfte Gestalterin ist, hält sich mit ihren Kollegen und Kolleginnen regelmäßig bei Fort- und Weiterbildungen auf dem Laufenden, besucht unter anderem auch Seminare zu den Themen Licht und Farbe.

Attraktive Kundenveranstaltungen im Haus Korder tragen eine besondere Handschrift. Die Schreinerei veranstaltet beim „Tag des Schreiners“ nicht nur einen „Tag der offenen Tür“, sondern bietet Koch-Vorführungen und stellt ihre Ausstellung für örtliche Vereine zur Verfügung. Großer Beliebtheit erfreut sich nicht zuletzt auch das gemeindliche Kinderferienprogramm, bei dem der Betrieb selbstverständlich Flagge zeigt. Der Präsident des Fachverbands Schreinerhandwerk Bayern, Konrad Steininger, zeigt sich begeistert von der Qualität und Quantität der Bewerbungen.

Das beweise, dass der Schreinerberuf nicht nur attraktiv, sondern längst keine reine Männersache mehr ist. Nach den beeindruckenden Darlegungen im Bewerberfeld kündigt Stefan Thalhofer an, den Innovationspreis auch im kommenden Jahr wieder mit dem Fachverband des Schreiners Bayern auszuloben.
  

Monika Götz

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