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Lohr: Firma Nölscher trotzt der Krise

Autohaus im Aufwärtstrend - Bund Naturschutz kritisierte Erweiterungspläne - 11.11.2012 20:17 Uhr

Das Autohaus Nolscher in Lohr befindet sich im Aufwärtstrend und hat große Erweiterungspläne. Diese werden jedoch vom Bund Naturschutz kritisiert. © nö


Die Kritik des Bundes Naturschutz an den Erweiterungsplänen hat nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch den Insinger Bürgermeister „sehr verwundert“. Die Bedeutung des Betriebes für den Standort und das Rothenburger Land machen wenige Zahlen deutlich: zirka 60 Millionen Umsatz in der Gruppe zusammen mit der Firma Model & Nölscher Crailsheim, davon über 30 Millionen allein in Lohr.

Von den rund 100 Mitarbeitern insgesamt, finden 50 in Lohr Beschäftigung, wobei es sich überwiegend um qualifizierte Arbeitsplätze handelt. Allein in den letzten zehn Jahren hat Nölscher rund drei Millionen Euro in Lohr investiert, derzeit wird an das alte bestehende VW-Gebäude eine neue 200 Quadratmeter große Halle angebaut, die zum Jahresende bezugsfertig ist. Für 2013/14 ist die Erweiterung des Betriebsgeländes um 5000 Quadratmeter als Ausstellungsplatz für Gebrauchtwagen unter freiem Himmel vorgesehen.

Erfolgreiche Markentrennung

Und zur Absicherung von möglichen Konzernanforderungen denkt die Geschäftsleitung „vorerst nur als eine Zukunftsoption“, wie man betont, an einen größeren Audi-Hallenneubau (etwa 60 auf 30 Meter) westlich des bestehenden Audi-Hangars, getrennt durch einen Weg. Im Service will der Konzern künftig Volkswagen und Audi ebenso separiert wissen wie schon im Verkauf – ein Prinzip, das sich zusammen mit der eigenständigen Produktpolitik und Werbung von Audi und VW mehr als auszahlt.

 „Wir haben uns sehr gewundert über die Aussagen des Naturschutzbundes“ meint Geschäftsführer Norbert Nölscher und verweist darauf, dass alle Auflagen der Behörden ordnungsgemäß umgesetzt werden. Und Bürgermeister Rudolf Ebert sieht sich veranlasst einzelne Kritikpunkte als nicht haltbar zurückzuweisen. So bemängelt der Bund die Eintiefung und Versteinung des Klingengrabens. Der aber sei schon seit der Flurbereinigung 1957 versteinert, werde auch nicht vertieft, sondern verbreitert. Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt haben zugestimmt.

Norbert Nölscher macht für die Geschäftsleitung deutlich, dass man „schon aus Eigeninteresse“ alle Auflagen gerade auch beim Hochwasserschutz erfülle: „Wir respektieren es, wenn der Bund Naturschutz Befürchtungen hat, versichern aber, dass es keinen gravierenden Einschnitt in die Natur geben wird.“ So würden weder Bäume entlang des Lohrbaches gefällt noch eine Versiegelung der gesamten Stellflächen in Erwägung gezogen. Nölscher: „Das haben wir nie geplant“.

Wichtiger Ausbildungsbetrieb

Der Insinger Bürgermeister sagt, er habe bisher noch von keiner Seite aus der Bevölkerung Kritik gehört, man sei froh über so einen Betrieb. Jeder Arbeitsplatz zähle und Nölscher habe schon mehr als hundert Lehrlinge ausgebildet, wobei erfreulicherweise auch die Hauptschüler eine Chance bekommen hätten.

Seit letzten Mittwoch liegen die Pläne einen Monat lang bei der Gemeinde und in der VG Rothenburg für jeden interessierten Bürger öffentlich zur Einsicht aus. Der Bürgermeister verweist auch darauf, dass von der insgesamt 7000 qm großen Wiese nur 5000 qm als Baufläche ausgewiesen sind. Ein kleiner Zwickel aus dem Landschaftsschutzgebiet ragt in das spätere Erweiterungsgelände hinein und wird herausgenommen wie Ebert bestätigt. Doch da gibt es die abwägende Einzelfallentscheidung und niemand würde einsehen, wolle man wegen dieser wirklich kleinen Fläche die logische Betriebsentwicklung verhindern.

Jeder könne sich durch Einsichtnahme in die Pläne von den gut gelösten Details überzeugen, betont der Bürgermeister. So steht der Betriebsentwicklung wohl nichts im Wege, dabei hatte 2002 sogar die Stadt Rothenburg gehofft, Nölscher würde umsiedeln. Aber aus naheliegenden Gründen hat man sich zum Ausbau vor Ort entschieden, wo das Gelände vorhanden und günstig war. Dort wurden allein zwei Millionen Euro für den architektonisch eindrucksvollen Audi-Hangar ausgegeben. Umgesetzt wurde auch ein neues Volkswagen-Kundencenter.

Familien-Tradition

Das Unternehmen stützt sich auf eine gute Verkaufsbasis, denn Audi und VW erreichten von Januar bis September im Gebiet Rothenburg einen Anteil von 47 Prozent bei den Neuzulassungen. Die Nölscher-Model-Gruppe verkauft jährlich über 2000 Neu- und Gebrauchtwagen, dazu zählt der wachsende Anteil des Internet-Handels, der schon auf ein Drittel zusteuert. Im Familien-Unternehmen teilen sich derzeit sogar drei Nölschers generationenübergreifend die Geschäftsleitung: Senior Johann Nölscher sowie die Söhne Norbert und Lothar – in unserer ländlichen Gegend, wo persönliche Betreuung und Familien-Tradition noch geschätzt werden, ist diese Konstellation sicher auch ein Vorteil. 

diba

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