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Für Frieden beten und arbeiten

Gedenken am Volkstrauertag: "Kriege vernichten und zerstören Menschenleben" - 20.11.2018 10:21 Uhr

Die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag steht im Zeichen der Erinnerung und Versöhnung zwischen den Völkern. © Scheuenstuhl


Es kommt nicht von ungefähr, dass  der Geistliche bei dieser Gelegenheit  Kurt Tucholskys Gedicht "Der Graben" aus dem Jahre 1926 rezitierte. Heißt es dort doch treffend: "Reicht die Bruderhand als schönste Gabe/ übern Graben, Leute, übern Graben". In der Menschheitsgeschichte gibt es eine ganze Reihe von (Schützen-) Gräben, die Menschen und ganze Völker voneinander entzweit haben.

Wie etwa der Erste Weltkrieg, der vor 100 Jahren am 11. November zu Ende ging. Weitere dreihundert Jahre zuvor war der Dreißigjährige Krieg ausgebrochen, erinnerte der Dekan die Anwesenden. Beide Konflikte "entfesselten eine Gewaltgeschichte, die sich mit unermesslichem Leid, Hunger, Krankheit, Flucht und Tod verband". "Bitter enttäuscht" wurden all jene, die mit 1918 die Hoffnung "nie wieder Krieg" verbanden, so Hans-Gerhard Gross.

Denn zwei Jahrzehnte nach dem Ers­ten Weltkrieg entfachten die Nazis einen weiteren, "noch grauenvolleren Krieg, der ein Vielfaches an Menschenleben kostete". Aber auch danach musste man feststellen: "Gar nichts haben sie gelernt". Denn die gewaltsamen Konflikte gingen einfach weiter: Allein in den vier Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs forderten 20 Kriege und 385 gewaltsam ausgetragene Konflikte ihre Opfer – Soldaten, Zivilisten sowie Frauen, Kinder und Männer auf der Flucht. "Diese unzähligen Opfer reden bis heute mit uns", ist der Geistliche überzeugt.

Ihre Fragen lauten: "Habt ihr gelernt aus unserem Sterben und der Trauer unserer Familien? Wie lebt ihr denn so mit unserem Tod? Wie lebt man mit dem Tod der anderen, wenn man nicht zur Erlebnisgeneration gehört?" So schnell könne man eingeholt werden von der Realität, die "alles andere als friedlich" sei, in die man durch Waffenlieferungen und militärische Einsätze mehr verstrickt ist, als man meine.

Vertreter von Vereinen, Verbänden und Hilfsdiensten legen Gedenkkränze nieder. © Scheuenstuhl


Wieder Verwundete und Gefallene

Aktuell beteiligen sich rund 3400 Bundeswehrsoldaten an Einsätzen im Ausland. Sie riskieren Leib und Leben in Afghanistan, im Irak, im Sudan und Südsudan, in Mali oder in anderen Krisengebieten dieser Erde, unterstrich der Dekan. Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg gebe es wieder Kriege mit deutscher Beteiligung, seien wieder Verwundete zu pflegen und Gefallene zu beklagen.

"Kriege vernichten und zerstören Menschenleben, auch wenn diese Kriege unter dem Mandat der UNO geführt werden", ist er überzeugt. Das Schlagwort von der "Gnade der späten Geburt" greife angesichts der Tatsache, dass Deutschland zu den fünf größten Waffenexporteuren weltweit gehört, nicht mehr "als sanftes Ruhekissen für das Gewissen". Ebensowenig solange es "Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte in unserem Land" gebe.

Die Bibel schreibe "uns da klar und deutlich ins Stammbuch" (Jesaja 2, 2-3): "Und der Herr wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."
"Krieg soll also nach Gottes Willen nicht sein", folgerte der Kirchenvertreter aus diesen Zeilen. Er appellierte an die Anwesenden, für Frieden zu arbeiten und zu beten – "heute am Volkstrauertag und morgen im Alltag der Welt". Nach einem gemeinsamen Gebet sowie dem "Vater unser" und dem Segen, schloss Bürgermeister Kurt Förster die öffentliche Gedenkfeier im Burggarten.

Er dankte allen Anwesenden für ihre Teilnahme. Gerade in Zeiten rechter Umtriebe sei es wichtig, sich diesen entgegenzustellen. Neben Mitgliedern des Stadtrats sowie Rothenburgern und Gästen waren auch wieder Vereine, Verbände und Hilfs-diens­te mit Abordnungen vertreten. Sie legten am Mahnmal in der Blasiuskapelle Kränze nieder. Das Stadt- und Jugendblasorchester umrahmte die Gedenkfeier unter anderem mit dem Lied "Der gute Kamerad" ("Ich hatt’ einen Kameraden"). 

mes

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