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Attraktive Kleinstadt für alle?

Möglichkeiten zur Entwicklung - 23.11.2018 10:52 Uhr

Vom renovierten Schwimmbad bis zur neuen Hochschule im Luitpoldschulhaus: Für eine Stadt der Größe Rothenburgs ist viel für die Bürger geboten © hwf


Geht man ins Detail und überträgt  die Themen auf Rothenburg, kann man feststellen, dass man für eine Stadt der Größe Rothenburgs gute Voraussetzungen vorzuweisen hat. So zum Beispiel den Tourismus und die in weiten Teilen gute Infrastruktur. Beispiel dafür sind die verschiedenen Schulen, das Krankenhaus sowie die Vereine und Gemeinschafts-orte, wie das Jugendzentrum oder die städtische Bücherei.

Verbesserungsbedarf hat Rothenburg bei der Mobilität und beim Wohnungsmarkt. Zur Mobilität gehört die Erreichbarkeit der nächsten Zentren und die Anbindung der Ortsteile an die Kernstadt, auch ohne ein eigenes Auto zu besitzen. Diese beiden Punkte sind allen Bevölkerungsgruppen wichtig. Ältere Menschen legen noch Wert auf eine fußläufige Erreichbarkeit von Versorgungs- und Gemeinschaftseinrichtungen.
Den jungen Erwachsenen kommt es dagegen auf eine gute Anbindung auch abends und am Wochen­ende an. Die Studie macht Mobilität als Kernthema bei einer möglichen Konkurrenz der Kleinstädte um junge Einwohner aus. Diese legen ein verändertes Mobilitätsverhalten an den Tag und werden als "großstadtaffine Generation" bezeichnet. Man könnte diese also vor allem mit alternativen Beförderungsmitteln zum eigenen Auto ansprechen.
Der öffentliche Nahverkehr wird hierbei ein Thema, das Rothenburger Busnetz kann man dazu als ausbaufähig bezeichnen. Vielen Bürgern sind die Transportzeiten zu lang, weshalb sie lieber auf das eigene Auto zurückgreifen. Eine Verbesserung des Busnetzes gestaltet sich aber schwierig. Stattdessen könnte man einen anderen Weg wählen, um alternative Mobilität im Stadtgebiet zu verbessern. In der Studie wird auch dem Fuß- und Radverkehr eine große Bedeutung in einer attraktiven Kleinstadt beigemessen.

Auf Basis aufbauen

Rothenburg verfügt in weiten Teilen über gut ausgebaute Rad- und Fußwege. Auf dieser Basis könnte man aufbauen. Oder man könnte Ideen aus den Groß- und Universitätsstädten zur Hand nehmen. Dort sind Carsharing oder Leihfahrräder sehr gefragt. Fahrradständer an denen man mit Hilfe seines Smartphones Fahrräder ausleihen kann, könnten an verschiedenen Punkten in der Stadt aufgestellt werden. Wichtig ist bei einer Verbesserung der Mobilität, dass der Verkehr intelligent vernetzt wird. Ein Plan zur Entwicklung des innerstädtischen Verkehrs könnte hierbei helfen.
Ein weiteres zentrales Thema ist der Wohnraum und die Lebensqualität in der Kleinstadt. Es geht dabei um gute Bedingungen für das Leben der Bürger, weniger um Arbeitsplätze. Viele der Bürger in der Studie wünschen sich lebendige Orte. Sie haben ein Bedürfnis nach Urbanität, nach Treffpunkten und Austausch. Das Bedürfnis konnte man quer durch die Generationen finden. Urbanität meint eigentlich ein vielfältiges und tolerantes Leben in der Stadt. Die Studie fasst Urbanität aber weiter: Neben einem vielfältigen Angebot an kulturellen Einrichtungen, Gastronomie und Konsumgütern, werden zur Stadtkultur auch Vereine, Traditionen oder Vertrautheit hinzugezählt.
Es gibt quasi eine eigene "kleinstädtische" Urbanität, die in den Augen der Studienteilnehmer ein Ge-genmodell zum Leben in der Großstadt darstellt. Denn in der Kleinstadt trifft das städtische mit dem dörflichen Leben zusammen, was in ihrer Sicht ganz eigene Vorteile zu bieten hat. Vor allem in der Altstadt hat Rothenburg ein urbanes Lebensgefühl zu bieten, wobei urbane Treffpunkte auch außerhalb der Stadtmauern zu finden sind.

Aber zur Lebensqualität gehört auch das Thema Wohnraum. Hierbei meint die Studie, dass sich die Wohnungsnachfrage innerhalb der Gemeinden wandelt. Diese ist in Zukunft nicht mehr nur auf Einfamilienhäuser begrenzt, sondern differenziert sich stärker aus. In den Metropolen gibt es um bezahlbaren Wohnraum seit langem eine scharfe Diskussion. Mittlerweile ist das Thema auch in Rothenburg angekommen und man bemüht sich, den steigenden Wohnungspreisen entgegenzuwirken. Die Stadt hat eigene Pläne für neue Sozialwohnungen und auch die Diakonie plant zusätzliche Wohnungen für behinderte Mitbürger. Zuletzt wurden einige Häuser in der Altstadt renoviert, aber es gibt weiterhin viele  leerstehende Altbauten. Junge Erwachsene und Familien schätzen aber eine moderne Ausstattung. Und diesen Häusern in der Altstadt fehlt genau das: die Sanitär- und Heizungsanlagen stammen manchmal noch aus den Nachkriegszeiten.

Anreize für Zuzug in Altstadt

Auch entspricht die Raumaufteilung dieser Häuser oft nicht den modernen Ansprüchen. Man hätte hier Möglichkeiten, Wohnraum, den sich junge Familien leisten können, zu schaffen. Mit Bauförderungen bei Modernisierung könnte man Anreize zum Zuzug in die Altstadt schaffen. Oder eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gründen, mit deren Hilfe die leerstehenden Häuser saniert und vermietet werden könnten. Auch das geplante Baugebiet "Himmelweiher" bietet neue Möglichkeiten für die Stadt.
In der Studie wird festgestellt, dass die Industrie und das Gewerbe weniger Einfluss auf die Attraktivität der Kleinstädte haben werden. Beim derzeitigen Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist das nicht verwunderlich, da in ganz Deutschland Ausbildungsstellen und Vollzeitjobs unbesetzt bleiben. Attraktiv wird eine Kleinstadt durch andere Merkmale.

Wissensökonomie und Dienstleistungsjobs werden in Zukunft ein höherer Stellenwert beigemessen. Und bildungstechnisch ist Rothenburg gut aufgestellt. Man hat alle weiterbildenden Schulabschlüsse vor Ort. Mit der Berufsschule und vor allem mit dem Außenposten der Hochschule Ansbach hat man außerdem vielen anderen Kleinstädten einiges voraus. Die Unternehmen in der Region bieten auch Möglichkeiten für ein duales Studium oder Auslandsaufenthalte an, um so junge Erwachsene vor Ort zu halten.
Der Studie nach werden in Zukunft nicht mehr der Job, sondern andere Dinge auschlaggebender sein, ob man die junge Generation hier halten kann. Die Lebensqualität, eine vorhandene Urbanität oder öffentlicher Nahverkehr werden Einfluss darauf haben, wie  attraktiv eine Stadt ist.
Attraktivität ist aber für jede Person unterschiedlich. Der eine ist mit der Stadt zufrieden, der andere beschwert sich über die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in der Altstadt und wieder ein anderer möchte, dass Bars abends länger geöffnet haben. Das sind nur Beispiele, aber es wird ersichtlich, dass es nicht einfach ist für ein junges Klientel attraktiv zu sein.    

hwf

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